Vladimír Havlík / Pieces

Von Jolana Havelková

Endet in 22 Tagen

Vladimír Havlík ist eine Persönlichkeit der tschechischen Performance-Szene und ein Konzeptkünstler. Er widmet sich aber auch anderen Kunstformen, insbesondere der Schaffung von Objekten, Malerei und Zeichnung. Im Burggrafenamt der Burg Klenová präsentiert er eine Sammlung von Werken mit dem Titel PIECES, die eine Auswahl aus der Dokumentation von Aktionen, Events und Performances aus verschiedenen Schaffensperioden des Autors, einschließlich weniger bekannter und neuester Arbeiten, darstellt. Die Ausstellung reflektiert die Zeit von den späten 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die Ideen des Autors entspringen der Beobachtung alltäglicher Situationen und der Reflexion von Momenten des privaten und öffentlichen Lebens. Manchmal handelt es sich um eine kleine Geste, die als spontane Idee oder Reaktion auf eine unmittelbare Situation wahrgenommen werden könnte, ein anderes Mal um eine im Voraus geplante Aktion. Typisch für ihn ist die Arbeit mit dem eigenen Körper, insbesondere in ländlichen oder städtischen Umgebungen. Die Aktionen des Autors rufen ein breites Spektrum von Gefühlen und Gedanken hervor, die oft einen widersprüchlichen oder vom Autor selbst ironisch in Frage gestellten Sinn enthalten. Zum Beispiel verwandelt sich eine manchmal ernst gemeinte Aktion im Laufe der Zeit in eine humorvolle Übertreibung. In einigen Performances geht der Autor bis zum Kern des Seins und der Zerbrechlichkeit der Koexistenz des Menschen mit der Natur. Das Nachklingen der vergangenen Ereignisse kann dann eine weitere bedeutungsvolle Überraschung mit sich bringen. Unmittelbare Events, die ab Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts entstanden, waren von Zusammengehörigkeit und einer gewissen Gegenseitigkeit zwischen den Akteuren selbst und gegebenenfalls auch dem Publikum geprägt. Obwohl Havlíks Performances und Happenings überwiegend apolitisch waren, musste er sein Handeln in der Zeit des sozialistischen Tschechoslowakiens nicht selten bei den zuständigen Stellen erklären. Dem Autor ging es aber vorwiegend darum, etablierte Normen auf einer allgemeineren Ebene in Frage zu stellen oder zu schwächen. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entstehen Aktionen auch für Festival- und Galeriepublikum. Es handelt sich oft um Zusammenarbeit zu einem vorgegebenen Thema. Vladimír Havlík unterzieht das Medium Performance und ihre Dokumentation einer kritischen Revision. Im Jahr 2023 begann er, mit künstlicher Intelligenz zu experimentieren. KI hat auf der Grundlage von Havlíks Anleitungen fotografische und Videodokumentationen seiner älteren, nicht realisierten Aktionen und Interventionen in die Landschaft erstellt. Die entstandenen Arbeiten wirken (glücklicherweise) unvollkommen, unlogisch, schmunzelnd. Der Autor spielt hier mit sich selbst, lässt seine Gestalt und den Verlauf der Aktion nach seinen Anweisungen gerade mittels künstlicher Intelligenz erstellen. Mit Textanleitungen, von denen er eine große Menge besitzt, experimentierte er schon in der Vergangenheit. Einer seiner partizipativen Ausstellungen habe ich auch beigewohnt (Anleitungen zur Realisierung, Galerie Cella, Opava, 2014). Das Ergebnis der Realisierung der Anleitung "Buch in Asphalt getaucht" ist auch auf dieser Ausstellung zu sehen. Vladimír Havlík bewegt sich an der Schnittstelle verschiedener Genres, Themen, Techniken. Er nimmt an verschiedenen Veranstaltungen teil, experimentiert, überdenkt seine Gedanken. Die Ausstellung im Burggrafenamt der Burg Klenová kann nicht als Retrospektive verstanden werden. Es handelt sich aber um eine relativ umfassende Präsentation der Dokumentation vergangener und fiktiver Aktionen. VLADIMÍR HAVLÍK (1959, Nové Město na Moravě) lebt und arbeitet in Olomouc. Er absolvierte die Pädagogische Fakultät der Palacký-Universität in Olomouc (1978–1983), wo er seit 1990 am Lehrstuhl für Kunsterziehung unterrichtet. Im Jahr 1999 habilitierte er sich an der UJEP in Ústí nad Labem und erhielt 2020 den Professorentitel an der FAVU VUT in Brünn. Der Autor ist Preisträger des Preises "Umělec má cenu" (2015), der an Künstler/innen verliehen wird, deren Werk bei der jungen und aufstrebenden Künstlergeneration stark Anklang findet, und des Michal-Ranný-Preises für das Jahr 2025. Er arbeitet mit Künstler/innen der jüngeren Generation zusammen, wie Barbora Klímová, Jan Krtička, Jana Orlová, aber auch mit seinem Altersgenossen Martin Zet. Er ist Frontmann der Gruppe Ostrý zub, die sich im Grenzbereich von Performance und Musik bewegt. Er nimmt kontinuierlich an weiteren künstlerischen Aktivitäten teil. Seit 2015 beispielsweise regelmäßig am Festival der nackten Formen. Neben Aktionen präsentiert er seine Arbeiten auf Einzel- oder Gruppenausstellungen in Tschechien und im Ausland. Im Jahr 2006 hatte er im Haus der Kunst der Stadt Brünn eine retrospektive Ausstellung "Soft Spirit /1977–2006" (zu dieser Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog).

Galerie Klatovy / Klenová