DAUERAUSSTELLUNG
Rüstkammer
Die Rüstkammer befindet sich in den gotischen Kellern des Schlosses. In sechs aufeinanderfolgenden, gewölbten Räumen und dem angrenzenden Korridor werden europäische und orientalische Waffen aus der Zeit vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt. In der Rüstkammer werden Angriffs- und Schutzwaffen für den Kampf sowie Jagd-, Sport- und Duellwaffen präsentiert.
Zu den interessanten Objekten gehören Henkerschwerter, mit denen Verbrecher gerichtet wurden. Auf ihren stumpf endenden Klingen befinden sich lateinische Sinnsprüche: IURIS VICTORIAE (Die Gerechtigkeit wird siegen) oder – wie auf dem Schwert der Stadt Pszczyna aus dem 17. Jahrhundert – RECTO FACIENDO NEMINEM TIMEAS (Wer recht handelt, braucht niemanden zu fürchten). Stangenwaffen sind vor allem Hellebarden und Partisanen (16.–18. Jh.), die von Fußtruppen und Schlosswachen benutzt wurden, sowie lange Lanzen der Kavallerie aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Eine interessante Gruppe bilden auch Jagd- und Scheibenarmbrüste, einige mit Einlegearbeiten und figürlichen Darstellungen verziert. Die älteste, eine Renaissance-Armbrust, trägt das Herstellungsdatum 1534.Am zahlreichsten vertreten sind Handfeuerwaffen wie Karabiner, Flinten und Pistolen mit Luntenschlössern, Radschlössern, Steinschlössern, Perkussionsschlössern und Nadelzündern. Besonders interessant sind die kleinkalibrigen, reich eingelegten Flinten für die Jagd auf Federwild und Kleinwild, nach ihrem Herstellungsort Cieszynki genannt. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die zweite große Gruppe bilden Hiebwaffen, vor allem militärische. Neben frühen Schwertern, Rapieren und Degen des 16. und 17. Jahrhunderts sind Pallasche, Säbel und Tesaks aus dem 18. bis 20. Jahrhundert ausgestellt, die in den einzelnen europäischen Armeen, darunter auch der polnischen, in Gebrauch waren (z. B. Säbel Modell 1917, 1921, 1934).
Unter den Schutzwaffen sind eine vollständige Ritterrüstung um 1530, ein polnischer Husarenkürass aus dem späten 17. Jahrhundert, geschlossene Helme, Morione (16.–17. Jh.) sowie Brustpanzer und Kürassierhelme des 19. Jahrhunderts zu sehen. Zu den interessanten Objekten der polnischen Militärtradition gehört ein vergoldetes Gorget mit gemaltem Bildnis der Schwarzen Madonna von Tschenstochau aus der Zeit der Konföderation von Bar (1768–1772) sowie zwei Säbelscheiden: eine des Pszczyner Fürsten Friedrich Erdmann Anhalt-Köthen-Pless, die andere polnisch, mit silberner Abdeckung und dem Wappen Nałęcz. In einem der Räume der Rüstkammer kann man sich mit orientalischen Waffen vertraut machen, vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Ausgestellt sind hier unter anderem eine persische Rüstung, Helme, Schilde und Säbel, türkisch-balkanische Pistolen und Jatagane sowie japanische Schwerter (Katana) und Samurai-Rüstungen.
Verhältnismäßig zahlreich ausgestellt sind neuere Waffen aus der zweiten Hälfte des 19. und dem 20. Jahrhundert. Mit der Zeit des Ersten Weltkriegs, als sich im Schloss Pless das deutsche Hauptquartier befand, sind Waffen aus jener Zeit verbunden. Dazu zählen Hinterladergewehre (Einzellader und Repetiergewehre), ein interessanter Minenwerfer und Handgranatenwerfer, ein Doppelläufiges Maschinengewehr sowie das schwere Maschinengewehr Fiat Modell 1914 und Säbel: österreichische, preußische, französische und russische. Auf diese Zeit beziehen sich außerdem Gemälde: Der Generalstab Kaiser Wilhelms II. vor der Kulisse des Schlosses (Gemälde von A. R. Benno), das Porträt des Pszczyner Fürsten Hans Heinrich XV. von Hochberg, Adjutant des Kaisers, sowie seiner Gemahlin, Fürstin Daisy, als Schwester vom Roten Kreuz. Während des Ersten Weltkriegs half sie Kriegsgefangenen. In der Rüstkammer werden außerdem Hiebwaffen gezeigt, und zwar Säbel, die nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit 1918 in der Polnischen Armee verwendet wurden. Es handelt sich sowohl um Säbel ausländischer Herkunft als auch um einheimische Produktion der Modelle 1917, 1921 und 1934.
Besondere Beachtung verdienen Gemälde polnischer Ulanen von Wojciech Kossak und Stanisław Ligoń sowie eine aus Bronze gegossene Plakette mit der Büste des polnischen Marschalls Józef Piłsudski, die von einem Denkmal stammt, das einst auf dem Marktplatz von Pless stand. In der Rüstkammer befinden sich außerdem Sportwaffen für Hieb und Feuer, Duellpistolen, Schießscheiben und Fotografien…

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