Julius Reichel überschwemmte die Kostka-Galerie mit Hunderten von Kilogramm ausrangierter Textilien. Das monumentale Netz, dessen Verbindungsstücke aus gebundenen Ärmeln und Hosenbeinen bestehen, nutzt die gesamte Höhe des Raumes aus und verwandelt ihn in ein Labyrinth von Durchgängen und Ausblicken. Wir gehen nicht um das Werk herum, sondern hindurch. Die Struktur ist sowohl Kunstwerk als auch Ausstellungsarchitektur und kann als Bild von Systemen gelesen werden, die uns übersteigen und deren Reichweite wir nicht überblicken können. An den Wänden entsprechen ihr Werke aus gefundenen Objekten, Regalen, Brettern oder ausgerissenen Drahtzäunen, die sowohl Bilder als auch Objekte sind. Reichel füllt sie mit Texten, Hashtags und Smileys, die er als Datenträger betrachtet und deren Lächeln auch auf unsere Kosten gehen kann. Was wie ein großartiges Spektakel wirkt, ist gleichzeitig eine präzise konstruierte Falle über Manipulation, Extraktivismus und Krieg, über das, was wir geerbt haben und was wir weitergeben werden.

Julius Reichel: Bluterbe
Von Tereza Havlovicová, Ján Gajdušek
14. Aug. – 4. Okt., 2026

