Radka Bodzewicz: FAUST

Von Michaela Šilpochová

19. Juni – 8. Nov., 2026

Radka Bodzewicz's Werk ist seit langem von literarischen Inspirationen geprägt – dem Lesen von Poesie, Prosa sowie Fach- und philosophischen Texten. Themen und Sujets, die sie in der Literatur findet und die sie als zeitlos empfindet, aktualisiert sie mittels einer eigenständigen visuellen Sprache zu umfassenden, gedanklich und expressiv kohärenten Bildzyklen, in denen sie oft klassische künstlerische Verfahren mit Überschneidungen zu neuen Technologien kombiniert.

In den vergangenen Jahren hat die Autorin auf diese Weise kanonische Werke der Weltliteratur bearbeitet – Dantes Göttliche Komödie, das poetische Epos Paradise Lost des englischen Dichters John Milton oder den Essay The Myth of the Eternal Return des amerikanischen Religionswissenschaftlers Mircea Eliade. Für die Ausstellung im DOX Centre for Contemporary Art hat sie sich entschieden, mit einer künstlerischen Reflexion an ein weiteres ikonisches literarisches Werk anzuknüpfen – Goethes Faust.

Die Geschichte des Doktors Faust versteht Radka Bodzewicz als Ausdruck des Jungschen Prinzips der Archetypen menschlicher Sehnsucht, die aus tief verwurzelten Erlebnismustern stammen und – literarisch (und vereinfacht) ausgedrückt – Motivation, Motor und Schöpfer menschlicher Schicksale sind. Im universellen Konflikt zwischen Gut und Böse ist Faust in Radka Bodzewicz's Darstellung die Verkörperung unserer eigenen Geschichten: über die unendliche Sehnsucht nach Wissen, Liebe, Macht, Ruhm oder dem Überschreiten der Grenzen des Möglichen sowie über die Schicksalhaftigkeit und Unumkehrbarkeit unserer eigenen Entscheidungen, unserer eigenen Pakte mit dem Teufel.

Kuratorin: Michaela Šilpochová

RADKA BODZEWICZ (* 1991) ist Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Prag (Atelier Grafik II / Klasse von Vladimír Kokolia und Skulptur II / Klasse von Jindřich Zeithamml, 2017). Während ihres Studiums absolvierte sie ein Praktikum an der Robert Gordon University – Gray’s School of Art, Aberdeen (2016), 2018 war sie Finalistin des Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst Award. Ihr Werk ist maßgeblich von ihrem Interesse an literarischen und philosophischen Texten beeinflusst, deren Themen sie in monumentale Malereizyklen umsetzt und klassische künstlerische Verfahren durch neue Technologien (virtuelle Realität, holografische Bilder oder 3D-Druck) erweitert. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzelausstellungen in der Tschechischen Republik und im Ausland präsentiert.

DOX Centre for Contemporary Art