ANIMOID

Öffnet in 23 Tagen

Von einem drei Meter hohen LED-Bildschirm ragt eine animierte Eule vor uns auf. Sie spricht in Bruchstücken und mit mehreren Stimmen. Manchmal wirkt die Eule schläfrig, als würde sie gleich von ihrem Ast fallen, um dann plötzlich aufzuwachen und sich umzusehen, überrascht und leicht verwirrt. Farben gleiten über den Bildschirm, und das Bild flimmert, sodass man ständig seine digitale und künstliche Natur spürt. Die Eule stammt aus Ann Lislegaards dänisch-norwegischem Werk Oracles, Owls… Some Animals Never Sleep (2012/2021). Sie tritt als Orakel auf, das in Rätseln und gebrochenen Sätzen spricht. Das Orakel weist auf etwas Verborgenes hin und spricht in einer Sprache, die wir lernen müssen zu verstehen. Das Werk zeigt, wie unser Verständnis der Welt mit der Sprache zusammenhängt.

Eine Pionierin der digitalen Kunst Wenn ARKEN am 24.09.26 ANIMOID eröffnet, ist dies die erste größere Gesamtschau von Lislegaards Werken in Dänemark. Lislegaard ist eine Pionierin des feministischen Futurismus und der Nutzung digitaler Technologien und 3D-Animation. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus über 30 Jahren und reicht über Medien von Science-Fiction-inspirierten Animationen bis hin zu Skulptur und räumlichen Sound- und Lichtinstallationen. Zu den Werken gehört Spinning and Weaving Ada (2016), wo eine animierte Spinne ein Netz aus Buchstaben über einer Reihe von Spiegelkästen webt, die zusammen den Namen Ada Lovelace bilden, einer der frühen weiblichen Pionierinnen des Computers. Das Werk weist auf Verbindungen zwischen Technologie, Sprache und Netzwerken hin und zieht Fäden zwischen dem Historischen und Lislegaards eigener digital fundierter Kunstpraxis. Als Betrachter wird man in die Spiegelungen des Werkes hineingezogen, wo der Gesamtüberblick ständig entgleitet. Das Werk feiert das Spinnen und Weben, das Schaffen von Verbindungen, Mustern und Netzwerken.

Science Fiction als Blick auf die Gegenwart Der Titel der Ausstellung ANIMOID ist dem Science-Fiction-Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? von Philip K. Dick und der Verfilmung Blade Runner entnommen. Er verweist auf eine Welt, in der Tiere und ihre Rolle als Symbole für Fürsorge und Empathie verschwinden und durch künstliche Wesen ersetzt werden. Der Begriff verbindet den Verlust der Natur mit der Hoffnung in „anima“ und „animation“, dem Leben geben und Bewegung schaffen. Er wird zu einem Bild für Verlust und Veränderung und verweist gleichzeitig auf die zentrale Rolle der Animation in Lislegaards Kunst. Oft ausgehend von Science Fiction untersucht Lislegaard, wie Technologie und Sprache unseren Blick auf die Welt formen. Was passiert, wenn die Sprache zusammenbricht oder wenn das Digitale das, was wir sehen, verschiebt? Wie beeinflusst Technologie unsere Vorstellungen von Körper, Geschlecht und Identität? Und wo verläuft die Grenze zwischen dem Menschlichen und dem künstlich Geschaffenen? Die Ausstellung eröffnet ein Universum, das sowohl fesselnd als auch beunruhigend ist. Hier verschiebt sich das Vertraute, und neue Zusammenhänge entstehen. Es ist keine Welt, die klare Antworten gibt, sondern eine, die Gedanken anregt und uns einlädt, unsere Gegenwart auf neue Weisen zu erleben und zu denken.

Biografie Ann Lislegaard ist eine Pionierin der digitalen und zeitbasierten Gegenwartskunst und hat über mehrere Jahrzehnte hinweg einen großen Einfluss auf die Entwicklung von 3D-Animation, Klang- und Installationskunst in Dänemark und international gehabt. Sie arbeitete mit diesen Medien in einer Zeit, als nur wenige, und fast keine Frauen, vertreten waren. Sie war von 2004 bis 2013 Professorin an der Schule für Medienkunst an der Kunstakademie Kopenhagen. Lislegaard absolvierte die Akademie 1993 und lebte anschließend viele Jahre in New York. Sie hat zum dänischen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig beigetragen und erhielt die lebenslange Ehrengabe des Statens Kunstfond, die Eckersberg-Medaille und 2024 die Thorvaldsen-Medaille für ihren bedeutenden Beitrag zur dänischen bildenden Kunst. Ihre Werke basieren oft auf Science Fiction und drehen sich um Themen wie Geschlecht, Körper und den Verlust der Biodiversität, um neue Wege zu eröffnen, unsere Gegenwart zu erleben und zu denken. Als Künstlerin und Dozentin hat sie einen großen Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen gehabt.

Eine private Führung durch Ann Lislegaard - ANIMOID können Sie hier buchen.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit realisiert mit Henie Onstad Kunstsenter Kunstmuseum Wolfsburg Museum of Contemporary Art Kiasma

Die Ausstellung wird unterstützt von Augustinus Fonden Ny Carlsbergfondet Beckett-Fonden Knud Højgaards Fond Dansk Tennis Fond Konsul George Jorck og Hustru Emma Jorck’s Fond Lemvigh-Müller Fonden Statens Kunstfond

ARKEN Museum of Modern Art
Quelle: arken.dk/en/exhibitions/ann-lislegaard