SPIEL–NICHTS–E / ÜBER FELDWEGE

Von Klára Zářecká

Öffnet in 30 Tagen

Kuratorin: Klára Zářecká

Das Ausstellungsprojekt SPIEL–NICHTS–E / ÜBER FELDWEGE eröffnet ein neues Kapitel im Wirken der Künstlerin Jana Middleton in der tschechischen Kunstszene. Jana Middleton lebt und arbeitet seit langer Zeit in Großbritannien, doch trotz ihrer internationalen Erfahrungen bleiben ihre Wurzeln fest mit Ostböhmen verbunden.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Grenze, die die Künstlerin nicht als Barriere oder definitive Trennung wahrnimmt, sondern als einen wandelbaren, durchlässigen und temporären Raum. Eine Grenze kann einschränken, schützen, trennen und verbinden. Der Untertitel ÜBER FELDWEGE regt dazu an, die Landschaft abseits bekannter Wege zu erkunden und erinnert an die Möglichkeit, physische und symbolische Linien, die der Mensch schafft, zu überschreiten.

Die site-specific Installation der Künstlerin reagiert sensibel auf die Architektur und den ursprünglichen Zweck des Gočár-Galeriegebäudes als Hauptgebäude der automatischen Mühlen und entwickelt gleichzeitig neue Themen wie Landschaft, Natur und Mensch. Die Autorin tritt hier in einen Dialog mit dem Raum, dem Licht, dem Klang und der Erinnerung des Ortes. Die Installation ist lebendig, interaktiv und trägt eine tiefe und meditative Dimension in sich. Sie erforscht, wo das Bild beginnt und wie Materialien, Licht, Klang und der Betrachter Teil des Werkes werden. In einem industriellen Umfeld sucht sie ästhetische Zerbrechlichkeit, Wandelbarkeit und unerwartete Schönheit.

Das zentrale Werk besteht aus einer achtzig Meter langen monumentalen Zeichnung auf Netzgewebe, die als performative Reaktion auf die Geräusche der automatischen Mühle entstand. Sie wirkt wie eine musikalische Partitur, die den Rhythmus der Maschine, die Bewegung des Windes und den menschlichen Körper miteinander verbindet. Im Raum schwebend, bewegt sie sich mit dem Luftstrom und reagiert auf die Anwesenheit der Besucher. Ihre Struktur kann an Details von Halmen und Ähren erinnern, verwandelt sich jedoch im monumentalen Maßstab in eine abstrakte Landschaft. Die Zeichnung wird so nicht nur zu einer Aufzeichnung von Klang, sondern zu seiner räumlichen Materialisierung. Das Hören der Produktionsprozesse wurde zum Impuls für die Entstehung von Zeichnungen, die anschließend durch kollektiven Gesang in einen lebendigen, fragilen Klangorganismus übersetzt wurden, in dem sich menschliche Stimme, Maschinengeräusch und Natur verbinden. Landschaft, Maschine und Stimme verschmelzen hier zu einer Einheit. Für die Klangkomposition arbeitete die Autorin mit dem Dramaturgen und Sounddesigner Ladislav Železný, dem Komponisten und Musiker Simon Holmes und dem experimentellen Vokalchor Portobello Drone Choir zusammen.

Die Ausstellung verbindet Klang, Zeichnung, Textil, Pigment und gefundene Objekte. Alltägliche Materialien werden in visuelle, räumliche und klangliche Situationen verwandelt. Projektionen auf durchscheinenden Textilien eröffnen das Thema der Auswahl und Sortierung – was durch das Sieb geht und was beiseite bleibt, als Metapher für menschliche Beurteilung und die Schaffung von Grenzen. Der Betrachter betritt das Werk mit seinem eigenen Körper, und seine Silhouette wird Teil des Bildes. Die Ausstellung wirft so erneut die Frage auf, wo ein Kunstwerk beginnt und wie Material, Licht, Klang und menschliche Bewegung zu seiner Entstehung beitragen. Die Landschaft ist hier nicht nur ein abgebildetes Motiv, sondern ein lebendiger, wandelbarer Raum, der im Verhältnis zwischen Mensch, Natur, Maschine und Ort entsteht.

KREATIVES SKIZZENBUCH

Ein integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein kreatives Skizzenbuch, das das Prinzip SPIEL – NICHTS – E in den Alltag überträgt und das Motiv ÜBER FELDWEGE über den Galerieraum hinausführt.

— Gočár Gallery