ANDROS

Von Vratislav Maňák

Öffnet in 48 Tagen

Der männliche Körper in der zeitgenössischen mitteleuropäischen Kunst.

Das Einzige, was der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft zur Verfügung steht, ist ein Torso. Ein Torso der gelebten Welt, in der ein gemeinsamer Sinn verloren gegangen ist, und ein Torso eines Individuums, das sich nach seiner Komplexität nur sehnen kann, weil es ständig durch Sprache und soziale Rollen davon entfernt wird. Männlichkeit ist zweifellos von dieser Unvollständigkeit betroffen. Die Revision etablierter Schablonen und die Lockerung starrer Geschlechterrollen haben in den letzten Jahrzehnten die Diskussionen über die Natur der Männlichkeit verstärkt und führen zwangsläufig auch zu existenziellen Fragen. Wer ist ein Mann eigentlich? Und was bestimmt ihn?

Das Ausstellungsprojekt ANDROS untersucht, wie die zeitgenössische mitteleuropäische Kunst diese Fragen bei der Darstellung des männlichen Körpers angeht. Die materielle Komponente der Geschlechtsidentität, die über Jahrhunderte als klassisches künstlerisches Thema diente, wird in der heutigen Kunst auch zu einer Projektionsfläche für Zweifel, Suche und Neuetablierung der männlichen Form.

Die Kollektivausstellung ANDROS verfolgt das Thema im weiteren regionalen Kontext und präsentiert neben heimischen Werken auch Arbeiten von Künstlern aus Deutschland, Österreich und den Visegrád-Ländern. Die Kuratorenrolle übernahm der Schriftsteller Vratislav Maňák, der dabei die Konzepte, die in seinem Buch „Mit Wittgenstein in der Gay-Sauna (2026)“ vorgestellt wurden, weiterentwickelt und vertieft.

Kurator: Vratislav Maňák

Vratislav Maňák (* 1988) ist ein tschechischer Schriftsteller, Journalist und Literaturhistoriker. Er lehrt an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Karls-Universität in Prag. In seinen Büchern (u.a. Smrt staré Maši, Goethe v Mariánských Lázních) befasst er sich mit Intimität, Erinnerung und den Existenzbedingungen im mitteleuropäischen Raum. Für sein literarisches Werk erhielt er den Jiří Orten Preis und eine Nominierung für den EU-Preis für Literatur. Seine Titel erscheinen regelmäßig auch in Deutschland.

DOX Centre for Contemporary Art
Quelle: www.dox.cz/en/whats-on/andros