Die Ausstellung präsentiert eine offene Sammlung experimenteller Gemälde von Petr Nikl aus den letzten Jahren mit Schwerpunkt auf seinem aktuellen Schaffen. Es handelt sich um Arbeiten auf Leinwand und großformatigen asiatischen Reispapieren, die in einer Mischtechnik unter Verwendung von farbigen Tuschen, Tinten und gestreuten Pigmenten entstehen. Dabei arbeitet der Autor mit den Prinzipien der kontrollierten und spontanen Malerei, wobei sich die resultierenden Bilder im Grenzbereich zwischen abstrakter Formensprache und einer aufgelockerten Typologie des menschlichen Gesichts bewegen. Das nicht-wörtliche Motiv wird durch symmetrische Zeichenstrukturen angedeutet, die eine breite assoziative Lesart ermöglichen. Das Projekt thematisiert die Beziehung zwischen Bild und Wahrnehmung, zwischen Form und ihrer Destabilisierung. Es nutzt Prinzipien der visuellen Unbestimmtheit, die Raum für introspektive und kulturell bedingte Interpretationen eröffnen. Die Gemälde sind nicht das Ergebnis eines vorher festgelegten Verfahrens, sondern entstehen im Rahmen eines variablen intuitiven Prozesses, in dem sowohl die Aktivität des Autors als auch die materielle und physikalische Bedingtheit des Mediums zum Tragen kommen. In der Unbestimmtheit und Wandelbarkeit der „Gesichter“ kann der Betrachter eigene Projektionen entdecken, die ihm mehr über sich selbst verraten können als ein Blick in den Spiegel.

Petr Nikl / Herbarium
Von Radek Wohlmuth
26. Juni – 6. Sept., 2026

