Zerbrechlich und intim sind die Adjektive, die bei der Bewertung des Werkes von Adriena Šimotová (1926–2014) am häufigsten wiederholt werden. Unmittelbar danach sollte jedoch betont werden, dass sie selbst vor allem mutig und unbezwingbar war. Eine Künstlerin, die mit einem Messer in Papier zeichnete, konnte nicht ängstlich sein. Eine Frau, die mit fünfundvierzig Jahren Witwe wurde und mit einem kaum zwölfjährigen Sohn allein blieb, musste stark sein.
Adriena Šimotová lernte Meda Mládková (1919–2022), eine tschechisch-amerikanische Sammlerin und spätere Gründerin des Museums Kampa, Ende der sechziger Jahre kennen. Als Meda Mládková im Herbst 1968 in Washington, D.C., ihre allererste Ausstellung organisierte, die Grafiken zeitgenössischer tschechoslowakischer Künstler gewidmet war, wählte sie für die Einladung eine von Adrienas Kaltnadelradierungen. Später wurden die beiden Frauen enge Freundinnen, die auch trotz der Einschränkungen des hohen Alters und der sich verschlechternden Gesundheit in Kontakt blieben.
Die Ausstellung Liebe Adriena… findet anlässlich des 100. Geburtstages der Künstlerin statt und ihr Kernstück ist die von den Mládeks gesammelte Sammlung. Besonders wertvoll sind die Textilcollagen aus den siebziger Jahren und die zehn Jahre jüngeren geschnittenen Zeichnungen auf geschichtetem Karbonpapier. Obwohl Adriena Šimotová bereits mehrere Ausstellungen im Museum Kampa hatte, werden einige Exponate selbst für Liebhaber ihres Werkes eine Entdeckung sein. Die historische Sammlung des Museums Kampa wird in der Ausstellung durch Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen ergänzt, die weitere Facetten von Šimotovás Werk zeigen. Dazu gehören insbesondere ihre Gemälde aus den frühen siebziger Jahren, in denen sie auf die Krankheit und den Tod ihres Mannes Jiří John reagierte, oder ihr hochkarätiger Spätzyklus Schoulení aus den Jahren 2009–2010.
Die Ausstellung ist nicht als umfassende Retrospektive gedacht, sondern als Erinnerung an die Freundschaft zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten der tschechischen Kultur und als Feier der Radikalität und Vitalität von Šimotovás Werk. Obwohl die Themen Erinnerung und Verletzlichkeit sowie die Flüchtigkeit der menschlichen Existenz markante Motive ihres Schaffens sind, ist das, was allen unterschiedlichen Aspekten ihres Werkes gemeinsam ist, vor allem der Wunsch, sich nicht zu wiederholen und in ihrer Aussage über die Welt maximal authentisch zu sein.
Kurator: Jan Skřivánek

Liebe Adriena… Adriena Šimotová & Meda Mládková
6. Juni – 13. Sept., 2026



