Jan Solpera Rounded

Von Petra Kočová

17. Juni – 4. Okt., 2026

Die Ausstellung des typografischen Werks von Jan Solpera reiht sich in eine Serie von Präsentationen ein, die dem vielschichtigen Bereich gewidmet sind, für den sich auch in unseren Ländern der Begriff Grafikdesign etabliert hat. Die Westböhmische Galerie in Pilsen hat sich nach mehreren erfolgreichen Ausstellungen auf diesem Gebiet entschlossen, die Lücke, die in Tschechien nach der Einstellung der legendären internationalen Schau Biennale Brno entstanden ist, dauerhaft und systematisch zumindest teilweise zu füllen. Pilsen ist für eine solche Entscheidung ein geeigneter Ort, nicht zuletzt auch deshalb, weil hier die Fakultät für Design und Kunst Ladislav Sutnar der Westböhmischen Universität ansässig ist.

Die Kuratorenrolle übernahmen erneut die Grafikdesigner Zuzana Burgrová und Robert V. Novák, die diese Aufgabe bereits bei der umfassenden Ausstellung Rostislav Vaněk Extended erfolgreich erprobt hatten, welche zahlreiche positive Reaktionen hervorrief – und das nicht nur unter Fachkollegen. Beide betonen, dass sie keine professionellen Kuratoren seien, sehen darin jedoch gerade ihren Vorteil. Sie können mit einem unkonventionellen Blick und ohne institutionelle Fesseln Details einer ihnen nahestehenden Arbeit erkennen und würdigen. Mit dem jeweiligen Werk gehen sie zwar auf eigenständige Weise um, jedoch stets mit größtem Respekt.

Nicht anders planen sie es bei der Präsentation des Werks von Professor Jan Solpera. In der Ausstellung möchten sie jene Details und Ansätze hervorheben, die der Autor selbst eher zu marginalisieren neigt, die sich jedoch für das Gesamtwerk als wesentlich und stilprägend erweisen. Solperas Domäne ist ein spezifischer kalligrafischer Zugang zur Gestaltung von titelgebenden Textkompositionen – und das selbst in Entwürfen, die ein Laie keinesfalls als Kalligrafie bezeichnen würde. Aus all seinen Arbeiten spricht eine absolute Vertrautheit mit der Geschichte der Schrift, an die er auf seine eigene Weise anknüpft oder auf die er reagiert. Und da sich die visuelle Geschichte in einer Spirale ständig wiederholt, können Arbeiten, die die einen als Geschichte der Typografie wahrnehmen, für andere eine Inspirationsquelle für die visuelle Zukunft darstellen.

In die Ausstellung werden auf untypische Weise auch Auszüge aus Solperas umfangreichem Autorentext Typo života běh ( ; ! : ? & ~ ! ! ! ? ! : [ … ] + ) = Solpera integriert, in dem der Autor persönliche Erinnerungen und Erfahrungen beschreibt – nicht nur zum Fach selbst, sondern auch zu seiner langjährigen pädagogischen Tätigkeit. Unbedingt berücksichtigt wird auch seine wissenschaftliche Arbeit, von der wohl jeder schon einmal gehört hat, der sich zumindest ein wenig für Schrift interessiert – die Klassifikation der lateinischen typografischen Schriften aus dem Jahr 1977. Aus allen Komponenten von Solperas Werk wird ein Weg zusammengesetzt, der nicht dem zeitlichen Ablauf folgt, sondern Linien der Formensprache und der Bedeutungsbeziehungen nachzeichnet. Und da bereits von seinem kalligrafischen Ansatz die Rede war, werden Teil der Ausstellung auch Filmanimationen sein, die diesen Grundsatz für die Besucher anschaulich machen. Im Kontext der materiellen Exponate – Plakate, Bücher und zahlreiche weitere Druckerzeugnisse, die selbstverständlich erscheinen mögen – wird das in Solperas Werk stark betonte Wort „Dienst“ mehrfach zur Sprache kommen.

Gallery of West Bohemia in Pilsen
Quelle: www.zpc-galerie.cz/de/jan-solpera-rounded