David Možný ist ein zeitgenössischer tschechischer bildender Künstler, der mit digital generierten Bildern arbeitet, Videos, Animationen, Objekte und in jüngster Zeit vor allem ortsspezifische Installationen schafft, die in einem breiteren Kontext meist die Beziehung zwischen Mensch, Stadt und System reflektieren. Sein aktuelles Werk lässt sich im Rahmen der Gegenwartskunst in den Kontext der raum- und technologieorientierten Kunst einordnen, die an der Grenze zwischen digitaler Simulation, architektonischer Intervention und posthumanistischer Ästhetik operiert. Die kommende Einzelausstellung mit dem Titel NIGHT SHIFT besteht aus einer komplexen Rauminstallation, die sich organisch durch den gesamten Hauptausstellungsraum des Hauses der Kunst zieht und dessen architektonische Anordnung relativiert oder stört. In diesem Grundrahmen – einer modifizierten Umgebung mit stellenweise erschwerter Orientierung – sind dann weitere eigenständige Werke und partielle Installationsensembles platziert, die inhaltlich verwandten Bedeutungsebenen folgen. Schon durch die Relativierung und Störung fundamentaler Sicherheiten, wie unserer Wahrnehmung des Raumes, seiner Gliederung oder physikalischer Distanzen, berührt Možný viele aktuelle gesellschaftliche Themen und Phänomene.
Seine Installationen können als materialisierte Modelle von Infrastruktur gelesen werden (nicht als Dokument, sondern als abstraktes Kondensat systemischer Logik), sie können auch im Rahmen der Tendenz „expanded sculpture“ verstanden werden, wo die Skulptur zu einer Situation, Umgebung oder Struktur wird, die unsere Raumwahrnehmung modifiziert. Wesentlich ist, dass Možnýs Arbeiten nicht nur formal dreidimensional sind, sondern aus digitaler Modellierung, Simulation und Datenlogik entstehen und erst anschließend als dreidimensionale Strukturen realisiert werden, unter Verwendung spezifischer Materialien, deren Auswahl in der Regel auf die fortschreitende Verdrängung der verarbeitenden Industrie durch digitale Technologien verweist – mit anderen Worten, die digitale Transformation der Gesellschaft. Seine Installationen können also auch als eine Art „Archäologie der Zukunft“ verstanden werden – als Modelle von Systemen, die gleichzeitig Relikt eines modernistischen Glaubens und Symptom seines Zerfalls sind. In Možnýs jüngsten Arbeiten ist auch eine Schwächung der anthropozentrischen Perspektive erkennbar. Die menschliche Figur verschwindet vollständig oder wird auf ein Element in einem größeren Mechanismus reduziert; der Mensch ist hier nicht das Maß des Raumes, sondern eher nur sein temporärer Besucher. Možnýs Arbeiten können somit den posthumanistischen Tendenzen zugeordnet werden, die in der Kunst beispielsweise Pierre Huyghe, Mike Nelson oder Jesse Darling repräsentieren. Anstatt explizit politischer Gesten oder direkter Kritik setzt Možný jedoch eher auf eine fesselnde Ästhetik der Faszination für das System, seinen Rhythmus und seine Autonomie. Seine Werke oszillieren somit zwischen Bewunderung für technologische Präzision und einem latenten Unbehagen an ihrer Autonomie. Wesentlich ist für ihn auch der lokale Rahmen, der seine Werke verständlich und authentisch macht und ihm eine größere Konsequenz auf analytischer Ebene ermöglicht. Seine Arbeit bleibt somit stets in der konkreten urbanen Erfahrung Mitteleuropas verankert – einer Erfahrung der Industrialisierung, ihrer Spätphase und der anschließenden Transformation nach 1989.
David Možný wurde 1963 in Brno geboren, wo er aufgrund der damals begrenzten Möglichkeiten und der Familientradition später an der Pädagogischen Fakultät studierte. Im Bereich der bildenden Kunst ist er also eher ein Autodidakt, und obwohl er im Laufe seiner künstlerischen Karriere an vielen nationalen und internationalen Gruppenausstellungen und Präsentationen teilgenommen und für seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, bleibt er weiterhin eher ein Einzelgänger. Eine prägende Zeit für seine Arbeit war der Beginn des neuen Jahrtausends und die damit verbundene massive Verbreitung digitaler Technologien, insbesondere von Personalcomputern und damals leicht verfügbarer Software zur Bearbeitung digitaler Fotos und Videos. Zu Beginn dieser Ära war er in der Brünner Clubszene als VJ tätig, realisierte Projektionen für Theateraufführungen und szenische Lesungen. Seine frühen Arbeiten waren stark von der Ästhetik von Videoclips und Computerspielen beeinflusst, aber auch vom Videoart, das zu dieser Zeit auf der heimischen Szene einen etwas verspäteten Aufschwung erlebte.
Die Ausstellung findet unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin der Statutarstadt Brno, Markéta Vaňková, und des Hauptmanns des Südmährischen Kreises, Jan Grolich, statt.
Hauptmedienpartner der Ausstellung ist Česká televize.
Illustrationsfoto: Wände aus dem aufgelösten Seniorenheim Nopova, die Teil der Ausstellungsinstallation sein werden.

David Možný Night Shift
Von Pavel Švec
Öffnet in 36 Tagen



