Kein anderer König hat die Kathedrale so großzügig und edel beschenkt, schreibt der mittelalterliche Chronist František Pražský über Karl IV. Damit erinnert er an seine grundlegende, manchmal aber übersehene Tätigkeit, nämlich das Sammeln und Ausstellen heiliger Reliquien. Die Ausstellung Fragmente der Erinnerung in der Jízdárna Pražského hradu verbindet mittelalterliche Artefakte, deren Bedeutung heute fern oder fremd ist, mit zeitgenössischer Kunst. Sie regt zum Nachdenken über die Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart an.
Kaiser Karl IV. erfüllte nicht nur den baulichen Traum einer gotischen Kathedrale auf der Prager Burg. Der Schatz des hl. Veit, zielgerichtet erweitert und bereichert, war das prägnanteste Zeugnis des fürstlichen Ehrgeizes, gestützt auf die Fürsprache himmlischer Patrone. Er war – und ist – ein Zeugnis von Glaube und Hoffnung. Von Geschichten, die wir nur durch Objekte verstehen können, die ein untrennbarer Bestandteil des europäischen Gedächtnisses sind.
Die Kunstwerke führender internationaler Künstler regen zum Nachdenken an. Wie sind Edmund de Waals rätselhafte Konstruktionen zu verstehen? Was erzählen Josef Koudelkas fotografische Dokumente? Welche Sprache spricht zu uns der in die Vergangenheit blickende Spiegel von Gerhard Richter oder Julian Rosefeldts traumhafte Filmgeschichte? Die Werke von Mark Wallinger und Francis Bacon reflektieren die jüdisch-christlichen Traditionen der westlichen Zivilisation. Der Missbrauch (staatlicher) Macht ist ein gemeinsames Thema von Anselm Kiefer, Magdalena Jetelová und Joseph Beuys. Aber sind wir überhaupt bereit, zurückzublicken und aus unserer eigenen Vergangenheit zu lernen?
Die Ausstellung präsentiert vielfältige Ansätze, Objekte, Geschichte und Gegenwart zu interpretieren. Die Menschheit erlangte Macht durch den Aufbau umfangreicher Informationsnetzwerke, die Gesellschaften und politische Systeme nutzten, um ihre Ziele zu verfolgen. Demokratische Systeme ermöglichen den freien Informationsfluss über unabhängige Kanäle, während totalitäre Regime Informationen in einem Zentrum bündeln. Auch die Reliquiensammlung der Prager Kathedrale kann als eines der mächtigen Kommunikationsmittel der Kirche betrachtet werden. Auch wenn von ihrer einstigen Pracht nur noch Fragmente erhalten sind.
Autor und Hauptkurator der Ausstellung ist Jiří Fajt. Ko-Kuratoren sind Lennard Hoffmann und Vladimír Kelnar.
Die Ausstellung wird von Správa Pražského hradu organisiert mit dem Hauptpartner der Ausstellung, Metropolitní kapitula u sv. Víta v Praze.
Den Ausstellungskatalog können Sie an der Kasse der Ausstellung erwerben.

Fragmente der Erinnerung: Der Veitsdom-Schatz im Spiegel der zeitgenössischen Kunst
Endet in 8 Tagen





