Erich Steininger. Schichtung und Grenzüberschreitung
Das in der Ausstellung im Danubiana Meulensteen Art Museum präsentierte Werk von Erich Steininger umfasst zwei Jahrzehnte des Schaffens und vereint Schlüsselgruppen aus seinem umfangreichen grafischen Werk: eine 14-teilige Holzschnittserie aus den 1990er Jahren und eine fünfteilige Monotypieserie. Der Holzschnitt – eine Technik der Lithografie – stellt in seinem Werk eine wahrhaft königliche künstlerische Disziplin dar. Steiningers Holzschnitte entstehen seit Mitte der 1960er Jahre mit bemerkenswerter Beständigkeit und Kontinuität. Anfänglich von einem figurativen und expressionistischen Ansatz beeinflusst, entwickeln sie sich zunehmend zu abstrakt-strukturellen und ornamentalen Bildwelten. In der Werkreihe „Körper wird Land“ werden Rosa, Gelb und Schwarz mittels eines komplexen Druckverfahrens übereinandergelegt. Durch das Übereinanderdrucken mehrerer Platten auf einem Blatt beginnen sich Figur und Struktur zu vermischen, zu verdichten und ineinander aufzulösen. Die Linie löst sich zunehmend von ihrer rein beschreibenden Funktion, verselbstständigt sich und beginnt, Netzwerke zu bilden. Der Körper überwindet Grenzen – er wird zur Landschaft. Die Schichtung der Farben, die Verflechtung von Linie und Fläche wirkt als visuelle Reflexion dieser Hoffnung – als ob ein Prozess der Befreiung im Bild selbst stattfindet. Monotypien setzen einen anderen, fast strahlenden Akzent. Bei dieser Technik wird eine Aluminiumplatte zunächst mit schwarzer Druckfarbe beschichtet, die dann mit einem Pinsel abgewischt wird. Die zweite Platte bringt eine flammende, feurig-orange Farbe sowie das Schwarz der Markierungen. So entstehen einzigartige Bildereignisse – feurig, atmosphärisch, eine unmittelbare malerische Präsenz tragend.
Barbara Steininger-Wetzlmair
Florian Schaumberger. Minimalistische Köpfe
Das zeitgenössische skulpturale Werk von Florian Schaumberger ist geprägt von Konzepten wie Materialisierung, Minimalismus und der Fokussierung auf das Elementare. Die im Danubiana Meulensteen Art Museum ausgestellten Werke aus den Serien „Head“ und „Ahead“ zeigen eine Kombination aus figurativen und architektonischen Ansätzen. In der Serie „Head“ verschränken sich kubische Formen. Die Kopfform wird radikal minimiert und in ein vertikales und horizontales Koordinatensystem übertragen, und die organische Form wird in eine architektonische Konstruktion transformiert. Schaumberger studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Ioannis Avramidis und wurde von der kubistischen Bildhauerschule von Fritz Wotruba beeinflusst, doch das Bild des Menschen blieb stets im Mittelpunkt. Er radikalisiert die Formsprache zu einem minimalistischen Konzentrat, das an abstrakten Expressionismus grenzt. Schaumbergers Werke beziehen sich auf den Menschen und stellen geschlossene skulpturale Einheiten dar. Die „Ahead“-Skulpturen sind aufrechte, säulenartige Strukturen, die an Wächter erinnern. Der Bildhauer beginnt mit Brettern, die dann in Bronze gegossen werden; die goldglänzende Version von „Shining Ahead“ ist ein gutes Beispiel. Neben der formalen Dimension strahlen die Skulpturen eine spirituelle Kraft aus, etwas Fokussiertes, Kontemplatives, Inneres, in sich selbst Präsentes. Schaumbergers aktuelle Werke stehen im diametralen Gegensatz zu seinen früheren geschweißten Stahlskulpturen, die sich durch Dynamik, Offenheit und gewalttätige Expressivität auszeichneten.
Florian Steininger

Erich Steininger & Florian Schaumberger
Von Barbara Steininger-Wetzlmair, Florian Steininger
5. Mai – 28. Juni, 2026





