Ann Lislegaard

Öffnet in 68 Tagen

Von einem drei Meter hohen LED-Bildschirm erhebt sich eine animierte Eule vor uns. Sie spricht in Fragmenten und mit mehreren Stimmen. Manchmal wirkt die Eule schläfrig, als würde sie gleich von ihrem Ast fallen, nur um dann plötzlich aufzuwachen und sich umzusehen, überrascht und leicht verwirrt. Farben gleiten über den Bildschirm, und das Bild flimmert, sodass man ständig seine digitale und künstliche Natur spürt. Die Eule stammt aus dem Werk der dänisch-norwegischen Künstlerin Ann Lislegaard Oracles, Owls… Some Animals Never Sleep (2012/2021). Sie tritt als Orakel auf, das in Rätseln und bruchstückhaften Sätzen spricht. Das Orakel weist auf etwas Verborgenes hin und spricht in einer Sprache, die wir lernen müssen zu verstehen. Das Werk zeigt, wie unser Verständnis der Welt mit der Sprache zusammenhängt.

Eine Pionierin der digitalen Kunst

Wenn ARKEN am 24.09.26 ANIMOID eröffnet, ist dies die erste größere Gesamtschau von Lislegaards Werken in Dänemark. Lislegaard ist eine Pionierin des feministischen Futurismus und der Verwendung digitaler Technologie und 3D-Animation. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus über 30 Jahren und umfasst Medien von Sci-Fi-inspirierten Animationen bis hin zu Skulpturen und räumlichen Klang- und Lichtinstallationen. Unter den Werken ist Spinning and Weaving Ada (2016), wo eine animierte Spinne ein Netz aus Buchstaben über eine Reihe von Spiegelkästen webt, die zusammen den Namen Ada Lovelace bilden, einer der frühen weiblichen Computerpionierinnen. Das Werk weist auf Verbindungen zwischen Technologie, Sprache und Netzwerken hin und zieht Fäden zwischen dem Historischen und Lislegaards eigener digital fundierter Kunstpraxis. Als Betrachter wird man in die Spiegelungen des Werkes hineingezogen, wo der Gesamtüberblick immer wieder entschwindet. Das Werk feiert das Spinnen und Weben, das Schaffen von Verbindungen, Mustern und Netzwerken.

Science-Fiction als Blick auf die Gegenwart

Der Ausstellungstitel ANIMOID ist dem Science-Fiction-Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick und dessen Verfilmung Blade Runner entnommen. Er verweist auf eine Welt, in der Tiere und ihre Rolle als Symbole für Fürsorge und Empathie verschwinden und durch künstliche Wesen ersetzt werden. Der Begriff verbindet den Verlust der Natur mit der Hoffnung in „anima“ und „animation“, dem Leben zu geben und Bewegung zu schaffen. Er wird zu einem Bild für Verlust und Veränderung und verweist gleichzeitig auf die zentrale Rolle der Animation in Lislegaards Kunst. Oft ausgehend von Science-Fiction untersucht Lislegaard, wie Technologie und Sprache unseren Blick auf die Welt formen. Was passiert, wenn die Sprache zusammenbricht, oder wenn das Digitale das, was wir sehen, verschiebt? Wie beeinflusst Technologie unsere Vorstellungen von Körper, Geschlecht und Identität? Und wo verläuft die Grenze zwischen dem Menschlichen und dem künstlich Geschaffenen? Die Ausstellung eröffnet ein Universum, das sowohl fesselnd als auch beunruhigend ist. Hier verschiebt sich das Bekannte, und neue Zusammenhänge entstehen. Es ist keine Welt, die klare Antworten gibt, sondern eine, die zum Nachdenken anregt und uns einlädt, unsere Gegenwart auf neue Weise zu erleben und zu denken.

Biografie

Ann Lislegaard ist eine Pionierin der digitalen und zeitbasierten Gegenwartskunst und hat über mehrere Jahrzehnte hinweg einen großen Einfluss auf die Entwicklung von 3D-Animation, Klang- und Installationskunst in Dänemark und international gehabt. Sie arbeitete mit diesen Medien in einer Zeit, in der nur wenige und fast keine Frauen vertreten waren. Sie war von 2004 bis 2013 Professorin an der Schule für Medienkunst an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Lislegaard absolvierte die Akademie 1993 und lebte anschließend viele Jahre in New York. Sie hat zum dänischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig beigetragen und wurde mit dem lebenslangen Ehrensold des Staatlichen Kunstfonds, der Eckersberg-Medaille und 2024 mit der Thorvaldsen-Medaille für ihren bedeutenden Beitrag zur dänischen bildenden Kunst ausgezeichnet. Ihre Werke basieren oft auf Science-Fiction und kreisen um Themen wie Geschlecht, Körper und den Verlust der Biodiversität, um neue Wege zu eröffnen, unsere Gegenwart zu erleben und zu denken. Als Künstlerin und Dozentin hat sie einen großen Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen gehabt.

Sie können hier eine private Führung durch Ann Lislegaard - Animoid buchen.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit

  • Henie Onstad Kunstsenter
  • Kunstmuseum Wolfsburg
  • Museum of Contemporary Art Kiasma

Die Ausstellung wird unterstützt von

  • Augustinus Fonden
  • Ny Carlsbergfondet
  • Beckett-Fonden
  • Knud Højgaards Fond
  • Dansk Tennis Fond
  • Konsul George Jorck og Hustru Emma Jorck’s Fond
  • Lemvigh-Müller Fonden
  • Statens Kunstfond
ARKEN Museum of Modern Art
Quelle: arken.dk/en/exhibitions/ann-lislegaard