Die Ausstellung Landschaftsträume | Schikaneder–Slavíček–Moll u.a. | Formen der Landschaftsmalerei des mitteleuropäischen Symbolismus und Jugendstils konzentriert sich auf die Analyse der Transformation der Landschaftsmalerei um 1900, einer Zeit, in der dieses traditionelle Genre zu einem privilegierten Raum für Psychologisierung und subjektives Erleben wurde. Das Projekt verfolgt, wie die Landschaftsmalerei aufhörte, eine bloße mimetische Aufzeichnung der äußeren Realität zu sein, und sich allmählich in ein Medium verwandelte, in dem sich der Zustand moderner Introspektion und Spiritualisierung widerspiegelt.
Besondere Aufmerksamkeit wird dem Phänomen des Genresynkretismus gewidmet, bei dem figürliche Elemente in die Landschaft integriert werden, nicht als dekorative Ergänzung, sondern als Träger einer spezifischen Psychologisierung. Die Staffage wird zu einem Schlüsselelement der Sinn stiftenden Struktur und gleichzeitig zu einem visuellen Katalysator für emotionale Projektionen. Dies zeigt sich zum Beispiel bei Arnold Böcklin, Giovanni Segantini oder – im tschechischen Kontext – bei Antonín Hudeček, Jakub Schikaneder oder Beneš Knüpfer. In dieser Konstellation wird die Landschaft zu einem Ort, an dem eine Transformation von Elementen anderer Genres stattfindet.
Das Projekt reflektiert gleichzeitig zeitgenössische theoretische Diskussionen, die der Formulierung von Worringers Dichotomie vorausgingen. Die Ausstellung berührt beispielsweise die ästhetischen Überlegungen von Hermann Bahr, der in seinen Texten über moderne Kunst die Subjektivierung der Wahrnehmung und die Aufhebung akademischer Kategorien betonte; Julius Meier-Graefe, der die Transformation der Wahrnehmung in den Werken moderner Landschaftsmaler analysierte; oder Wilhelm Dilthey, dessen Konzept des Erlebens (Erlebnis) und der Ausdruckspsychologie das symbolistische Verständnis der Landschaft als Träger innerer Zustände grundlegend beeinflusste.
Ebenso spiegelt sich hier der Einfluss des österreichischen Umfelds wider, insbesondere im Rahmen der dortigen Kritik, die die emotionalen und metaphysischen Qualitäten von Naturmotiven betonte. Diese theoretische Ebene ermöglicht es, die Landschaft nicht nur als visuelles Element, sondern als psychologische Struktur zu lesen, deren semantische Tiefe aus der Spannung zwischen subjektiver Projektion und objektiver Form entsteht.
Die Ausstellung präsentiert somit ein abgegrenztes Segment der mitteleuropäischen Landschaftsmalerei, das vor der eigentlichen „Munch-Lektion“ des expressiven Modernismus einen Einblick in eine Zeit ermöglicht, in der sich psychologische Ebenen dynamisch zu verflechten begannen. Neben Werken aus tschechischen Institutionen werden auf der Ausstellung auch Werke aus ausländischen Sammlungen vertreten sein.
Adam Hnojil

landschaftsträume | Schikaneder–Slavíček–Moll u.a. | Formen der Landschaftsmalerei des mitteleuropäischen Symbolismus und Jugendstils
Von adam hnojil
14. Juni – 22. Nov., 2026

