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Wenn wir an das Schaffen von Edward Dwurnik denken, einen der herausragendsten und produktivsten polnischen Künstler der letzten Jahrzehnte, kommen uns aus der Vogelperspektive gezeigte Städte, farbenfrohe Porträts von Bewohnern der Volksrepublik Polen, dunkle Szenen aus der Zeit des Kriegsrechts und Reihen roter und gelber Tulpen in den Sinn. Betrachtet man das Werk des Malers jedoch genauer, zeigt sich, dass in der überwiegenden Mehrheit seiner Arbeiten das menschliche Gesicht auftaucht. Es wird auf vielerlei Weise, mehr oder weniger detailliert dargestellt, bleibt aber stets lesbar und bedeutsam. Das betrifft sowohl Gemälde auf Leinwand als auch Arbeiten auf Papier. Den Künstler interessierten am meisten der Mensch und die Vielfalt menschlicher Emotionen, und mit seinem Schaffen „wollte er den einfachen Menschen ein Denkmal setzen“. Dieses Interesse teilt auch Apolonia Dwurnik, Edwards Schülerin und privat seine Tochter. Genau von diesem gemeinsamen Interesse erzählt die Ausstellung mit Werken von Apolonia und Edward Dwurnik in der Galerie Rzeczna in Rybnik.
Ausgangspunkt der Rybniker Präsentation ist eine Serie früher Selbstporträts Edward Dwurniks, 1966 mit Bleistift auf kleinen Papierblättern ausgeführt.
Der damals dreiundzwanzigjährige Künstler betrachtet sich im Spiegel und gibt mit kurzen, ungeduldigen Bleistiftstrichen seine Gesichtszüge, Frisur, das Hemd, das er trägt, und die zeichnende Hand auf dem Papier wieder. Die intimen Selbstporträts zeigen einen Studenten der Warschauer Akademie der Schönen Künste, der sein Handwerk erlernt. Das im selben Zeitraum entstandene gemalte Selbstporträt in dunklen Grüntönen bildet gewissermaßen eine Zusammenfassung der Bleistiftskizzen. Das Bild wurde mit spürbarer Mühe, vielschichtig und in dicker Farbe gemalt, ohne die Leichtigkeit und Freiheit, die in seinen späteren Arbeiten erscheinen.
Porträt und Gesichtsstudie gehören seit jeher zum Grundrepertoire des Zeichen- und Malunterrichts.
Kein Wunder also, dass Selbstporträt und Porträt in seiner frühen Jugend einen wichtigen Platz im Schaffen des Künstlers einnehmen. Dwurnik verliert keine Minute und zeichnet unablässig. Wenn er allein ist, zeichnet er sich selbst, und wenn er unter Menschen ist, zeichnet er eben sie. Er skizziert Szenen an der Hochschule und im Café, Studierende bei Freiluftsitzungen und seine Mutter in der Küche. Ein anmutiges Beispiel dieser Freiluftporträts ist die Zeichenserie von 1967 mit dem Titel „Ewa i Przemyk“. Die Bildnisse von Ewa und Przemysław, mit denen Edward Dwurnik studierte und befreundet war, sind zugleich zärtlich und präzise. Die jungen Adepten der ASP, beinahe nebenbei während eines ungezwungenen Gesprächs festgehalten, werden für Dwurnik zum Vorwand, nach einer visuellen Sprache zu suchen, mit der er vom Menschen erzählen kann.
Dieser visuellen Erzählungen entstehen viele. In der Ausstellung zeigen wir Zeichnungen aus drei Zyklen der siebziger Jahre: „Moi bohaterowie“ (Meine Helden), „Spojrzenia“ (Blicke) und „Frustracje“ (Frustrationen). Die darauf porträtierten Menschen sind bereits schematischer und expressiver dargestellt. Der Künstler greift auf die gewonnene Erfahrung zurück und erschafft auf der Grundlage früherer Beobachtungen des Modells imaginierte menschliche Typen. In die Kompositionen führt er außerdem Farbe ein, die das Ganze dynamisiert. Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur in Gesichtszügen und Frisuren, sondern auch in den Emotionen, die sie erleben. Frustration ist bereits durch den Titel einer der Serien angedeutet, doch dezent werden unter anderem auch Wut, Eifersucht, Antipathie, Belustigung, Verwunderung oder Neugier markiert. Die Zeichnungsreihe wird zu einer Art Rätsel, in dem wir den einzelnen Figuren verschiedene Emotionen zuordnen und selbst erraten können, wovon der Künstler erzählt.
Dwurnik interessierte sich für den Zustand der Gesellschaft, der sich in individuellen Geschichten offenbart.
Deshalb flocht er Geschichten und Porträts konkreter Personen in größere thematische Zyklen und komplexere Malereikompositionen ein. In der Ausstellung kündigt das Gemälde „Jerzyk i Elza“ von 1991 aus dem Zyklus „Sportowcy“ (Sportler) diese Praxis an. Es ist eine schlichte Genreszene: Ein Bekannter des Malers, ein gewisser Jerzyk, wird bei der Arbeit porträtiert; er füllt Sodasyphons mit Gas. Neben ihm steht eine Frau in einem roten Kleid mit einem kleinen Mädchen, mit dem sie vermutlich gerade von der Schule heimgekehrt ist.
Im Schaffen des Künstlers ist prominent…

Selbstporträt, Porträt
Apolonia Dwurnik · Edward Dwurnik
9. Okt. 2026 – 31. Jan. 2027
