Jiří Petrbok: Das Tagebuch eines Patienten

Von Otto M. Urban

Endet in 29 Tagen

Die Ausstellung „Das Tagebuch eines Patienten“ von Jiří Petrbok konzentriert sich auf das Thema des Selbstporträts und präsentiert das Werk des Künstlers von den 1990er Jahren bis heute als eine fortlaufende Aufzeichnung eines sich wandelnden, ständig in Frage gestellten „Ichs“.

Das Selbstporträt dient ihm nicht zur Bestätigung oder Stabilisierung der Identität, sondern wird zu einem Raum der Transformation, Maskierung, Ironie und Verteidigung. In den Bildern erscheint das Subjekt als Hybrid, Rolle, Zeichen oder Körper, der dem Druck der Außenwelt ausgesetzt ist. Der Titel der Ausstellung bezieht sich nicht nur auf Krankheit, sondern auf die umfassendere Erfahrung des Menschen, der den Einflüssen von Institutionen, gesellschaftlichen Erwartungen, Symbolen und dem eigenen Körper ausgesetzt ist. Der „Patient“ ist hier derjenige, auf den die Welt einwirkt, der aber gleichzeitig seine eigene Aufzeichnung führt, um nicht zu einem bloßen Fall zu werden. Petrboks visuelles Tagebuch verbindet Schmerz, Groteske, Humor und Angst und zeigt über Jahrzehnte hinweg Identität als einen Prozess – zerbrechlich, vieldeutig und niemals endgültig abgeschlossen.

Die Ausstellung verfolgt, wie sich dieses Prinzip in verschiedenen Perioden des Schaffens des Autors widerspiegelt: von frühen Bildern körperlicher und existenzieller Transformation über Motive von Masken, Schutzanzügen und fragmentierten Figuren bis hin zu Werken, in denen Familie, Institutionen, öffentlicher Raum und Sprache immer stärker in das Selbstporträt einfließen. Petrboks Werk erzählt dabei nicht von einem „wahren Ich“, das sich ein für alle Mal offenbaren ließe. Es zeigt vielmehr Identität als eine wandelbare Ansammlung von Rollen, Abwehrmechanismen, Gesten und Reaktionen, geformt durch den Druck der Umwelt und die innere Erfahrung. Das Tagebuch eines Patienten ist somit kein intimes Bekenntnis im traditionellen Sinne, sondern ein eindringliches Bild eines Menschen, der im Raum zwischen Verletzlichkeit und Selbstironie versucht, seine eigene Kontinuität zu bewahren.

Kurator: Otto M. Urban

DOX Centre for Contemporary Art