Das Fundament dieser Sammlung bildet das Erbe des Großunternehmers Heinrich Liebieg (1839–1904), eines großzügigen Mäzens, Sammlers und Mitglieds des Ehrenkuratoriums des Nordböhmischen Industrie-Museums. Diese einzigartige private Sammlung wurde im Laufe der Jahre durch Erwerbungen aus dem Liebieg-Fonds sowie durch Akquisitionen der Stadt Liberec, des Liberce Museums und ab 1953 durch Erwerbungen des Museum der schönen Künste Liberec erweitert.
Französische Sammlung des 19. Jahrhunderts
Das Erbe von Heinrich Liebieg umfasst 32 Ölgemälde und 5 Aquarelle der französischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Die ständige Ausstellung zeigt Werke von Mitgliedern der sogenannten Barbizon-Schule sowie eine Sammlung von Gemälden von Eugène Boudin.
Der Name „Barbizon-Schule“ wurde nach dem französischen Dorf Barbizon gewählt, das 50 km südöstlich von Paris liegt. In den 1830er Jahren ließ sich hier eine Gruppe von Landschaftsmalern nieder, die im Umfeld des Fontainebleau-Waldes ein neues Verständnis der Natur in der bildenden Kunst suchten. Die Barbizoniens ließen sich von der englischen und niederländischen Landschaftsmalerei inspirieren; ihr Hauptthema war der Wald und Waldstillleben.
Sie begannen, direkt im Freien zu malen oder zu zeichnen und kamen allmählich zu der Erkenntnis, dass sie das gesamte Gemälde in der Natur vollenden sollten. Im Umgang mit Licht strebten sie nach natürlichen Lichtverhältnissen und wählten oft niedrige Horizonte, die die Illusion der Identität mit ihrer eigenen Wahrnehmung boten. Sie versuchten, ein „Porträt der Landschaft“ zu schaffen, indem sie ein natürliches Stück der Landschaft zu verschiedenen Tageszeiten einfingen. Mit diesen Ansätzen machten sie einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der französischen Landschaftsmalerei in Richtung Realismus. Durch die Lockerung ihrer Malweise und das Einfangen natürlicher Stimmungen kamen sie auch dem Impressionismus näher. Die Barbizon-Schule wird im Museum der Schönen Künste Liberec durch Gemälde von Künstlern wie Charles-François Daubigny, Narcisse Virgilio Díaz de la Peña und Théodore Rousseau vertreten.
Die Sammlung von siebzehn Gemälden von Eugène Boudin (1824–1898) in den Sammlungen des Museums ist nicht nur die größte außerhalb Frankreichs, sondern auch eine der wertvollsten. Boudin war ein Maler der sich verändernden Atmosphäre an den Küsten der Normandie, der Bretagne sowie in Belgien, den Niederlanden und Italien. Er gehört zu den direkten Vorläufern des Impressionismus. Charles Baudelaire widmete ihm in seiner Kritik des Salons von 1859 einen langen und berühmten Abschnitt: „Herr Boudin stellt uns in seinen Gemälden... die unermesslichen Reize von Luft und Wasser dar... All diese Wolken fantastischer und strahlender Formen, diese satinschwarzen oder violetten Himmel, diese Trauer- oder in geschmolzenem Metall glühenden Horizonte, all diese Tiefen, all diese Pracht stiegen mir wie ein berauschendes Getränk zu Kopf…“
Deutsche und österreichische Malerei des 19. Jahrhunderts
Die Gemälde deutscher Künstler bieten einen repräsentativen Überblick über die Entwicklungstendenzen der deutschen Malerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am stärksten vertreten ist die Gruppe von Künstlern, die in München studiert haben oder dort tätig waren. Der frühe Münchener Pleinairismus wird durch die Werke des Malers Max Haushofer repräsentiert. Seltene Gemälde mit figurativen Themen des Realisten Wilhelm Leibl ergänzen Werke von Malern des sogenannten Leibl-Kreises wie Wilhelm Trübner und Johannes Sperl. Das Münchener Biedermeier-Genre wird von Carl Spitzweg vertreten, psychologische Darstellungen von Gabriel Max und Albert Keller, und ländliche Szenen sind in den Werken von Franz Defregger und Ernst Karl Georg Zimmermann zu finden.
In der Porträtkunst dominieren Werke von Franz Lenbach. Die Künstlerkolonie in Dachau wird durch die Jugendstil-Landschaften von Ludwig Dill repräsentiert, die Düsseldorfer Schule durch Werke von Andreas Achenbach, August Becher und Hugo Vogel. Von den in Berlin tätigen Künstlern stechen Adolf Menzel, Carl Langhammer und Walter Leistikow hervor.
Die österreichische Malerei zeichnet sich durch eine zahlreiche Vertretung mehrerer Künstler aus. Die größte Sammlung umfasst Werke von August Pettenkofen und Eduard Charlemont, der neben seiner meisterhaften Detailmalerei auch als Berater für künstlerische Akquisitionen des Sammlungsbesitzers Heinrich Liebieg tätig war. August Pettenkofen gehört zu den Vertretern des sogenannten „Stimmungsimpressionismus“, zu dem auch Eugen Jettel und Franz Rumpler zählen. Eduard Charlemont dokumentiert in seinem Werk die zeitgenössische Faszination für alte, vor allem niederländische Meister, die Vorliebe des späten 19. Jahrhunderts für Genremalerei sowie für eine reiche Farbpalette und minutiöse Zeichnung. Diese Detailtreue zeigt sich auch im Werk von Rudolf Alt, der realistische Panoramablicke auf europäische Städte und einzelne Gebäude darstellt.

Heinrich von Liebieg | Kunstsammler und Mäzen
Von Zuzana Štěpanovičová
28. Feb. 2014 – 12. Juli 2026


