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Fragmentierte Sedimente / Polina Davydenko

Fragmentierte Sedimente / Polina Davydenko

Von Nina Moravcová

4. Okt. 2026 – 17. Jan. 2027

Über die Ausstellung

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Polina Davydenko arbeitet vor allem mit Fotografie, Video und Installation. In ihrer Arbeit widmet sie sich Themen, die ihr persönlich nahestehen, sei es Landschaft, Heimat, Migration und in den letzten Jahren vor allem der Krieg in der Ukraine. Obwohl sie seit ihrer Kindheit in der Tschechischen Republik lebt, kehrt sie regelmäßig in ihre Geburtsstadt Dobropilja in der Region Donezk zurück und beobachtet, wie sich die Menschen, ihr Alltag und die vom zerstörerischen Krieg gezeichneten Orte verändern.

In der Ausstellung Fragmentierte Sedimente tritt Davydenko mit den Betrachtenden über ein Paar Videos und eine Objektinstallation in Dialog. Das erste Video entstand noch während Polinas Studium an der FAVU in Brünn. Mit der Stimme der geförderten Kohle erzählt es vom Alltag in Dobropilja, einer Stadt, die vom Steinkohlebergbau geprägt ist. Es vergleicht sie mit dem Geschehen in einem Bienenstock, in dem die Bienen zwar Honig produzieren, dafür aber nur einen süßen Ersatz erhalten. Obwohl die Kohle allgegenwärtig ist, scheint sie niemand mehr wahrzunehmen. Sie ist da wie der Lärm der Fördertürme, wie das leise Pfeifen im Ohr, das wir nur hören, wenn wir uns darauf konzentrieren, ähnlich wie die Zweifel in Momenten, in denen wir darüber nachdenken, was wir tun und zu welchem Preis.

Das zweite Video entstand in diesem Sommer. Darin kehrt Davydenko als Künstlerin und Kriegsreporterin bereits zum wiederholten Mal an vertraute Orte in der Region Donezk zurück, um die Veränderungen der Landschaft und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu dokumentieren, die sich mitten im Geschehen des Krieges befinden. Obwohl sich das Leben der Menschen vor Ort seit der Zeit vor dem Krieg radikal verändert hat und sie gezwungen sind, sich der aktuellen Lage anzupassen, erkennt Polina darin dennoch einige Parallelen. Ihre Schritte führen, wie schon vor dem Krieg, unter die Erdoberfläche. Nicht in die Gruben, die die Bergleute eilig verlassen mussten, sondern in Schützengräben und unterirdische Schächte, in denen sie Schutz vor der Gefahr suchen, während die Frontlinie in die eine oder andere Richtung vorrückt und unumkehrbare Spuren im Gesicht der Landschaft, leere Häuser und gezeichnete Menschenschicksale hinterlässt. Sie gräbt sich tief in die aufgeschichteten Sedimente von Boden und Erinnerung.

Davydenko interessiert, was sich Orte, zu denen wir eine tiefe Beziehung haben, trotz des Eingriffs einer zerstörerischen äußeren Gewalt bewahren können. Ihr Werk ist sensibel und poetisch und öffnet zugleich beunruhigende Themen und stellt grundlegende Fragen, die jede und jeden von uns berühren. Wie sehen wir Bilder des Krieges? Was sagen sie uns und wie wirken sie auf uns? Gibt es einen Unterschied zwischen jenen, die uns die Medien vorlegen, und persönlichen Zeugnissen, die in künstlerische Aussagen verwandelt wurden?

Kuratorin: Nina Moravcová Grafikdesign: Lukáš Matouš Das Projekt wird mit finanzieller Unterstützung des tschechischen Kulturministeriums (MKČR) realisiert.

— Museum of Art and Design Benešov

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Quelle: mudbenesov.cz/media/1073-more-1.webp