Die Sammlungsausstellung im Obergeschoss des Klosterkomplexes präsentiert anhand von mehr als zweihundert Exponaten aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk die Veränderungen in Form und Funktion des Kunstwerks über drei Jahrhunderte. Exponate mit böhmischer Provenienz werden ergänzt durch Werke, die im breiteren mitteleuropäischen Raum – insbesondere Franken, Österreich, Sachsen – entstanden sind, z. B. Werke von Hans Pleydenwurff, Albrecht Altdorfer, Hans Hesse oder Lucas Cranach dem Älteren.
Die ältesten Werke dieser Ausstellung stammen aus der Zeit der Herrschaft der Přemysliden, einer Dynastie, zu der auch die Gründerin des hiesigen Klosters, die Heilige Agnes von Böhmen, gehörte. Zu den Spitzenexponaten der Sammlung und den Schätzen des nationalen Kulturerbes gehören Werke aus der Zeit der Luxemburger Herrschaft – König Johann und insbesondere sein Nachfolger Kaiser Karl IV. und seine Söhne. In der Luxemburger Zeit wirkten außergewöhnliche Maler und Bildhauer wie der Meister der Michelsberger Madonna, der Meister des Hohenfurter Altars, Meister Theoderich, der Meister des Wittingauer Altars oder der Meister der Krumauer Madonna. Ende des 14. Jahrhunderts entstand das Phänomen des sogenannten „schönen Stils“, der den böhmischen Ländern auf dem Gebiet der Kunstwerke Ruhm brachte. Die Regierungszeit von Vladislav und Ludwig Jagellonsky ist mit der spätgotischen und frührenaissancischen Periode verbunden – damals wirkten hier Maler wie der Meister des Altars des Heiligen Georg, der Meister des Puchner-Altars, der Meister des Leitmeritzer Altars, oder hervorragende Bildhauer wie der Meister der Beweinung Christi aus Žebrák und der Meister der Beweinung Christi aus Zvíkov. Zu den jüngsten Werken der Ausstellung gehören die Gemälde des Monogrammisten IW aus den 1540er Jahren, als in Mitteleuropa bereits die Renaissance-Ästhetik dominierte.
Autoren: Jiří Fajt, Štěpánka Chlumská Kuratorenteam: Štěpánka Chlumská, Mitarbeit Tomáš Hladík, Marcela Vondráčková Architektonisch-künstlerische Gestaltung der Ausstellung: Jiří Javůrek, Vlastimil Vagaday, Slavomír Vlk, Viera Bínová (Společnost genia loci, s. r. o.) Grafische Gestaltung: Pavel Lev, Aleš Najbrt (Studio Najbrt), Mitarbeit Luděk Novotný Ort: Klášter sv. Anežky České
App „Verborgene Geheimnisse mittelalterlicher Gemälde“
Die mobile Anwendung „Verborgene Geheimnisse mittelalterlicher Gemälde“ bietet Nutzern eine außergewöhnliche interaktive Tour durch die Tafelgemälde der mittelalterlichen Kunstausstellung im Agneskloster. Die App ist kostenlos (in Versionen für iOS und Android) im App Store und bei Google Play erhältlich.
Haptische Ausstellung von Abgüssen bildhauerischer Werke der böhmischen mittelalterlichen Kunst des 13.–15. Jahrhunderts
Eine Sammlung von zwölf Skulpturenabgüssen wird im Erdgeschoss des Klášter sv. Anežky České ausgestellt. Die Ausstellung ermöglicht es den Besuchern, die stilistische Transformation des Bildhauerwerks über mehrere Jahrhunderte hinweg zu verfolgen. Neben einem spätromanischen Relief aus der St.-Georgs-Basilika sind hier Werke aus der Zeit Karls IV. und Wenzels IV. zu sehen. Das Werk des berühmten Bildhauers und Architekten Petr Parléř wird durch Porträtbüsten aus dem Triforium des Veitsdoms in Prag repräsentiert. Jedes Exponat wird von einem Text in vergrößerter Schrift und einer grundlegenden Beschreibung in Braille-Schrift begleitet. Ein Katalog in Braille-Schrift ist ebenfalls erhältlich.
Lapidarium des Klosters
Der Lapidariumsbestand, der im Laufe von fast drei Vierteljahrhunderten archäologischer Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten im Objekt gesammelt wurde, umfasst Hunderte von Objekten. Die Nationalgalerie Prag verzeichnet mehr als 800 Objekte. Eine einzigartige Sammlung von Funden wird auch im Lapidarium des Nationalmuseums, des Archäologischen Instituts und des Museums der Hauptstadt Prag aufbewahrt. Für die Ausstellung wurden fast sechzig Objekte ausgewählt, die insbesondere die Bauzeit des Klosters während seiner Blütezeit zu Lebzeiten der Agnes von Böhmen abbilden, aber auch Objekte aus der Zeit der Klosterumbauten im 14. Jahrhundert und eine Sammlung von Renaissance- und Barockgrabsteinen sind nicht ausgeschlossen. Die meisten Werke sind im Hauptausstellungsbereich, in der Innenexposition in der ehemaligen schwarzen Küche, im Refektorium und im Außenbereich im Kreuzgang der Minderbrüder installiert. Einige bedeutende Solitäre sind am Ort ihrer ursprünglichen Bestimmung oder ihres Fundes belassen (siehe Exponate z. B. im Salvatorheiligtum, Oratorium).
Autor: Helena Soukupová, Mitarbeit Štěpánka Chlumská Kuratorenteam: Štěpánka Chlumská, Helena Dáňová Architektonisch-künstlerische Gestaltung der Ausstellung: Jiří Javůrek, Silvie Bednaříková (SGL Project) Grafische Gestaltung: Jana Vahalíková (Studio Marvil)

Mittelalterliche Kunst in Böhmen und Mitteleuropa 1200–1550
Von Mgr. Štěpánka Chlumská
1. Jan. 2010 – 6. Jan. 2030





