Eröffnung der Ausstellung: → 9.10. (Freitag), 18:00 Uhr NOMUS – Nowe Muzeum Sztuki und Gdańska Galeria Fotografii ul. Jaracza 14, Danzig
Die Vernissage wird in die PJM übersetzt. Der Eintritt ist frei!
Kann Fotografie zu einem Werkzeug kritischen Denkens werden und eine Galerie zu einem Ort des Aufbaus einer unabhängigen Gemeinschaft? Wie kann man Kunst unter den Bedingungen politischer Einschränkungen schaffen? Am Freitag, dem 9. Oktober, um 18:00 Uhr findet die Vernissage einer Ausstellung statt, die dem Werk von Leszek Brogowski und der Geschichte der legendären Danziger Galerie gn gewidmet ist, die in den Jahren 1978–1981 aktiv war – der Vorläuferin der Gdańska Galeria Fotografii.
Die Ausstellung umfasst Archivmaterialien, die die einzigartige konzeptuelle Tätigkeit der Galerie dokumentieren: Fotografien, Zeichnungen, Grafiken, Flugblätter und Drucksachen sowie die in Polen wenig bekannten Zeichnungen und Sofortfotografien von Leszek Brogowski und ausgewählte Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die in der gn ausstellten.
Künstler, Intellektueller, Ingenieur
Leszek Brogowski – Humanist, Intellektueller, Ingenieur, Absolvent der Politechnika Gdańska – gehörte zu den wenigen Künstlern, die in den 1980er Jahren zur Mitgestaltung der Internationalen Polaroid-Sammlung (Polaroid Collection) eingeladen wurden. In seiner Praxis erweiterte er konsequent das Feld der Kunst, indem er den Sinn der Mitteilung und die Materialität des Werks analysierte. Die Fotografie verstand er als demokratisches Werkzeug – zugänglich, verbreitet und mit dem Potenzial gesellschaftlichen Wandels. Im Geiste des Konzeptualismus, nahe dem Fluxus, nutzte er sie als Medium der Analyse und Dokumentation und brach mit der in Polen in den Jahren 1945–1990 dominierenden Tradition der Ästhetisierung des Bildes.
Neoavantgarde in Danzig
Die Galerie gn, die dem Verband Polnischer Fotokünstler des Pommerschen Bezirks angegliedert war, wurde zu einem der wichtigsten Zentren der konzeptuellen und performativen Kunst in Polen. Innerhalb von knapp vier Jahren – vom 3. Januar 1978 bis zum 13. Dezember 1981 – wurden fast 50 Ausstellungen realisiert, die meist von eigenständigen Katalogen begleitet wurden. Leiter und Kopf der Galerie war Leszek Brogowski, der zusammen mit den engagierten jungen Kreativen Witold Węgrzyn, Paweł Borkowski und Wojciech Leszczyński sowohl etablierte als auch weniger bekannte Persönlichkeiten der lokalen und landesweiten Kunstszene einlud, darunter Jan Berdyszak, Wojciech Bruszewski, Małgorzata Borowska, Witosław Czerwonka, Zbigniew Dłubak, Teresa Murak, Jadwiga Przybylak, Andrzej Różycki, Zofia Rydet und Grzegorz Sztabiński, sowie ausländische Künstler wie Victor Burgin, Stano Filko, Milan Grygar, Ivan Kafka, Jürgen O. Olbrich, ORLAN und die Gruppe HPA (Histoire et Prospection de l'Art).
Die Tätigkeit der gn fügte sich in die Landschaft der polnischen Neoavantgarde ein, die auch von den Galerien Foto-Medium-Art in Breslau, Akumulatory 2 in Posen und Studio in Warschau mitgeprägt wurde. Anders als viele von ihnen war die gn nicht an eine Kunsthochschule gebunden – sie ging aus einer Initiative von unten aus dem Milieu der Fotografen, Künstler und Kritiker hervor.
Die Gründer der Galerie formulierten kein Manifest. Den Wert der Kunst sahen sie in ihrer Praxis, im Aufbau von Beziehungen und im Austausch von Gedanken sowie in der konsequenten Aufrechterhaltung einer schöpferischen Haltung im Leben. Ziel war nicht die Schaffung von Meisterwerken, sondern die Entwicklung des schöpferischen Prozesses als Denk- und Handlungsweise. Deshalb luden Leszek Brogowski und der mit ihm zusammenarbeitende Kunstkritiker Marceli Bacciarelli Künstlerinnen und Künstler, die sich für die nichtkommerzielle und analytische Dimension der Kunst interessierten und für Experimente und neue Formen der Zusammenarbeit offen waren, zu monatlich wechselnden Ausstellungen ein. Ihre Tätigkeit fügte sich in die sich in Polen und Mitteleuropa entwickelnden demokratischen künstlerischen Praktiken und in internationale Austauschnetzwerke ein.
Die besondere Formel der Galerie gn
- Die Formel der Galerie erwies sich als überraschend zeitgemäß. Sie funktionierte als Plattform des Gedankenaustauschs, als Labor der Zusammenarbeit und als institutionelles Experiment, nicht nur als Ort der Präsentation von Werken. Brogowski schuf ein Instrument zum Aufbau von Beziehungen und künstlerischer Gemeinschaft – einen Raum, in dem der schöpferische Prozess ebenso wichtig war wie sein Ergebnis. Neben der Galerie AUT (von…

Aufzeichnungen. Leszek Brogowski und die Galerie gn 1978‒1981
Leszek Brogowski · Witold Węgrzyn · Paweł Borkowski · Jan Berdyszak · Wojciech Bruszewski · David Connearn · Witosław Czerwonka · Jan Michał Fabich · Stano Filco · Ivan Kafka · Teresa Murak · Andrzej Różycki · Zofia Rydet · ORLAN
9. Okt. 2026 – 31. Jan. 2027
