Ausgehend von Recherchen am Nord-Ostsee-Kanal untersucht Oksana Yushko die Verflechtungen von Warenströmen, Migrationsbewegungen und ökologischen Systemen. In der Ausstellung ZUGUNRUHE nimmt die Künstlerin eine nicht-menschliche Perspektive ein und verknüpft Bewegungen und Infrastrukturen über Arten, Räume und politische Ordnungen hinweg.
Im Zentrum der Ausstellung, die im Container 40ft auf dem Vorplatz der Deichtorhallen präsentiert wird, steht eine raumgreifende Video- und Soundinstallation: Auf fünf Monitoren ziehen Schiffe vorüber; ihre wiederholten Bewegungsgesten formen eine visuelle Choreografie. Diese lenkt den Blick auf eine Landschaft, die idyllisch erscheint und zugleich eine zentrale Verkehrsachse für Waren- und Militärtransporte in Nordeuropa ist.
Ergänzt wird die Installation durch Neuproduktionen, die auf historischem Material basieren und als Ready-mades neu kontextualisiert werden. Im Ausstellungsraum weisen Verbindungslinien auf systemübergreifende Beziehungsgeflechte hin, die unsere Gegenwart prägen und in die Zukunft hineinwirken.
Die titelgebende »Zugunruhe« bezeichnet den nervösen Zustand von Zugvögeln unmittelbar vor dem Aufbruch. In verhaltensbiologischen Experimenten wird dieses Phänomen mithilfe sogenannter Emlen-Trichter erforscht; mit Papier ausgelegte Apparaturen, in denen sich die Unruhe der Vögel in Form von Spuren und Kratzern einschreibt. Doch auch bei Menschen verdichten sich nervöse Systeme sowie politische und ökologische Spannungen zu einem allgegenwärtigen Zustand der Unruhe.
Kuratiert von Viktoria Rochambeau, Sarah Gramotke und Vilja Gunzelmann, kuratorische Volontärinnen am Haus der Photographie sowie im Ausstellungsmanagement der Halle für aktuelle Kunst.
Ermöglicht durch den Volontärspreis Y 2026 des Jungen Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder.
Oksana Yushko ist eine in der Ukraine geborene, multidisziplinäre Künstlerin, deren Praxis Fotografie, Video, Skulptur und Installation umspannt. Ihre Arbeiten basieren auf ortsspezifischen, dokumentarischen Recherchen, die sie insbesondere in Osteuropa, dem Kaukasus, im Baltikum sowie in Großraum Hamburg entwickelt. Derzeit studiert sie Fotografie bei Tobias Zielony an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Wiederkehrend setzt sie sich kritisch mit historischen Narrativen auseinander und verhandelt dabei Themen der Migration und dem Komplex posttraumatischer Erfahrungen. Wechselwirkungen zwischen globalen Verhältnissen und lokalen Erfahrungen strukturieren ihre Arbeit zu Grenzregimen und territorialen Raumordnungen. Im Zentrum ihres Werks steht die komplexe Beziehung zwischen Kultur und Natur im Kontext von Krisen und Konflikten.
Im neuen Ausstellungsort auf dem Vorplatz der Deichtorhallen Hamburg, dem 40ft, werden künftig vielfältige Kooperationsprojekte im Stadtraum sichtbar. Im Zuge eines umfassenden Rebrandings präsentiert sich der Container ab sofort unter dem neuen Namen 40ft und mit einem geschärften visuellen Auftritt. Den Auftakt bildet die Ausstellung ZUGUNRUHE von Oksana Yushko. Für Kooperationsanfragen wenden Sie sich gerne an Simon Wyrwol unter wyrwol@deichtorhallen.de.
Der 40ft-Container ist dienstags bis sonntags, jeweils 11–18 Uhr geöffnet. Eintritt kostenfrei
Zwischen dem 26. und 28. Juni 2026 bleibt die Ausstellung OKSANA YUSHKO – ZUGUNRUHE vorübergehend geschlossen.

Oksana Yushko – Zugunruhe
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