Věra Nováková & Pavel Brázda | Bilder, Worte, Schwertlilien

Von Vendula Fremlová

18. Apr. – 12. Juli, 2026

Das Werk zweier außergewöhnlicher Künstler, Lebenspartner und Weggefährten, Pavel Brázda und Věra Nováková, weist zahlreiche Gemeinsamkeiten ebenso wie gegensätzliche Tendenzen auf. Neben der veristischen Malerei zeigt sich bei beiden eine ausgeprägte Stilisierung; zudem arbeiteten sie mit strukturellen Bildkonzepten, häufig bis hin zu informellen Tendenzen. Ihre individuellen Ausrichtungen unterscheiden sich sowohl im Hinblick auf Motivik und das Thema Christentum, dem sich jeder auf ganz eigene, ja gegensätzliche Weise näherte, als auch vor allem in der Frage nach dem Verhältnis zwischen Originalwerk und dessen Kopie. Während Věra Nováková beim einzigartigen Artefakt blieb (was sich auch in der Wahl ihrer Sujets widerspiegelt, etwa in Porträts ihr nahestehender Persönlichkeiten aus der Kunstwelt, aber auch aus dem katholischen Glauben), neigte Pavel Brázda im Sinne seiner hoministischen Ideen zur Demokratisierung der Kunst. Kunst sollte allen zugänglich sein. Deshalb vervielfältigte und reproduzierte Brázda seine Werke mit Begeisterung – zunächst mittels Xerox, später auch durch digitalen Druck auf Leinwand. So existieren einige seiner Figuren oder Köpfe in zahlreichen Varianten und erscheinen immer wieder in unterschiedlichen Kompositionen und Schemata. Die erste Linie der Ausstellung widmet sich der Thematik von Figuren, Köpfen und Porträts und verweist auf die unterschiedlichen künstlerischen Ansätze beider Autoren.

Eine weitere wichtige Linie bilden Buchillustrationen. Von grundlegender Bedeutung für das Schaffen von V. Nováková wurde das Buch Was sich alles mit Worten sagen lässt, 1964 (Josef Hiršal, Bohumila Grögerová). Durch dieses Werk begann sie über das Verhältnis von Bedeutung und Form der Buchstaben nachzudenken, und dieses schmale Büchlein gab den Anstoß zu ihren Buchstabenbildern, deren Motive sie zum Teil auch in Objekte und Skulpturen übertrug. Pavel Brázda arbeitete nicht nur an zahlreichen Illustrationen mit, sondern versah seine Werke vor allem mit Nonsens-bezogenen Titeln und Kommentaren oder deutete sie sogar selbst textlich (oft unter dem Pseudonym Přemysl Arátor). Gerade die Beziehung zum Wort und zum Text bildet den zweiten thematischen Schwerpunkt der Ausstellung; ausgewählte Texte Brázdas bzw. seine Interpretationen eigener und Věřas Werke stehen in Form eines Audioguides (QR-Code) zur Verfügung.

Im Rahmen ihrer Illustrationsarbeit widmeten sich die Eheleute Brázda auch der Darstellung von Blumen. Das Motiv von Blumen, Pflanzen und Vegetation erscheint jedoch in zahlreichen freien Zeichnungen, Aquarellen sowie in Landschaften mit nahezu idyllischem Charakter. Das Vegetationsmotiv wurde zudem zu einem zentralen Thema in einer Werkgruppe von Věra Nováková, in der sie den Buchstaben „V“ untersucht. Es steht auch in Verbindung mit dem Gemälde Adam und Eva einschließlich seiner skulpturalen Variante. Für Věra Nováková ist das Vegetationsmotiv charakteristisch, während es bei Pavel Brázda vor allem in seinem Frühwerk zu finden ist. Der dritte thematische Bereich der Ausstellung widmet sich somit der Vegetation.

Die Ausstellung Bilder, Worte, Schwertlilien konzentriert sich auf diese drei thematischen Linien, die sich zudem gegenseitig durchdringen. Präsentiert werden außerdem die Bücher Was sich alles mit Worten sagen lässt, Unsere Stauden mit Illustrationen botanischer Exemplare, Taschenatlas der Aquarienfische mit beinahe surrealen Fischdarstellungen sowie nicht zuletzt das Buch Meine lieben Brüder von Helena Palivcová-Čapková. An den Illustrationen dieser Publikationen waren sowohl Pavel Brázda als auch Věra Nováková beteiligt. Die Illustrationen bringen somit das Thema der Zusammenarbeit in die Ausstellung ein—nicht ausschließlich im künstlerischen Sinne, sondern vielmehr in einer angewandten Ebene, die mit Arbeit, Einkommen und der alltäglichen Existenzsicherung der Familie Brázda verbunden ist.

Aus organisatorischen Gründen wurde die Ausstellung um drei Tage verkürzt und endet daher bereits am Sonntag, dem 12. Juli. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Regionalgalerie Liberec