Arnulf Rainer zählt zu den bedeutendsten und kompromisslosesten Persönlichkeiten der österreichischen und internationalen Kunst nach 1945. Der 1929 in Baden (bei Wien) geborene und Ende 2025 in Oberösterreich verstorbene Künstler prägte die internationale Kunstgeschichte als Erneuerer, der über sieben Jahrzehnte die Grenzen der Malerei auslotete.
Von Beginn seiner künstlerischen Laufbahn an, angetrieben von seinem entschlossenen Widerstand gegen alle brutalen Beschränkungen des Nationalsozialismus, strebte Rainer konsequent nach Unabhängigkeit und Autonomie. Mit seinen radikalen „Übermalungen“ der 1950er Jahre wurde er international bekannt und erlangte einen wichtigen Platz im post-1945-Künstlerpantheon. Diese Werke zeugen eindrucksvoll von seiner persönlichen Haltung als Künstler, die sich allen Konventionen widersetzte.
Es war eine Gruppe fotografischer (Selbst-)Porträts, seine „Selbstgespräche vor der Kamera“ der späten 1960er Jahre, die zur faszinierenden Serie Face Farces führte – beeindruckende Beispiele zeigen deutlich, welch breites Spektrum an Ansätzen zur Manipulation und Überarbeitung von Bildern er anwandte, ganz zu schweigen von der Intensität und Dynamik des begleitenden Dialogs mit dem Untergrund. Zwischen diesen und seinen letzten Werken im Jahr 2017 kehrte der Künstler immer wieder zu diesem dialogischen Ansatz zurück.
Rainers Œuvre umfasst Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie und performative Arbeiten. Die Albertina beherbergt eine der größten öffentlichen Sammlungen seiner Kunst, insgesamt etwa 600 Werke, die alle Phasen seiner Karriere repräsentieren. Diese Bestände bilden die Grundlage für die Auswahl, die in der vorliegenden Retrospektive gezeigt wird, eine Hommage, die der Wertschätzung und den engen Bindungen voll und ganz entspricht, die er und seine Familie über viele Jahrzehnte mit der Albertina teilten. Diese Präsentation zeugt somit erneut von einem Sammelprinzip, das die Albertina seit ihrer Gründung vor 250 Jahren aufrechterhält: die Bereicherung der Sammlungen der Institution durch direkte Beziehungen zu zeitgenössischen Künstlern sowie den Erwerb ganzer Sammlungen. In diesem Kontext integrierte die Albertina neben ihren eigenen kontinuierlichen Sammelbemühungen die wichtigen Bestände der Essl Collection. In dieser Ausstellung werden rund 70 Meisterwerke aus Rainers zeitlos relevantem Werk zu sehen sein, die einen faszinierenden und facettenreichen Bogen von seinen frühen Übermalungen zu den Face Farces und Kreuzen sowie den Verschleierten Bildern seines Spätwerks spannen.
Die Ausstellung ist vom 13. November 2026 bis 25. April 2027 zu sehen.

ARNULF RAINER
Öffnet in 110 Tagen





