Rudolf Karasek (1895–1986) zählt zu den deutschsprachigen Künstlern aus Böhmen. Er wurde in Paseky bei Jablonec nad Nisou (Bad Schlag) in einem Gebiet geboren, das bis zur Vertreibung nach Mai 1945 überwiegend von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt war. An der Prager Akademie absolvierte er innerhalb von drei Jahren (1913–1916) die Ateliers von Josef Laukota, Vlaho Bukovac und Franz Thiele. Er beendete sein Studium nicht, da er in die österreichisch-ungarische Armee einrückte, von wo er schwer verwundet zurückkehrte. Er stellte regelmäßig auf Ausstellungen der Jablonecer Zweigstelle des Künstlervereins Metznerbund aus. Er kam als Jurymitglied nach Cheb, um den Wettbewerb zur Ausschmückung der Chebská pamětní síň – einem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs – in der St. Klara-Kirche zu bewerten. Karaseks Besuch in Cheb am 2. und 3. August 1926 folgte Ende Januar 1928 ein weiterer, dessen Zweck wir heute nicht kennen. Beide Reisen führten zu mehr als einem Dutzend Zeichnungen und Grafiken, in denen er mehrere Winkel im Stadtzentrum festhielt. Daneben schuf er auch ein Ölgemälde, das heute verschollen ist. Nach der Vertreibung, in die er wie andere als Deutsche bezeichnete Einwohner nach Mai 1945 eingereiht wurde, malte er eine Variante davon, die sich heute im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg befindet. Inhaltliche Unterschiede sind in den Details der Fenster, rauchenden Schornsteine und Blumen im Vordergrund erkennbar. Eine gewisse Distanz und den Verlust der inneren Spannung können wir auch in formaler Hinsicht beobachten.
Rudolf Karasek, Winkel von Cheb, 1926 -

Rudolf Karasek, Winkel von Cheb, 1926
Von Anna Habánová
26. Juni – 27. Sept., 2026




