In seiner Arbeit setzt sich der zypriotische Künstler Stelios Kallinikou (*1985, Zypern) mit der Halbinsel Akrotiri im Süden Zyperns auseinander. Seit mehr als einem Jahrzehnt fotografiert und filmt er ein Gebiet, in dem ökologische Vielfalt und militärische Nutzung eng miteinander verbunden sind. Akrotiri ist eine sogenannte Sovereign Base Area, ein Gebiet, das Großbritannien auch nach der Unabhängigkeit Zyperns 1960 unter eigener Hoheit behielt. Bis heute betreibt die Royal Air Force dort einen Luftwaffenstützpunkt. Gleichzeitig befindet sich hier mit dem Akrotiri-Salzsee das größte natürliche Binnengewässer der Insel, ein bedeutendes Feuchtgebiet und Rastplatz für Zugvögel.
Kallinikous Fotografien zeigen Widersprüche, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Flamingos rasten im Salzsee, während am Ufer Antennen und Radaranlagen in den Himmel ragen. Vögel, Insekten, Gesteinsformationen und Wasserflächen treffen auf militärische Infrastruktur, Zäune und Flugverkehr. Die britische Militärbasis erscheint dabei nicht als architektonische Anlage, sondern prägt, wie Akrotiri gesehen, betreten und verstanden werden kann. Das Sichtbare verweist zugleich auf das, was unter militärischer Geheimhaltung verborgen bleibt.
Die Ausstellung verbindet Fotografien, Film und skulpturale Assemblagen und nähert sich Akrotiri als einer Landschaft, die zum Territorium geworden ist. Kallinikous Weg führt vom Hafen in Limassol über den Salzsee bis zu den Klippen von Aetokremnos, einer der wichtigsten archäologischen Fundstätten Zyperns. So treffen in seiner Arbeit gegenwärtige geopolitische Fragen auf erdgeschichtliche Zeiträume und Motive von Migration, Zugehörigkeit und Aussterben – vor dem Hintergrund einer Insel, deren territoriale Integrität seit der türkischen Besetzung des Nordens 1974 ungeklärt ist.
Cliffs Among Dreams folgt diesen Verbindungen, ohne sie zu einer linearen Erzählung zu ordnen. Kallinikou behandelt das Land nicht als stumme Fläche, über die Grenzen gezogen oder Nutzungen gelegt werden, sondern als Träger von Geschichten und Konflikten. Das Ökosystem ist von politischen Ordnungen durchdrungen, eignet sich den Ort aber zugleich an und formt ihn auf eine Weise, die sich territorialer Logik entzieht.
Die Arbeit wird gemeinsam mit Susanne Kriemann . Im Fieber der Sonne flattern Schmetterlinge im Bauch als Doppelausstellung im Rahmen des After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 26 erstmals bei C/O Berlin präsentiert. Kuratiert von Katharina Täschner. Es erscheint jeweils eine begleitende Publikation im Verlag Hartmann Books.

Stelios Kallinikou
Öffnet in 11 Tagen




