Bílek-Villa

Von Martin Krummholz

1. Juni 2022 – 31. Dez. 2026

Laut Bílek sollte die Prager Villa „das Leben als ein Feld voller reifer Ähren ausdrücken, die den Brüdern täglich Nahrung spenden. Viele Ähren zu Garben – Säulen – gebunden. Einige Säulen unvollendet, da sie nichts tragen.“ Der segmentierte Grundriss des Gebäudes kann als Spur einer Sichel gelesen werden, die Getreide erntet. Auffällig ist auch die Form der Säulen, die an altägyptische Tempelarchitektur erinnert. Ungebrannter Ziegel und grob bearbeiteter Stein nähern das Werk der Natur und der menschlichen Arbeit an. Der unregelmäßig gegliederte Innenraum wird von einem hohen Atelier als natürlichem Arbeits- und spirituellem Zentrum des Gebäudes dominiert. Seit 1963 wird die Bílek-Villa von der Galerie der Hauptstadt Prag verwaltet. In der neu eröffneten Dauerausstellung in der Villa werden neben der ursprünglichen Innenausstattung auch Bíleks Werke aus seiner künstlerischen Hochphase präsentiert.

Im Juni 2022 wurde anlässlich des 150. Geburtstags von František Bílek (1872–1941) die Bílek-Villa in Hradčany wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel der neuen Dauerausstellung war die Beseitigung störender und nicht originaler Elemente sowie ein sensiblerer Umgang mit den Innenräumen selbst. Diese wirken nun wohnlicher und die Werke des Künstlers sind in ihnen unter Berücksichtigung ihrer spirituellen Essenz installiert. Im Gegensatz zum Haus in Chýnov, wo hauptsächlich das Spätwerk des Künstlers und seine Arbeiten zur Hussiten-Thematik zu sehen sind, präsentiert die Ausstellung in der Prager Villa insbesondere die frühen Werke des Bildhauers, die von intensivem Mystizismus geprägt sind.

In der ehemaligen geräumigen Werkstatt sind exaltierte monumentale Skulpturen und figürliche Kompositionen ausgestellt, die sich durch organische Formen, markante vertikalisierende Silhouetten und pathetische Gesten auszeichnen. Den Raum dominieren dunkel gebeizte Figuren von Erstaunen (1907), Moses (1904) und der kolossale Entwurf des Prager Hus-Denkmals (1901). Am beeindruckendsten sind Bíleks Holzwerke – ein Material, das seiner Natur am besten entsprach. Bemerkenswert ist jedoch auch das eigene grafische und keramische Werk des Künstlers, das die skulpturalen Werke ergänzt, die in den Räumen des Familienesszimmers, Bíleks Arbeitszimmers und anderer Räume verteilt sind, in denen die frühen Arbeiten des Künstlers, Denkmalentwürfe und Porträts thematisch präsentiert werden. Der größte Raum im ersten Stock des Hauses ist dem bemerkenswerten Modell des Žižka-Denkmals (1912–1925) gewidmet.

Prague City Gallery
Quelle: www.ghmp.cz/en/exhibitions/villa-bilek