Das Ende der Neunziger – eine Zeit, in der das Internet über Einwahlverbindung ein Luxus war, Filme auf Kassetten geteilt wurden, Musik über selbstgemachte Mixe verbreitet wurde und die Menschheit darauf wartete, ob die Welt an der Jahrtausendwende untergehen würde. Zu dieser Zeit, als die tschechische Kunstszene lernte, in einer freien Gesellschaft zu funktionieren, entstand an der Akademii výtvarných umění v Praze die Gruppe Bezhlavý jezdec.
Josef Bolf, Ján Mančuška, Jan Šerých und Tomáš Vaněk betraten eine Kunstszene, die im Vergleich zur heutigen viel intimer war. Die Ausstellung ist nicht nur ein Blick in die Geschichte der tschechischen Kunst, sondern auch eine Überlegung darüber, was wir in den letzten dreißig Jahren gewonnen und was wir verloren haben.
Bezhlavý jezdec entstand 1996 und reihte sich neben neu gegründeten Gruppen wie Pondělí, Koza Nostra, Jednotka, Luxsus oder Podebal ein. Ihre Mitglieder verband ein tiefes Interesse an neo-avantgardistischer Kunst, klassischer Literatur, Science-Fiction oder D.I.Y., was in diesen Jahren im Gegensatz zur eindimensionalen Sprache der Werbung und der Mainstream-Popkultur stand. Der Name verwies auf ihre gemeinsame Skepsis gegenüber Führung und programmatischer Vereinheitlichung. Eine „Kopf“ bei der täglichen Entscheidungsfindung wurde durch Verhandlungen und künstlerische Intuition ersetzt.
Die Ausstellung bietet den Besuchern die Möglichkeit, in eine Umgebung einzutauchen, die an die Atmosphäre der letzten großen vor-Internet-Generation erinnert. Sie ist durchdrungen von Motiven der Faszination für das Fernsehen als Fenster zur westlichen Welt, Psychedelia, Comics, Experimenten mit veränderten Bewusstseinszuständen und dem Alltag postrevolutionärer tschechischer Haushalte. Bezhlavý jezdec kommentierte die Widersprüche, die die neunziger Jahre bis heute hervorrufen, mit wenigen Ausnahmen nicht direkt, sondern durch die Problematik der Formen der Wahrnehmung selbst und die Veränderungen in der Anordnung unseres Alltags.
Katalog, herausgegeben von GHMP in Zusammenarbeit mit AVU. Das Buch dokumentiert anhand von Archivmaterialien, Fotografien, Interviews und Dokumentationen die Aktivitäten der Gruppe in den Jahren 1996–2004 und präsentiert einen der umfassendsten Einblicke in dieses Kapitel der zeitgenössischen tschechischen Kunst.

Der kopflose Reiter
24. Juni – 11. Okt., 2026




