Kvet Nguyễn | Bis das Wasser das Ufer erreicht

Von Zuzana Flašková, Tea Kříž, Zuzana Flašková a Tea Kříž

Öffnet in 91 Tagen

Die umfangreiche monografische Ausstellung präsentiert die neuesten Werke der slowakisch-vietnamesischen Künstlerin Kvet Nguyễn. Sie ist als visuelle Lektüre der Kapitel der Geschichte der vietnamesischen Diaspora auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei konzipiert – von der Nachkriegsmigration in der Zeit des sozialistischen Internationalismus über den Wendepunkt der Samtenen Revolution bis hin zur Gegenwart.

Ein entscheidender historischer Moment, auf den die Ausstellung zurückgreift, sind die sogenannten Chrastava-Kinder aus dem Jahr 1956. Ihre Ankunft in Chrastava bei Liberec markierte den Beginn der Geschichte der vietnamesischen Gemeinschaft in der Tschechoslowakei, die sich über Generationen hinweg weiterentwickelte. Die Verbindung zu diesem Ort schafft einen einzigartigen Kontext, der bis heute im kollektiven Gedächtnis sowie in aktuellen Diskussionen über Migration, Heimat und Akzeptanz nachhallt. Daher ist diese Ausstellung zweifellos auch für unsere Ausstellungs- und Konzeptarbeit von großer Bedeutung. Sie ist mit dem lokalen Kontext verbunden und unterstützt zugleich die heutige slowakische Kunstszene und zeigt sich mit ihr solidarisch.

Das Werk von Kvet Nguyễn ist zugleich eine Suche nach einer visuellen Sprache, die in der Lage ist, die Spannung kollektiver Traumata zu erfassen und sie in eine Vision einer gerechteren Zukunft zu transformieren. Ihre Arbeiten eröffnen bewusst Raum für Träume, Hoffnung und die Artikulation von Wünschen, die als Katalysator für Veränderung wirken können. Die Ausstellung umfasst verschiedene Medien – von Installation, Objekten, Video und textilen Fotografien über ein fotografisches Archiv bis hin zu dokumentarischer Fotografie. In ihrer künstlerischen Praxis bezieht sich Nguyễn häufig auf Archivmaterialien – offizielle Dokumente und zeitgenössische Medien, die stark von rassistischen und xenophoben Narrativen geprägt waren. Dieses Material, das die Vorstellung einer „kolonialen Unschuld“ der mittel- und osteuropäischen postsocialistischen Länder infrage stellt, wird für die Künstlerin zum Ausgangspunkt. Durch das Aufspüren und Sichtbarmachen unterdrückter Stimmen würdigt sie die Resilienz marginalisierter Gemeinschaften und eröffnet Raum für kollektiven wie individuellen Widerstand. Die Ausstellung ist die zweite freie Fortsetzung der Ausstellung Wen das Wasser nicht vom Ufer spült in der Galerie der Stadt Bratislava und stärker im Kontext von Liberec verankert, insbesondere durch die Geschichte der Chrastava-Kinder.

Die Ausstellung ist eine Neuauflage eines Ausstellungsprojekts der Galerie der Stadt Bratislava aus dem Jahr 2025.

Partner der Ausstellung: Galerie der Stadt Bratislava, Statutarstadt Liberec, Czech Viet, Premedis-Stiftung

Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, den 16. Oktober um 18.00 Uhr statt.

Regionalgalerie Liberec
Quelle: galali.cz/de/event/kvet-nguyen