Am Scheideweg: Zwischenkriegsarchitektur in Japan

26. Juni – 1. Nov., 2026

Das Kreativteam der Gruppe Okolo präsentiert im Gesellschaftssaal der Semler Residenz eine erweiterte Version der Ausstellung Am Scheideweg: Zwischenkriegsarchitektur in Japan, die Anfang des Jahres für die Winternitz-Villa entstanden ist. Die Ausstellung basiert auf Štěchs eigener Forschung in Japan und detaillierter fotografischer Dokumentation in Verbindung mit Grafikdesign und Ausstellungsarchitektur seiner Kollegen Matěj Činčera und Jan Kloss.

Die Ausstellung zeigt vielfältige Beispiele der japanischen modernistischen Wohnarchitektur der Zwischenkriegszeit, deren Hauptthema die Überschneidung japanischer Bau- und Kulturtraditionen mit neuen avantgardistischen Impulsen aus Europa und den USA war. Alle vertretenen Häuser sind sehr unterschiedliche Beispiele des japanischen Modernismus, in denen sich die metaphorische Kollision und Synthese von Ost und West auf verschiedene Weisen äußern.

Dies rührt von der gesamten historischen Entwicklung des Landes her. Die Zwischenkriegszeit schließt an die vorhergehende Meiji-Periode (1868–1912) an, als das Kaiserreich unter der Unterstützung westlicher Mächte eine rasche Modernisierung erlebte. Es folgte die Taishō-Periode (1912–1926) und danach die lange Shōwa-Ära des Kaisers Hirohito, der 1926 die Staatsführung übernahm und bis 1989 regierte. Die Zwischenkriegszeit ist allgemein einerseits durch Japans explosive imperiale Politik und andererseits durch die allgemeine Modernisierung und anfängliche Verwestlichung von Gesellschaft und Institutionen gekennzeichnet.

Im Bereich der Architektur begannen die ersten modernistischen Pioniere bereits in den 1920er Jahren, modern konzipierte Häuser unter dem Einfluss des europäischen und amerikanischen Modernismus zu entwerfen. Dazu gehörten Architekten wie Sutemi Horiguchi, Iwao Yamawaki, Koji Fujii oder Kameki und Nobuko Tsuchiura. Wichtig war auch der Einfluss großer Persönlichkeiten wie Frank Lloyd Wright aus den USA oder Henri Rapin aus Frankreich. Die Ausstellung vermeidet bewusst die Arbeiten der tschechischen Architekten Jan Letzel und Antonín Raymond, deren bedeutende Aktivitäten in Japan hierzulande doch bekannter sind.

Für die Semler Residenz wurden mehrere zusätzliche Tafeln erstellt, die das Thema der Wohnarchitektur auf den Bereich der öffentlichen und Wohnrealisierungen des frühen Modernismus und Art déco ausweiten.

Gallery of West Bohemia in Pilsen