Unmittelbar erkennbare und weniger bekannte Werke aus der Gemälde- und Skulpturensammlung des Schlesischen Museums in Katowice bilden ein höchst interessantes Panorama ästhetischer Phänomene der frühen und reifen Moderne. Ihr Beginn ist durch die ersten Jahrzehn des 19. Jahrhunderts gekennzeichnet, geprägt von den Auswirkungen der Französischen Revolution, der Industrialisierung und Urbanisierung. Das Ende sind die dynamischen Jahre großer Modernisierungen, die durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterdrückt wurden.
Die Erzählung der Ausstellung wird durch aufeinanderfolgende, sich gegenseitig ergänzende oder kontrastierende Themen gebildet, die in Wissenskompendien charakterisiert oder für die Bedürfnisse des Projekts formuliert wurden, wie z.B.: Klassizismus, Romantik, Realismus, Impressionismus, Symbolismus, die Stimmungen des Jungen Polen, Ethnophilie (Volkskunst-Begeisterung) und Expressivität, École de Paris, Avantgardismus, Traditionalismus, Kolorismus, Art déco, Katastrophismus. Eine beabsichtigte Abweichung von der Chronologie ist die Gegenüberstellung – im Dialog – von Werken, die Historismus und Secession repräsentieren, um die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken über die Identität mitteleuropäischer Kulturkreise anzuregen.
Als wichtig erachtet wurde auch die Annäherung an die Geografie des polnischen Kunstlebens in der Zeit der Teilungen und in der Ära der Zweiten Republik. Die Auswahl der Werke soll somit die Ergebnisse der Tätigkeit von Absolventen und Vertretern verschiedener künstlerischer Zentren zeigen: Paris, München und Wien, und gleichzeitig Kraków, Warszawa, Poznań, Łódź, Wilno, Lwów und Katowice.
Inwieweit ist dieses Erbe modern geblieben? Was macht eigentlich Modernität aus und wie sehr wird sie durch Zeit, Ort, historische Gegebenheiten bestimmt?
Möge das Labyrinth der Galerie wie ein Spiegelsaal sein, in dem sich die Existenz mehrerer früherer Generationen widerspiegelt. Und darüber hinaus wir selbst – zum Beispiel, auf welche Weise wir mit den präsentierten Werken umgehen, zu welcher Sensibilität und Aufmerksamkeit wir heute fähig sind.
Ausstellungskurator: dr Michał Burdziński

Galerie der polnischen modernen Kunst 1800-1945
Dauerausstellung





