Heute 11:00 – 18:00 Uhr
Großformatige, von Hand entwickelte Farbabzüge sind charakteristisch für die künstlerische Arbeit von Akosua Viktoria Adu-Sanyah (*1990). In manuellen und chemischen Prozessen verschiebt und erweitert die deutsch-ghanaische Künstlerin die Grenzen der Fotografie. Indem sie die flüchtigen Zustände der analogen Entwicklung – sonst nur in der Dunkelkammer erlebbar – in den Ausstellungsraum überträgt, macht sie das Ungesehene, Latente und Prozesshafte des Mediums wahrnehmbar.
Ausgangspunkt für ihre aktuellen Arbeiten sind historische Fotografien aus der British Empire & Commonwealth Collection in Bristol, aufgenommen am Geburtsort ihres Vaters im heutigen Ghana. Auf der Suche nach alternativen Erzählungen löst sie Himmel, Baumkronen und Landschaften aus ihrem kolonialen Kontext und überträgt diese geborgenen Naturfragmente auf Farbnegative.
Ein wiederkehrendes Bild in ihrer Arbeit ist ein Porträt ihres Urgroßvaters Wilhelm Schlüter in der deutschen Luftwaffe. »Für mich fungiert dieses Foto weniger als historisches Dokument denn als eine Art Geist. […] Es stellt eine strukturelle Störung in meiner eigenen Existenz dar«, so die Künstlerin.
Die Dunkelkammer dient bei ihr nicht nur als Produktionsort, sondern als Raum der Reflexion, in dem Erfahrungen, Beziehungen und Erinnerungen Form annehmen, noch bevor sie vollständig sichtbar werden. RESIDUAL SKY UNDER CONTAMINATION zeigt rund 20 neue großformatige Werke, die sich installativ an und gegen den Ausstellungsraum lehnen.
Kuratiert von Nadine Isabelle Henrich, Kuratorin des Haus der Photographie. Kuratorische Assistenz: Viktoria Rochambeau, kuratorisches Volontariat am Haus der Photographie
Zur Ausstellung erscheint im Rahmen der 9. Triennale der Photographie ein Leporello mit einer neuen Arbeit sowie einem Interview mit Akosua Viktoria Adu-Sanyah.
Akosua Viktoria Adu-Sanyah (geb. 1990) ist eine deutsch-ghanaische Künstlerin, die in Zürich lebt. Sie arbeitet mit fotografischen Objekten, Installationen, Malerei und prozessorientierter Bildentwicklung. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen »no flowers« im Centre culturel suisse. Paris, »Residual Sky« im Kunsthaus Glarus, »Corner Dry Lungs« im MMK – Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main und »The House Is a Body« beim Bristol Photo Festival sowie Präsentationen auf der Art Basel Hong Kong und im Foam Museum Amsterdam. Sie ist Preisträgerin des Swiss Art Award. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter im Kunsthaus Zürich, im MMK und im Stedelijk Museum.
Gemeinsam mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg richten wir ein offenes Schwarz-Weiß-Fotolabor mit Dunkelkammer als Teil der Ausstellung ein. Das begleitende Workshop-Programm schafft Raum für Begegnung, Annäherungen und Widersprüche und reagiert auf den Wunsch nach Gemeinschaft und Materialität. Im Fokus stehen dabei die emotionalen, entschleunigten und versöhnenden Qualitäten analoger Fotografie: In ihrem Werden und Vergehen eröffnen sich alternative Zeitlichkeiten und widerständige Zukünfte.

AKOSUA VIKTORIA ADU-SANYAH – RESIDUAL SKY UNDER CONTAMINATION
5. Juni – 1. Nov., 2026





