David Tibet: Halluziniert, Kinder

Von Otto M. Urban

Öffnet in 97 Tagen

David Tibet, der Gründer des Musikprojekts Current 93, ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des esoterischen und experimentellen Undergrounds der letzten Jahrzehnte. In einer umfangreichen Diskografie von Dutzenden Alben schuf er ein einzigartiges Werk, das auch durch die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Steven Stapleton, Michael Cashmore, Nick Cave, Shirley Collins, Anohni und vielen anderen geprägt wurde.

Die Ausstellung Hallucinate, Children, die am 23. Oktober 2026 im DOX in Prag eröffnet wird, entsteht in Zusammenarbeit mit dem Künstler und präsentiert sein visuelles Werk, das Tibets gesamte Karriere umfasst. Seine künstlerische Praxis wird als autonomes visuelles Universum vorgestellt, eng verbunden mit Musik, literarischem Schaffen, Verlagstätigkeiten und einem langjährigen Interesse an visionärer Literatur, biblischen und apokryphen Texten und den Randbereichen spiritueller Imagination.

Tibets Zeichnungen und Gemälde sind keine Illustrationen seiner Lieder oder begleitendes Material zu seiner musikalischen Laufbahn. Sie wirken eher als eigenständige Aufzeichnungen von Träumen, Offenbarungen, Unruhe und ekstatischer imaginativer Gesten. Ihre symbolische Sprache wird von wiederkehrenden Figuren und Zeichen bewohnt: Kinder, Sterne, Vögel, Tiere, Engel, heilige Namen, Gespenster und apokalyptische Landschaften. Zusammen bilden diese Motive eine Welt, die zwischen Unschuld und Schrecken, Zerbrechlichkeit und Prophezeiung, Kinderreim und dem Jüngsten Gericht gespannt ist.

Tibets Werk wurzelt in einer breiten Tradition visionärer Kunst und Literatur: von John Milton, William Blake, M. R. James, Graf Stenbock und Thomas Ligotti bis zum britischen halluzinatorischen Underground, der christlichen Apokalyptik und obskurer übernatürlicher Literatur. Hallucinate, Children lädt die Zuschauer in einen Raum ein, in dem das Bild keine Dekoration, sondern ein Zeichen ist: ein dringendes, beunruhigendes und seltsam zärtliches Zeugnis einer Welt, die dauerhaft an der Schwelle zur Offenbarung verweilt.

Kurator: Otto M. Urban

DOX Centre for Contemporary Art