Die Welt der Pilze, Flechten und Pflanzen

Dauerausstellung

Die neue Ausstellung im 2. Stock des historischen Gebäudes präsentiert die Vielfalt der Pilze, Flechten und Pflanzen aus Tschechien und der ganzen Welt – von mikroskopisch kleinen Formen bis hin zu Bäumen und essbaren sowie ungenießbaren Pilzen. Sie lernen deren System, Lebensstrategien und wie sie unser tägliches Leben beeinflussen kennen. Exponate seltener Herbarien, Modelle und interaktive Elemente führen Sie durch diese stille, aber unverzichtbare Welt.

Der Pilzsaal

Wussten Sie, dass Pilze nicht nur Röhrlinge und Fliegenpilze sind, sondern auch ganz anders aussehen können? Alle Haupttypen von Pilzfruchtkörpern finden Sie bei uns. Ahnen Sie, dass der Hauptkörper der Pilze nicht die Fruchtkörper sind, die wir sammeln, sondern das Myzel, das wir meistens nicht sehen? Bei uns im Museum werden Sie es mehrmals sehen. Auf der Oberfläche eines großen Baumstumpfes aus den Böhmerwaldwäldern werden Sie feststellen, dass Pilze sich ähnlich verhalten wie wir Menschen – sie grenzen ihr Territorium auch mit „Zäunen“ aus ihrem Myzel ab.

Wer es nicht schafft, Pilze in der Natur zu sammeln, kann bei uns vorbeischauen. Er kann zum Beispiel eine lyophilisierte Austernpilz erblicken, die aus einem Strohblock gewachsen ist. Er wird erkennen, wo überall der Mensch in seinem Leben auf Pilze trifft. Und wer sich nach Steinpilzen sehnt, bekommt endlich eine Antwort auf die Frage, wie schnell sie wachsen. All das und noch viel mehr in einem einzigen Pilzsaal.

Der Flechtensaal

Im Flechtensaal treffen Sie auch auf Pilze, die sich aber eine Alge „ins Boot geholt“ haben und gemeinsam einen Organismus bilden, der fast überall leben kann.

Flechten können dank der Verbindung von Schlauchpilz und Alge oder Cyanobakterium vielfältige Standorte besiedeln. Daher können wir sie nicht nur auf Bäumen (epiphytisch), Felsen (saxicol) oder im Boden (terricol) beobachten, sondern auch auf vom Menschen geschaffenen Substraten. Wussten Sie, dass Flechten sogar Autokarosserien oder Glas bewachsen können? Gleichzeitig ist es möglich, anhand der (Nicht-)Anwesenheit bestimmter Flechtenarten oder -gattungen (Usnea, Bryoria) den Grad der Luftverschmutzung in einem bestimmten Gebiet zu bestimmen.

Die Art der Umgebung, in der Flechten wachsen, prägt nicht nur die Artenzusammensetzung der Flechten, sondern auch das Aussehen des Flechtenthallus. Wir unterscheiden daher pulvrige, krustige, blättrige und strauchartige Flechten. Alle Thallustypen lernen Sie beim Besuch der Ausstellung kennen.

Die Alge oder das Cyanobakterium stellt im Rahmen der Symbiose den sogenannten Photobionten dar, in dem die Photosynthese wie bei Gefäßpflanzen abläuft – daher sind Flechten keine parasitären Organismen. Im Gegensatz zu Gefäßpflanzen sind Flechten jedoch auch im Winter zur Photosynthese fähig, in einigen Fällen sogar während des Frosts oder unter einer Schneedecke!

Flechten sind in der Natur auch in den Herbst- und Wintermonaten in unveränderter Form zu finden. Dies nutzen Menschen in nordischen Ländern, wo strauchartige Flechtenarten der Gattung Cladonia (Rentierflechte) häufig wachsen. Insbesondere die Flechte Cladonia stellaris (Alpen-Rentierflechte) wird dann zu Dekorationszwecken gesammelt – zum Beispiel zur Herstellung von Adventskränzen. Da Flechten sehr langsam wachsende Organismen sind, empfehlen wir, diese Aktivität in unseren Breiten nicht durchzuführen.

Der Pflanzensaal

Der Pflanzensaal präsentiert das Interessanteste aus dem Pflanzenreich. Was kann in 500 Jahren alles passieren? Kommen Sie und fragen Sie unsere Eiche. Jeder helle und dunkle Ring erzählt die Geschichte eines Jahres, vom Erwachen im Frühling bis zum Winterschlaf.

Entdecken Sie mit uns, wie erfinderisch Pflanzen sich in der Welt verbreiten können. Es erwarten Sie gleiterähnliche Samen der Alsomitra, die in der Luft schweben, Früchte der Uncarina, bewaffnet mit scharfen Krallen, die sich sogar an nackter Haut festhalten können, oder zusammengerollte Jericho-Rosen, die ihre Samen vor den rauen Bedingungen der Wüste schützen und auf den Regen warten. Wissen Sie, welche Samen die größten und welche die kleinsten der Welt sind? Bei uns sehen Sie sie nebeneinander – den riesigen Samen der Seychellenpalme und mikroskopisch kleine Orchideensamen, leicht wie Staub.

Was wären Pflanzen ohne Sonne? Die Entdeckung der Photosynthese löste eine Revolution aus und veränderte das Antlitz der Erde vollständig. Im Wettlauf um das Licht entwickelten Pflanzen verschiedene Strategien. Bäume setzten auf festes Holz und hohe Stämme. Wie aber sehen die Stängel von Lianen, Baumfarnen oder Kakteen aus? Lassen Sie sich von der unerwartet schönen Struktur ihrer Stämmchen verzaubern, so anders als die regelmäßigen Jahresringe der Bäume.

Glauben Sie, Herbarien sind langweilig? Die Herbariengalerie mit einem majestätischen Palmblatt wird Sie vom Gegenteil überzeugen.

Für Kinder

Alle Säle der Ausstellung werden durch interaktive Elemente, Animationen und Projektionen belebt, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen. Im Pilzsaal können Sie an einer interaktiven Wand verschiedene Arten von Myzel beleuchten oder eine Zeitrafferaufnahme des Wachstums eines Pilzes im Wald verfolgen. Im Bereich der Flechten können Sie einen mit Flechten bewachsenen Stein anfassen oder mit Hilfe der Hervorhebung einzelner Teile einen detaillierten Schnitt seines Thallus betrachten. Der Pflanzensaal bietet eine Animation der Photosynthese, Projektionen voller Interessantes aus der Pflanzenwelt und auch eine Lupe, mit der Sie den kleinsten und größten Samen des Pflanzenreiches vergleichen können.

National Museum