Zum Inhalt springen

Julius Reichel: Bluterbe

Von Tereza Havlovicová, Ján Gajdušek

14. Aug. – 4. Okt., 2026

Julius Reichel hat die Kostka Galerie mit Hunderten Kilogramm ausrangierter Textilien überflutet. Das monumentale Netz, dessen Verbindungen aus gebundenen Ärmeln und Hosenbeinen bestehen, nutzt die gesamte Höhe des Raumes und verwandelt ihn in ein Labyrinth aus Durchgängen und Durchblicken. Wir gehen nicht am Werk vorbei, sondern durch es hindurch. Die Struktur ist sowohl Kunstwerk als auch Ausstellungsarchitektur und kann als Bild von Systemen gelesen werden, die uns übersteigen und deren Reichweite wir nicht überblicken können. An den Wänden korrespondieren damit Werke aus gefundenen Gegenständen, Regalen, Brettern oder ausgerissenen Drahtzäunen, die gleichzeitig Bilder und Objekte sind. Reichel füllt sie mit Texten, Hashtags und Smileys, die er als Datenträger betrachtet und deren Lächeln auch auf unsere Kosten gehen kann. Was wie ein grandioses Spektakel wirkt, ist gleichzeitig eine präzise konstruierte Falle über Manipulation, Extraktivismus und Krieg, über das, was wir geerbt haben und was wir weitergeben werden.

— MeetFactory