In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war die Adelsrepublik beider Nationen ein weitläufiger und militärisch starker Staat. Ihre Lage im Herzen Europas an den Landhandelswegen sowie der Zugang zur Ostsee begünstigten die Entwicklung des Handels. Um jedoch nicht nur ein aufnahmefähiger Absatzmarkt für andere Länder, sondern ein gleichberechtigter Partner zu sein, bedurfte es außerdem eines stabilen Geldes. Maßnahmen zur Sanierung der Staatsfinanzen und zur Schaffung eines Währungssystems, das ihre Entwicklung fördert, ergriff König Stefan Báthory (1576–1586). Im Jahr 1578 wurde eine neue Münzordnung eingeführt, die 1580 ergänzt wurde. Sie legte die Nominale der geprägten Münzen, die Menge des in ihnen enthaltenen Silbers und Goldes sowie deren gegenseitiges Verhältnis fest. Diese Bestimmungen galten gemeinsam für polnische und litauische Münzen. Die Aufsicht über den Betrieb der Münzstätten wurde den Schatzmeistern der Krone und Litauens übertragen. Diese verpachteten sie nacheinander an verschiedene Personen und achteten darauf, dass die mit ihnen geschlossenen Verträge eingehalten wurden. Um dem Münzbedarf des Staates gerecht zu werden, wurde beschlossen, die Münzen parallel in verschiedenen Münzstätten herzustellen. Bereits 1578 wurde die Kronmünzstätte in Olkusz eröffnet, später auch in Posen und Łobżenica. Zudem wurden in Wilna litauische Münzen geprägt, in Marienburg Münzen für Königlich Preußen und in Danzig und Riga Münzen für die Bedürfnisse dieser Städte. Münzstätten arbeiteten außerdem in Gebieten, die Lehen der Adelsrepublik waren, in Königsberg und Mitau. Aufgrund der großen Nachfrage nach Kronmünzen wurde während der Herrschaft Sigismund III. Wasas (1587–1632) die Produktion an weiteren Orten aufgenommen. Ab 1592 wurden Münzen für die Krone in Marienburg geprägt, ab 1594 in Wschowa und Bydgoszcz, später auch in Lublin und Krakau. Insgesamt arbeiteten zur Zeit Sigismunds III. in der Adelsrepublik und ihren Lehen 16 oder 17 Münzstätten.
Es ist möglich, dass die Anfänge des Münzwesens in Bydgoszcz noch weiter zurückreichen. Zusammen mit dem Lokationsprivileg, das Kasimir der Große 1346 verlieh, erhielt die Stadt nämlich das Recht, Münzen zu prägen. Es ist jedoch nicht bekannt, ob sie es überhaupt genutzt hat.
In der ersten Hälfte des Jahres 1594 verlieh Sigismund III. Wasa dem Unterkämmerer des Krakauer Landes, Stanisław Cikowski von Wojsławice, Wappen Radwan, das Privileg zur Gründung einer Münzstätte in Bydgoszcz. Diese Münzstätte, die Cikowski privat gehörte, sollte Kronmünzen für den Bedarf des ganzen Landes prägen. Sie mussten den in anderen Münzstätten geprägten Münzen ähneln, und Cikowski sollte außerdem jährlich eine Summe von 332 zł 24 gr in die Kasse des Schatzmeisters einzahlen. Als Standort des Betriebs wurde eine der Inseln in einer Krümmung der Brda gewählt. Durch die Erhöhung der Ufer ließ sich das fließende Wasser stauen und seine Energie nutzen. Die Vorzüge dieses Ortes bestanden in der Nähe der Stadt und damit der Versorgung und Unterkünfte sowie in den Transportmöglichkeiten, die der Fluss bot. Diese Vorzüge wusste man auch im fernen Krakau zu schätzen. Am 29. Juli 1594 unterzeichnete der Bevollmächtigte Cikowskis mit Walenty Jahns, der bereits die Münzstätten in Posen und Wschowa pachtete, einen Pachtvertrag für die Münzstätte. Neben der Einhaltung der Verpflichtungen gegenüber dem Schatzmeister sollte Jahns Cikowski einen Zins zahlen, der wahrscheinlich 2000 zł betrug. Am 29. November wurde in Bydgoszcz Jahns als Pächter und Henryk Hornbock als Wardein, also Probierer, vereidigt. Bald darauf nahm die Münzstätte ihre Arbeit auf. Ab dem Jahr 1594 sind Schilling-Münzen (szeląg) und Trojaki bekannt, also Dreigroschenmünzen. Man kann sie von entsprechenden Münzen anderer Münzstätten an den Initialen und dem Wappen von Stanisław Cikowski und Walenty Jahns unterscheiden. In den folgenden Jahren wurde das Angebot der hier hergestellten Münzen um weitere Nominale aus Silber erweitert – Groschen (grosze) und Szóstaki, also Sechsgroschenmünzen. Eine bedeutendere Veränderung im Erscheinungsbild der Münzen trat 1598 ein, als anstelle der Initialen und Wappen der Buchstabe B, der den Prägeort kennzeichnete, angebracht wurde. Dies war eine Folge einer vom Schatzmeister erlassenen Ordnung, die alle Münzstätten betraf. Am 13. März 1601 wurde aufgrund eines Beschlusses des Sejm die Arbeit aller Kronmünzstätten mit Ausnahme einer einzigen, in Krakau oder Olkusz, eingestellt. Im Text der vom Sejm erlassenen Konstitution findet sich eine deutliche Anspielung auf die Münzstätte von Bydgoszcz mit dem Vorwurf, dass sie sich auf Kosten…

Die Münzstätte von Bydgoszcz
Von dr Krzysztof Jarzęcki
Ab 26. Nov. 2026




