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Die Geschichte des Werkverzeichnisses von Alina Szapocznikow

29. Sept. 2026 – 1. Jan. 2027

Katalog für Alina

Das Modell des Katalogs der Skulpturen von Alina Szapocznikow, das Roman Cieślewicz im Maßstab 1:1 anfertigte, besitzt an sich einen visuellen Wert. Analog hergestellt, vermittelt es die Befriedigung, ein einzigartiges Objekt zu betrachten, das von der Gestaltungspraxis der vordigitalen Epoche zeugt. Die handschriftlichen Notizen des Autors, auf Transparentpapier mit rotem Filzstift angebracht, enthalten typische technische Anweisungen an die Druckerei, wie sie beim Satz von Publikationen in den 1970er-Jahren üblich waren, etwa „als Strich reproduzieren“, „direkt von der Vorlage klischieren“, „Retusche unten am Foto“, „dünner Filet rundherum“.

Die Leitfarbe der Publikation, auf den Innenseiten des Umschlags markiert, ist ein Kobaltblau. Pfeile zeigen die Abstände zwischen den Elementen an. Für die Texte in den zwei Sprachfassungen, Polnisch und Französisch, finden sich Anweisungen zu Schriftart und Schriftgrad, Zeilenabstand und Spaltenaufteilung. Gewählt wurde die schlichte, serifenlose Helvetica. Die Doppelseiten weisen ein präzise gezeichnetes Raster typografischer Linien auf. Die leeren Felder füllte Cieślewicz mit den Titeln der Skulpturen und Nummern von 1 bis 419. Der Umfang beträgt „17 Sechzehnerbögen“ und einen leeren Karton als Reserve.

Am 30. Mai 1975 schickte Cieślewicz das Modell per Luftpost von Paris nach Łódź. Es wog 13 kg und enthielt 500 Fotografien. Der im Zollformular angegebene Wert des Pakets betrug 5000 französische Franc. Die Sendung war für das Museum für Kunst in Łódź bestimmt, das eine Ausstellung der Skulpturen von Alina Szapocznikow vorbereitete, die 1973 verstorben war.

Die erste posthume Ausstellung und das letzte Foto des Katalogs

Die Retrospektive der Skulpturen von Alina Szapocznikow, die von September bis Oktober 1975 im Museum für Kunst in Łódź stattfand, war nicht die erste posthume Ausstellung, die das Werk der Künstlerin würdigte. Einige Wochen nach ihrem Tod 1973 zeigte das Museum für Moderne Kunst in Paris (ARC – Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris) ausgewählte Exemplare der „Tumoren“ sowie den gesamten Zyklus „Herbarium“, bestehend aus 14 Polyesterabgüssen von Körperteilen. Cieślewicz fügte ein Negativ der Dokumentation dieser Ausstellung als letzte Seite des oeuvre-Katalogs bei, der das gesamte bildhauerische Werk von Szapocznikow zusammenfassen sollte. Es zeigt einen lebensgroßen Abguss des Körpers des Sohnes der Künstlerin, Piotr Stanisławski, aus Ton, Gips und Polyester. Die Skulptur „Piotr – voller Akt“ steht auf einem niedrigen, weißen Sockel in der Mitte eines hohen Raumes.

Gemeinsame Ausstellung und Katalog

Die Arbeiten an Ausstellung und Katalog wurden parallel aufgenommen. Begonnen wurde im Frühjahr 1973 mit der Sammlung von Informationen über Skulpturen und Zeichnungen der Künstlerin in Beständen von Institutionen, Museen und Privatpersonen. Zahlreiche Anfragen wurden verschickt, um gegen Entgelt Abzüge des vorhandenen fotografischen Materials der Skulpturen zu erhalten. Gesucht wurden außerdem Radiosendungen und Aufnahmen der Wochenschau über Szapocznikow, die in die Bibliografie aufgenommen werden sollten. Die ausführliche Korrespondenz führte der damalige Direktor des Museums, Ryszard Stanisławski, der als Kurator der Ausstellung vorgesehen war.

Laut ursprünglichem Zeitplan war die Eröffnung für März 1975 geplant. Im Mai sollte die Ausstellung eine zweite Station im Nationalmuseum in Breslau erhalten. Dieses machte seine Beteiligung von Beginn an davon abhängig, dass die Ausstellung während des AICA-Kongresses in Breslau im Mai 1975 zu sehen ist, was für die Institution einen „prestigeträchtigen“ Wert hatte. Leider musste der Eröffnungstermin „aus technischen Gründen“ auf September verschoben werden, was dazu führte, dass sich das Nationalmuseum in Breslau von der weiteren Organisation der gemeinsamen Ausstellung und des Katalogs zurückzog und seine Beteiligung auf die Leihgabe von Werken aus seiner Sammlung beschränkte. Diese Entscheidung könnte dazu beigetragen haben, dass Cieślewiczs Projekt, das zunächst vom Nationalmuseum in Breslau finanziert werden sollte, nicht veröffentlicht wurde.

Der vollständige Begleittext zur Ausstellung steht unten im Anhang zum Download bereit.

Inhaltliche und redaktionelle Mitarbeit: Maciej Cholewiński, Marta Skłodowska, Marcin Stasiewicz.

— Muzeum Sztuki in Łódź