Jiří Davids Zyklus von vierzehn großformatigen Werken aus dem Jahr 2023 präsentiert eine existenzielle Aussage, in der der Autor Raum für eine kritische Reflexion des aktuellen Zustands der Welt und des eigenen Inneren öffnet. Formal knüpft er an die Tradition der vierzehn Stationen des Kreuzwegs an, ist aber keine direkte religiöse Illustration. Jiří David nutzt dieses historisch belastete Schema als strukturellen Rahmen für eine Sondierung der Themen menschlichen Leidens, innerer Transformation und des Erlebens des „Seins in Ungewissheit“. Die untere Schicht der Bilder besteht aus einer Collage von Fragmenten weltweiter Periodika, die den Medienlärm und den unendlichen Informationsfluss repräsentiert, der bis zur Abstumpfung gegenüber dem Bösen führen kann. In dieses Feld sind intime Fragmente aus dem Leben des Autors und ein beunruhigendes Insekten-„Bestiarium“ (Flöhe, Spinnen) eingefügt. Diese winzigen Lebensformen symbolisieren die parasitäre Komponente der Realität, die sich unmerklich in unserer Wahrnehmung festsetzt, und erinnern an tragische historische Konnotationen im Zusammenhang mit der Entmenschlichung. Schwarze, unregelmäßige Flecken pastoser Malerei durchziehen die gesamte Oberfläche der Werke. Diese visuellen Schatten, die an „Überreste von Körpern“ erinnern, sind eine Metapher für unausgesprochenen Schmerz und Verlust. Obwohl sie physisch die darunterliegenden Fragmente bedecken, betonen sie diese gleichzeitig und bringen erhebliche Brutalität und ein konzentriertes Gefühl der Schwere in die Werke.
Jiří David (* 1956, Rumburk) absolvierte die Akademie der Bildenden Künste in Prag und war 1987 Mitbegründer der legendären Künstlergruppe Tvrdohlaví, die die tschechische Kunstszene Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre maßgeblich prägte. Im Laufe seiner reichen Karriere profilierte sich David als multidisziplinärer Künstler, der sich weigert, in einem Stil oder Medium zu verharren; sein Werk verbindet Malerei, konzeptuelle Fotografie und Installation organisch. Ein typisches Merkmal seiner Arbeit ist die kritische Reflexion gesellschaftlicher und politischer Themen, die Erforschung des persönlichen und kollektiven Gedächtnisses und die provokative Auseinandersetzung mit Identität. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch die Installation eines Neonherzens über der Prager Burg im Jahr 2014 bekannt, die als Hommage an das Erbe von Václav Havel entstand. Neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit widmete sich David lange Zeit der pädagogischen Arbeit, insbesondere der Leitung des Ateliers Intermediální konfrontace an der UMPRUM in Prag.
Die feierliche Vernissage findet am Samstag, den 4. Juli 2026, um 18 Uhr in der Galerie umění Karlovy Vary, Goethova stezka 6, statt. Eröffnet wird die Ausstellung von Jana Bömerová, der Direktorin der Galerie, und der Kuratorin der Ausstellung, Julie Motyčka. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, den 4. Oktober 2026.

Jiří David: Wenn Dunkelheit für die Sicht notwendig ist
Von Julie Motyčka
5. Juli – 4. Okt., 2026


