Ende letzten Jahres gelang es der Mährischen Galerie in Brünn, eine einzigartige Sammlung von Glasobjekten zu erwerben, die von Josef Hoffmann, einem gebürtigen Brtnicer und einem der berühmtesten Architekten und Designer der Geschichte, entworfen wurden. Diese Artefakte werden bald die Dauerausstellung des Josef Hoffmann Museums bereichern. Der Architekt Josef Hoffmann (1870–1956) beeinflusste die Entwicklung der Architektur und des Kunstgewerbes in vielerlei Hinsicht. In dieser Hinsicht ist er eine prägende Persönlichkeit dieser Bereiche für das gesamte 20. Jahrhundert. Er war ein Mann von großem Talent, und seine Arbeiten zeichnen sich durch ein seltenes Verständnis für die Möglichkeiten des Materials aus, gepaart mit der Fähigkeit, ihm die bestmögliche Form für seine Wirkung zu geben. Dies spiegelte sich natürlich auch in seinen Glasentwürfen wider. Einen der außergewöhnlich interessanten Teile seines Schaffens stellen Glasobjekte dar, bei denen er diesem reinen Material in einfachen Formen ohne jegliche zusätzliche Dekoration zur Geltung verhilft, mit Ausnahme von manchmal irisierenden Oberflächen, die jedoch den Gesamteindruck raffinierter Einfachheit eher unterstreichen. Diese Gläser wurden um die Zeit des Ersten Weltkriegs entworfen, und in ihrer Formensprache ist eine klare Inspiration durch venezianische Gläser der Renaissancezeit erkennbar. Meistens handelte es sich um Entwürfe für die Wiener Werkstätte oder für die Firma J. & L. Lobmeyr aus Wien. Gerade die Abwesenheit von Dekoren ist nicht nur im zeitgenössischen, sondern auch im breiteren zeitlichen Kontext ziemlich einzigartig; es handelte sich nämlich um Gläser, die größtenteils für das kultivierte Umfeld künstlerisch gebildeter höherer Gesellschaftsschichten bestimmt waren. Ein breiterer Kreis potenzieller Kunden bevorzugte zu dieser Zeit hingegen eher schmuckvollere Gegenstände. Ein Wendepunkt trat erst später in den 1930er Jahren mit der Akzeptanz des Funktionalismus ein. Hoffmanns Gläser waren in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus, und vielleicht sprechen sie uns deshalb auch nach mehr als hundert Jahren in einer zeitgenössischen künstlerischen Sprache an, in der der Abgrund der Zeit zu verschwinden scheint.

Josef Hoffmann – Neuerwerbungen
Dauerausstellung

