Die Ausstellung präsentiert einen Dialog zwischen zwei markanten weiblichen künstlerischen Stimmen — der polnischen Romani-Visuellen Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas und der tschechischen Künstlerin Sráč Sam. Beide arbeiten mit Textil als Medium von Erinnerung, Identität und weiblicher Erfahrung, jedoch aus unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Perspektiven, die hier auf einzigartige Weise zusammengeführt werden. Während sich Małgorzata Mirga-Tas in ihrer Arbeit auf die Rom*nja-Gemeinschaft und deren visuelle sowie narrative Repräsentation konzentriert, arbeitet Sráč Sam im Kontext dieser Ausstellung mit einer architektonischen Installation, in der Textil nur minimal erscheint — vor allem als alltäglicher Bedeutungsträger in Form genähter Kleidung. Zugleich zeigt sie in größerem Maßstab, in Form einer baulichen Struktur, die Verknüpfung einzelner Elemente der gesamten Komposition sowie die Tatsache, dass ein Raum zum Innehalten Voraussetzung für die Entstehung von Inhalten und Beziehungen ist.
Das Projekt verbindet eine etablierte Romani-Künstlerin, deren Praxis aus kollektiver Erinnerung, manueller Arbeit und gemeinschaftlichen Narrativen hervorgeht, mit einer tschechischen Künstlerin, die Textil im Rahmen der Ausstellung konzeptuell einsetzt und als Mittel des Verhüllens und Enthüllens versteht. Eine wichtige Inspirationsquelle für den kuratorischen Rahmen ist das Denken von Silvia Federici, insbesondere ihr Buch Re-enchanting the World, ebenso wie die Memoiren Ich wurde unter einem glücklichen Stern geboren von Elena Lacková.
Die Einbettung der Arbeit von Małgorzata Mirga-Tas in den Kontext von Liberec stellt einen zentralen Aspekt des kuratorischen Konzepts dar. Die tschechisch-polnisch-deutsche Grenzregion ist historisch eng mit der Textilindustrie verbunden, deren Erbe Landschaft, soziale Strukturen und kulturelles Gedächtnis maßgeblich geprägt hat. In einer Zeit, in der diese Tradition allmählich verschwindet — Fabriken schließen und technologische Infrastrukturen gehen verloren — eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf Textil als Medium von Erinnerung, weiblicher Arbeit, Fürsorge, Identität und Widerstand sowie als Ausdruck von Minderheitserfahrungen, zu denen beide Künstlerinnen auf unterschiedliche Weise Bezug nehmen.
Małgorzata Mirga-Tas
Małgorzata Mirga-Tas (PL) ist eine Roma-Künstlerin im Bereich der visuellen Kunst und eine der prägnantesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen europäischen Kunstszene. In ihrer Arbeit greift sie auf kollektive Erinnerung, Alltagsleben und die kulturelle Identität der Roma-Gemeinschaft zurück. Durch monumentale textile Collagen aus gefundenen Stoffen und Kleidungsstücken schafft sie komplexe visuelle Narrative, die Geschichte, Marginalisierung und die Stärke der Roma-Erfahrung aus weiblicher Perspektive reflektieren.
Im Jahr 2022 vertrat sie Polen auf der Biennale von Venedig, einer der weltweit renommiertesten Präsentationen zeitgenössischer Kunst. Sie findet regelmäßig seit 1895 statt und wird oft als „Olympische Spiele der Kunstwelt“ bezeichnet. Ihr Projekt Re-enchanting the World war die historisch erste Präsentation einer Roma-Künstlerin im Rahmen der nationalen Repräsentation Polens. Mirga-Tas nahm an bedeutenden internationalen Ausstellungen wie der documenta fifteen oder der derzeit vorbereiteten Manifesta 16 im deutschen Ruhrgebiet teil; ihre Arbeiten werden regelmäßig in wichtigen Ausstellungen in ganz Europa gezeigt. Heute gilt sie als eine zentrale Stimme der zeitgenössischen Kunst, die maßgeblich dazu beiträgt, die Stellung der Roma-Kultur im globalen Kunstkontext neu zu definieren. Die Künstlerin ist Preisträgerin des renommierten Paszport-Polityki-Preises (2020) und Trägerin des internationalen Tajsa Roma Cultural Heritage Prize (2023), der von ERIAC verliehen wird.
Sráč Sam
Sráč Sam ist eine Künstlerin und Kuratorin, die kulturelle und soziale Muster offen artikuliert. Die Wahl ihrer Medien entspricht den Anforderungen der jeweiligen Aussage — sie ist zielgerichtet und funktional. Zeichnung, Texte, Architektur oder performative Vorträge nehmen in ihrer Arbeit dieselbe Rolle ein wie ein undefinierbarer organischer Körper, der ein Netzwerk von Beziehungen enthält, eine materialisierte Existenz in Form der Galerie sam83 oder ökonomische Praktiken, um im Turbokapitalismus ohne Fördermittel zu überleben.
Ihre Werke wurden unter anderem in der Galerie der Hauptstadt Prag sowie bei SAVVY Contemporary in Berlin und auf der Biennale Ve Věci umění präsentiert. Ihre künstlerische Praxis profiliert sich zunehmend auch im internationalen Kontext. Sie ist in den Sammlungen mehrerer Institutionen vertreten, darunter die Nationalgalerie. Langfristig unterstützt sie zudem Künstlerinnen und Künstler durch das Umfeld der Galerie sam83 sowie durch das Kulturquartalsmagazin PIŽMO.
Partner der Ausstellung: Polnisches Institut in Prag, Kulturministerium der Tschechischen Republik, Staatlicher Kulturfonds der Tschechischen Republik, Premedis-Stiftung, Teplárna Liberec, a.s., WARMNIS spol. s.r.o.
Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, den 16. Oktober, um 18:00 Uhr statt.

Małgorzata Mirga-Tas & Sráč Sam | Die Freundin
Von Tea Kříž
Öffnet in 91 Tagen

