Jiří Kolář: X. Biennale von São Paulo

Von Mgr. Radoslav Ištok

27. März – 30. Aug., 2026

Im September 1969 wurde der tschechische Künstler Jiří Kolář einer von acht internationalen Preisträgern der Biennale auf der X. Biennale von São Paulo. Die Ausstellung bietet anhand von Werken aus tschechischen Museumssammlungen, darunter die Nationalgalerie Prag, eine teilweise Rekonstruktion der preisgekrönten Präsentation des Künstlers, basierend auf Fotos, die im Archiv der Biennale erhalten sind. Die Werke werden durch Archivmaterial ergänzt, das verschiedene Aspekte seiner Teilnahme an der prestigeträchtigen, aber auch kontroversen Biennale beleuchtet.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1951 war die Biennale von São Paulo ein Treffpunkt für Kunst aus Süd- und Nordamerika, Westeuropa und später auch dem Ostblock und dem globalen Süden. Von der ersten Teilnahme im Jahr 1957 bis zur zehnten Ausgabe im Jahr 1969 wurde die tschechoslowakische Ausstellung von Jiří Kotalík kuratiert, ab 1967 Direktor der Nationalgalerie Prag. Bei der zehnten Ausgabe, die gemeinsam vom slowakischen Kunsthistoriker Marian Váross kuratiert wurde, wurde die Tschechoslowakei neben Jiří Kolář auch von den tschechischen Künstlern František Ronovský und Jiří Novák sowie ihren slowakischen Kollegen Miloš Urbásek, Milan Dobeš und Michal Jakabčic vertreten. Obwohl ihre Werke unterschiedliche Ansätze zur Kunst in einer Zeit widerspiegelten, die zum Prager Frühling führte, wurden sie in São Paulo mehr als ein Jahr nach der Invasion der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei ausgestellt.

In der Geschichte der Biennale ist die zehnte Ausgabe vor allem durch einen Boykott berüchtigt, bei dem eine Reihe brasilianischer und ausländischer Künstler gegen Zensur und Menschenrechtsverletzungen durch die brasilianische Militärdiktatur protestierten. Obwohl die tschechoslowakischen Staatsvertreter von dem Boykott wussten, ist unklar, wie weit die Künstler selbst darüber informiert waren. Die Entscheidung von Jiří Kolář, ein Interview für die Zeitschrift Výtvarná práce abzulehnen, kann daher als ein mögliches Zeichen eines bedeutsamen Schweigens gewertet werden. Kurz darauf wurde der Künstler Opfer der Verfolgung durch die tschechoslowakische Staatsmacht. Die Ausstellung wirft unter anderem Fragen nach der Position von Künstlern auf, die unter komplexen politischen Bedingungen arbeiten, nicht nur zu Hause, sondern auch an den Orten, an denen ihre Werke ausgestellt werden.

Ort: Veletržní palác, Nationalgalerie Prag, 2. Stock, Ausstellung 1939–2021: Konec černobílé doby

Kurator: Rado Ištok

National Gallery Prague