Maja Malou Lyse – Bombshell, Boom!

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Bombshell, Boom! (2024) besteht aus einer großen Videoleinwand, auf der ein Paar Frauenaugen den Blick des Betrachters treffen. Die Augen bewegen sich, blinzeln und halten den Kontakt. Sie wirken sowohl sinnlich als auch selbstbewusst – und machen den Betrachter seiner eigenen Rolle als Sehender bewusst.

Das Werk entspringt Maja Malou Lyses Forschung im Fotoarchiv von Politiken, wo sie die Geschichte der Side 9-Mädchen des Ekstra Bladet untersuchte. Fast 50 Jahre lang spiegelten die ikonischen Bilder junger Frauen wechselnde Vorstellungen von Geschlecht, Sexualität und Begehren wider. Als 2022 bekannt wurde, dass mehrere der Models unter 18 Jahre alt gewesen waren, entstand eine Debatte darüber, ob die Bilder gelöscht oder als Teil der Geschichte bewahrt werden sollten.

Das Werk zeugt nicht nur von einer Geschichte der Zensur oder eben nicht. Es spricht auch in eine Geschichte des Begehrens, des Feminismus, des Rechts der Frauen, ihren Körper darzustellen, und ihres Rechts, Teil der Geschichte zu sein. Doch besonders spricht es in eine Geschichte der Objektivierung, die ein halbes Jahrhundert lang in einem großen dänischen Boulevardblatt stattfand.

Anstatt die Bilder nachzubilden oder zu verurteilen, verlagert Lyse die Aufmerksamkeit auf den Blick. Die Frau, die zuvor betrachtet und objektiviert wurde, wird nun zur Beobachtenden. Auf diese Weise wird Bombshell, Boom! sowohl eine Reflexion über Mediengeschichte, Feminismus und Zensur – als auch eine Untersuchung darüber, wer die Macht hat, zu sehen und gesehen zu werden.

Maja Malou Lyse (geb. 1993), die sich fest in der dänischen Kunstszene etabliert hat, arbeitet mit Video, Fotografie, Performance und Installation. Sie nutzt ihren Körper als ihr primäres Material und platziert sich sowohl vor als auch hinter der Kamera. Zuletzt war sie die jüngste Künstlerin, die jemals im Dänischen Pavillon auf der Venedig Biennale 2026 ausstellte.

In ihrer Praxis untersucht sie Sexualität, Begehren, soziale Normen und Objektivierung und hinterfragt die Vorstellungen, die unser Bild vom Körper und der weiblichen Sexualität prägen. Lyse bewegt sich mühelos zwischen Kunst und Populärkultur – unter anderem durch die TV-Sendung Sex mit Maja, Plakatkampagnen in Kopenhagen und in ihrem Abschlussprojekt von der Kunstakademie, bei dem sie selbst auf dem Cover und in einer Bilderserie in Eurowoman auftrat.

Mit Humor, Ernsthaftigkeit und scharfen visuellen Mitteln lädt Maja Malou Lyse den Betrachter ein, darüber nachzudenken, wer die Macht über den Blick, die Erzählung und den Körper hat.

Kunsten Museum of Modern Art Aalborg