Herbstausstellung im Obergeschoß
BETTINA PASCHKE
"Linien ziehen" /
"Drawing Lines"
Eröffnung: Fr, 02.10.2026, 19.30 Uhr
Einführung: Dr.in TANJA GURKE, Kunsthistorikerin, freiberufliche Kuratorin und Kulturmanagerin
Ausstellung: 04.10.2026 - 10.01.2027
Between the Lines Nr.194, 40x60, 2023
BETTINA PASCHKE
"Linien ziehen“
Die Ausstellung „Linien ziehen“ zeigt eine Auswahl an Zeichnungen der Grazer Künstlerin BETTINA PASCHKE im Obergeschoß des Museums der Wahrnehmung, entstanden in den letzten Jahren. Für ihre Zeichnungen auf Papier nutzt die Künstlerin vorwiegend Tuschestifte in unterschiedlichen Stärken.
Am Beginn jeder Zeichnung der Künstlerin steht eine gerade Linie, deren Enden die Ausgangspunkte für die nächsten Linien bilden. Allen Zeichnungen – bestehend aus einer Vielzahl an Einzelstrichen in einer Farbe - ist ein von ihr entwickeltes Strichsystem gemein, innerhalb dessen größere oder kleinere Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Strichlänge oder Strichrichtung entstehen. Beim freihändigen, repetitiven Aneinanderreihen von gleichen Formen wie Dreiecken, Rauten oder Sechsecken entstehen feine Unregelmäßigkeiten, die im langsamen Wachstumsprozess der Zeichnung - zu Verformungen des gesamten Liniengefüges führen. Gestaucht oder auseinandergezogen treten diese netzartigen Strukturen in Erscheinung. Innerhalb des linearen Gebildes bilden sich auch immer wieder Verdichtungen durch kleinere Formen oder durch Überlagerung von Linien-Strukturen. Das Spiel mit der Verdichtung treibt BETTINA PASCHKE an manchen Stellen so weit, dass das lineare System mit freiem Auge nicht mehr erkennbar ist. „Mein Interesse gilt dem Instabilen, Flüchtigen – dem Flirren, das unsicher macht.“
Es ist ein langsamer Arbeitsprozess, der hohe Konzentration erfordert und dessen Endergebnis dennoch nicht vorausplanbar ist. Sie strebe, sagt BETTINA PASCHKE, Perfektion an, sei sich jedoch stets bewusst, dass dies unmöglich sei, weshalb sie mit den Fehlern umzugehen versuche. Diesen Umstand reizt sie in gewisser Weise aus, indem sie Fehler mitunter bewusst provoziert – durch das Einfügen einer anderen Form – um dann im Zuge der entstehenden Zeichnung deren Auswirkungen zu erforschen. Jede, manchmal spontan getroffene Entscheidung, eine Linie oder eben das System zu ändern, führt zu Konsequenzen für die folgenden Linien und letztlich für die gesamte Komposition. Die Abweichungen erhöhen die Spannung beim Betrachten und lassen das Linien-Gebilde lebendig erscheinen. Das Erkennen minimaler Unregelmäßigkeiten beim kontinuierlichen Vergleichen von Linien und Formen in den Zeichnungen von BETTINA PASCHKE wird zu einer spannenden, immer wieder neu angefachten Herausforderung. „Ich setze auf die Penetranz des Leisen. Wer flüstert, zwingt sein Gegenüber, nahe zu kommen und genau hinzuhören und zwingt dazu, sich Zeit zu nehmen.“
BETTINA PASCHKE
“Drawing lines“
The exhibition “Drawing Lines” presents a selection of drawings by the Graz-based artist BETTINA PASCHKE on the upper floor of the Museum of Perception, created over the last few years. For her drawings on paper, the artist primarily uses ink pens of varying thicknesses.
Each of the artist’s drawings begins with a straight line, the ends of which form the starting points for the next lines. All the drawings – consisting of a multitude of individual strokes in a single colour – share a stroke system developed by the artist, within which minor or major variations arise due to differences in stroke length or direction. The freehand, repetitive stringing together of identical shapes such as triangles, diamonds or hexagons gives rise to subtle irregularities which, in the drawing’s slow process of development, lead to distortions of the entire line structure. These net-like structures appear compressed or stretched. Within the linear structure, areas of densification also arise time and again, caused by smaller forms or by the superimposition of line structures. In some places, BETTINA PASCHKE takes this play with densification so far that the linear system is no longer recognisable to the naked eye. “I am interested in the unstable, the fleeting – the shimmering that makes us feel uncertain.“
It is a slow creative process that demands intense concentration, yet whose final outcome cannot be predicted in advance. BETTINA PASCHKE says she strives for perfection, but is always aware that this is impossible, which is why she tries to come to terms with her mistakes. In a way, she exploits this fact by sometimes deliberately provoking mistakes – by inserting a different shape – and then exploring their effects as the drawing takes shape. Every decision – sometimes made spontaneously – to alter a line or indeed the system itself has consequences for the lines that follow and, ultimately, for the entire composition. These deviations heighten the tension for the viewer and make the linear structure appear alive. Recognising minimal irregularities whilst continuously comparing lines and forms in BETTINA PASCHKE’s drawings becomes an exciting challenge that is constantly reignited. “I rely on the persistence of the quiet. Those who whisper compel their counterpart to draw near and listen closely, and force them to take their time.”
Dr.in TANJA GURKE, Kunsthistorikerin, Kuratorin: "Linien ziehen ist bei BETTINA PASCHKE wie eine Handschrift. Jeder erste Strich ist der Anfang von etwas Ungewissen. Wie das fertige Blatt schlussendlich aussehen wird, entsteht erst im beständigen Tun, im Rhythmus beim Setzen der kleinen, akkuraten Linien. Muster und geordnete Strukturen beginnen zu vibrieren und zu flimmern, eine Energie baut sich in den gewebeartigen Flächen auf und lässt die textil anmutenden Netze elastisch und biegsam wirken. Eng- bis breitmaschige Liniengeflechte weben sich durch systematische, beharrliche Wiederholung über den Bildraum und verspannen sich über die Fläche. Die Künstlerin führt uns Betrachtende in einen scheinbar unendlichen Zeitraum, in einen kontemplativen Ort unserer Wahrnehmung im Außen wie in uns drinnen."
BETTINA PASCHKE: „Mein künstlerisches Medium ist die Zeichnung, kennzeichnend meine Lust am Minimieren, Vereinfachen und Zerlegen, an der aufwendigen Suche nach Intensität. Eine gerade Linie steht zu Beginn, ihr Anfang und ihr Ende bilden einen Punkt. Feine Einzelstriche legen sich waagerecht, senkrecht oder diagonal als systematische Schichten über das Papier - Linie für Linie, Millimeter um Millimeter. Helle Auslassungen strukturieren diese Strichgespinste und lassen Licht reflektieren. Sie zeigen einen zeichnerischen Wachstumsprozess, der sich als abstraktes Spiel zwischen mir und meinem Strichsystem erweist. Mein Interesse gilt dem Instabilen, Flüchtigen - dem Flirren, das unsicher macht.“
BETTINA PASCHKE, geboren 1972 in Graz; Architekturstudium in Graz, Venedig und Oslo; seit 1998 freischaffende Künstlerin. Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl): 2026: Paper Unlimited_02, Ausstellung zum Erich Grabner Preis der Stadt Krems; High Season, Room of Fine Arts Graz; Artist in Residence - Artoll Kunstlabor / Kleve, D; 2025: Blumen . Flüstern, Galerie Hrobsky Wien; Between the Lines, PLÜ23 Graz; 2024: Fortsetzung folgt, Gerberhaus Fehring; Vermessung 02 – Arbeiten auf Papier, Kunsthalle Graz; 2023: Paralell Editions 2023, Wien; Looking for a Safe Place, Galerie Künstlerverein Dachau; 2022: Roter Salon 2022, Hoenes-Stiftung Burgrieden, Galerie Ulrike Hrobsky Wien; Sommergras ist alles, was geblieben ist, Kunstverein zu Rostock; 2021: Paper Positions 2021, Basel, Galerie Ulrike Hrobsky Wien; Rapid Lines, Westwendischer Kunstverein Gartow; 2020: Heterogen, Galerie Ulrike Hrobsky Wien; 2019: Paper Positions 2019, Basel, Galerie Ulrike Hrobsky; Schwarz Weiss / Licht Schatten, Galerie Ulrike Hrobsky Wien; 2018: Art Austria 2018 Wien, Galerie Ulrike Hrobsky; Relative Nähe Galerie Hrobsky Wien; 2016: Don't Panic It's Organic, Galerie Zimmermann-Kratochwill Graz; 2019 Kunstförderpreis des Anne-Goldenberg-Fonds; vertreten in der Sammlung der Neuen Galerie, UMJ Graz.
http://www.bettina-paschke.at/
Dr.in TANJA GURKE, geboren 1971 in Graz, 1989 - 1998 Diplom- und Doktorratsstudium der Kunstgeschichte Karl-Franzens-Universität Graz und Tutorin und Lektorin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Graz. Tätigkeit als Kunstkritikerin, 2000 Buchhändlerprüfung an der WK Graz, Leitung der Filiale der Fachbuchhandlung Prachner Graz, später Leitung des Kunsthaus-Shops und des Referats Shops, Buch- und Verlagwesen am Universalmuseum Joanneum sowie des Verlags des Haus der Architektur Graz. Seit 2010 Organisation der Reihe Häuser schaun für das Haus der Architektur Graz. 2010 - 2016 Büroleitung und Pressearbeit des Grazer Kunstvereins, 2016 - 2026 dessen Geschäftsleitung. Derzeit tätig als freiberufliche Kuratorin, Kulturvermittlerin und Kulturmanagerin, nach 6 Jahren Mitgliedschaft des Landeskulturkuratoriums nun im Fachbeirat für Bildende Kunst, Neue Medien und Architektur.

BETTINA PASCHKE "Linien ziehen"
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