Mies im Bilde

Von Michal Kolář, Barbora Benčíková, Veronika Svobodová

26. März – 15. Nov., 2026VýstavaExhibition

Die Techniken der Collage und Fotomontage begleiteten Mies' Werk während seiner gesamten Karriere. Von den ersten Fotomontagen für den Wettbewerb zum Bismarck-Denkmal in Bingen am Rhein aus dem Jahr 1910 über das visionäre Projekt des Glaswolkenkratzers an der Berliner Friedrichstraße aus dem Jahr 1922 bis hin zu den Collagen von Mies' letzter Realisierung, der Neuen Nationalgalerie in Berlin aus den Sechzigerjahren.

Sieben der ausgestellten Werke stammen aus der Zeit von Mies' Tätigkeit in den Vereinigten Staaten, aus den Jahren 1938–1969. Die Collagen aus seiner amerikanischen Zeit sind nicht nur Arbeitsskizzen. Sie könnten zwar zur Präsentation von Entwürfen bei Kunden gedient haben, gleichzeitig können sie aber auch als autonome Bildwerke aus vielfältigen Materialien betrachtet werden. Sie kombinieren perspektivische Zeichnung, Holzfurniere, Landschaftsfotografien sowie Reproduktionen von Werken von Künstlern, die Mies bewunderte – zum Beispiel Paul Klee, Pablo Picasso, Wilhelm Lehmbruck, Wassily Kandinsky oder Aristide Maillol. Durch diese Schichten artikulieren sie präzise Proportionen, Raumtiefe und die Beziehung des Gebäudes zur umgebenden Landschaft und erinnern gleichzeitig an Mies' Verbundenheit mit der europäischen Avantgarde, insbesondere mit dem Konstruktivismus, den Bewegungen Dada und De Stijl.

Alle ausgewählten Collagen zeigen den Blick aus dem Inneren durch großzügige Glaswände in die Landschaft. Wie bei Mies' Realisierungen ist auch hier erkennbar, dass Architektur kein isoliertes Objekt ist, sondern ein Mittel zur Beziehung zwischen Mensch und seiner Umgebung. Mies strebt in seinen Entwürfen nicht die Dominanz über die Natur an, sondern die Schaffung eines räumlichen Rahmens, in dem die Landschaft auf natürliche Weise in das Innere des Hauses eintreten kann. Studien für das Resor House in Wyoming, das Museum für eine kleine Stadt, das Verwaltungsgebäude der Bacardi Company auf Kuba, das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt sowie die Neue Nationalgalerie in Berlin arbeiten mit einem ähnlichen räumlichen Prinzip, das auch für die Villa Tugendhat charakteristisch ist. Die Glasfläche verwischt hier gleichzeitig die Grenze zwischen Innen und Außen und definiert sie präzise. Obwohl keine Collage der Brünner Villa entstand, betont die kuratorische Auswahl der Werke bewusst die Verbindung zum Ausstellungsort.

Dieser weniger bekannte Teil von Mies' Werk wurde bereits von Autoren wie Phyllis Lambert, Andres Lepik, Barry Berdoll oder Martino Stierli in ihren Texten beleuchtet. Erstmals wurde er jedoch umfassend in der Ausstellung Mies van der Rohe: Die Collagen aus dem Museum of Modern Art in den Jahren 2016–2017 vorgestellt, die insbesondere von Brigitte Franzen und Andreas Beitin für das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen und anschließend für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt vorbereitet wurde. Begleitet wurde sie von einem umfangreichen Katalog, der zu einer wichtigen Referenzquelle für weitere Forschungen wurde.

Die ausgestellten Werke werden als hochwertige Drucke der Originalvorlagen präsentiert.

Vernissage Mittwoch, 25. 3. 2026, 18:00 Uhr

Ausstellungsdauer 26. 3. – 15. 11. 2026 (kostenlos ohne Reservierung zugänglich Di–So, 10:00–18:00 Uhr) Die Ausstellung befindet sich im technischen Geschoss der Villa Tugendhat.

Autoren: Michal Kolář, Barbora Benčíková, Veronika Svobodová Studien- und Dokumentationszentrum – Villa Tugendhat (SDC-VT), Museum der Stadt Brünn Architektonisches und künstlerisches Design: Atelier Zidlicky Sprachliche Korrektur: Neli Hejduk Übersetzung: Stephan von Pohl

Digitale Reproduktionen der Collagen: The Museum of Modern Art, New York / Scala Archives; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / bpk-Bildagentur

Fotos: David Židlický, Vladimír Buček – NPÚ-ÚOP Brno

— Villa Tugendhat
Quelle: www.vilatugendhat.cz/en/akce/mies-v-obraze