Ich kann nicht aufschreiben, wer auf diesem Bild ist

Öffnet in 20 Tagen

Es beginnt mit einer kleinen Verschiebung. Nicht mit einer Katastrophe, sondern mit einem kaum wahrnehmbaren Riss in der Kontinuität der Welt. Ein Name schwebt auf der Zungenspitze. Ein Gesicht verliert seine Selbstverständlichkeit. Der Weg nach Hause wird zum Labyrinth. Das Gedächtnis – das, was normalerweise als transparentes Gerüst der Realität fungiert – offenbart seine Zerbrechlichkeit erst dann, wenn es zu bröckeln beginnt. Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen Bekanntem und Fremdem. Dinge verlieren ihre Namen und Wörter ihre Referenz. Die Welt zerfällt in Fragmente, die sich immer schwieriger zu einem kohärenten Ganzen zusammenfügen lassen.

Drei Künstlerinnen. Drei unterschiedliche visuelle Sprachen. Und eine vielstimmige Erzählung über die Erinnerung, die verschwindet, und die Präsenz, die bleibt. Die Ausstellung, die sich der Erfahrung von Demenz widmet, wirft Fragen nach Identität, Beziehungen und Fürsorge auf. Sie umfasst sowohl die intime Erfahrung des Gedächtniszerfalls als auch die sozialen Dimensionen von Fürsorge und Abhängigkeit. Wenn das Gedächtnis schwindet, verschwindet nicht der Mensch, sondern seine Existenz wandelt sich. Die Kunst ermöglicht es uns, Fragmente dieser Transformation einzufangen und uns einer Realität anzunähern, die eindeutigen Beschreibungen entgeht.

Die Projekte „Vergissmeinnicht blühen im Januar“ von Marta Wojnarowska-Olszewska, „Duft“ von Iwona Germanek und „Into Oblivion“ von Maja Daniels bringen uns eine Welt näher, die oft unsichtbar bleibt. Der Betrachter begegnet hier flüchtigen Erinnerungsblitzen und den harten Grenzen der Isolation, der Erfahrung von Desorientierung und Angst, der in den Sinnen verborgenen Erinnerung sowie Spuren von Ausdauer, Hartnäckigkeit und dem Willen, sich selbst zu bewahren. Fotografinnen aus Polen und Schweden nähern sich dem Thema mit verschiedenen fotografischen Strategien – von der Arbeit mit Archiven über kreative Aktivitäten bis hin zur Dokumentarfotografie.

Die Ausstellung wirft auch Fragen auf, wie eine soziale Realität gestaltet werden kann, in der ein Mensch trotz fortschreitender Veränderungen präsent bleiben kann. Sie zeigt, dass Fürsorge nicht nur eine private Erfahrung ist, sondern eine der Grundlagen des gemeinsamen Lebens – ein Prüfstein dafür, wie wir auf Abhängigkeit, Zerbrechlichkeit und den Bedarf an Unterstützung reagieren. Es ist eine Geschichte des Verschwindens, aber auch dessen, was trotz Verlust bestehen kann: Beziehungen, Nähe und die Präsenz eines anderen Menschen.

Silesian Museum in Katowice