Die Ausstellung Argus & Medusa ist eine unwahrscheinlich wahre Geschichte. Oder eher ein Fragment davon, ein Blitz, ein Echo. Es ist die Geschichte eines zweihundert Jahre alten Gemäldes, das immer noch als eines der eindrucksvollsten Kunstwerke der Geschichte gilt. Die monumentale Leinwand mit dem Titel Das Floß der Medusa (1818–1819), die heute im Louvre in Paris hängt, hat seit ihrer Entstehung Künstler, Schriftsteller und andere Kreative über Zeiten, Kulturen und Kontinente hinweg fasziniert. Diese Ausstellung zeigt, wie das Werk die Vorstellungskraft zeitgenössischer bildender Künstler anregt und die Realität der heutigen Welt widerspiegelt.
Als der junge französische Künstler Théodore Géricault im Juli 1818 seinen Kopf rasierte und sich in seinem Pariser Atelier einschloss, war er völlig besessen von der Idee, ein kürzlich tragisches Ereignis darzustellen, das die französische Gesellschaft erschütterte und die Titelseiten der damaligen Presse füllte: Nach dem Untergang der Fregatte Méduse vor der Küste Westafrikas befanden sich 147 Mitglieder ihrer Besatzung ohne ausreichende Vorräte auf einem provisorischen Floß, das schließlich von Rettungsbooten und dem Kapitän des Schiffes verlassen und dem offenen Meer überlassen wurde. Während der folgenden dreizehn Tage wurden die Schiffbrüchigen auf dem Floß sowohl Opfer als auch Täter unsäglicher Gräueltaten – Gewalt, Mord und sogar Kannibalismus. Nur fünfzehn von ihnen wurden gerettet.
Géricault arbeitete monatelang fieberhaft und fertigte viele Skizzen des Ereignisses an. Schließlich beschloss er, den Moment darzustellen, in dem die Überlebenden auf dem Floß verzweifelt dem Rettungsschiff Argus zuwinken, das noch ein winziger Punkt am Horizont ist. Argus und Medusa. Ein Moment zwischen Hoffnung und Verzweiflung.
Das Gemälde Das Floß der Medusa hat die Künstler, deren Werke in dieser Ausstellung (und vielen anderen) gezeigt werden, durch seine Monumentalität, seine bahnbrechende Komposition und Ausführung, vor allem aber durch die epische Darstellung der von einer plötzlichen Katastrophe betroffenen Menschheit in seinen Bann gezogen. Géricaults Werk wird von Künstlern als Metapher für die heutige Welt und ihre Krisen verstanden – von Kriegen, Pandemien oder der Migrationskrise über den Klimawandel, den Zerfall der Gesellschaftsordnung bis hin zu persönlichen Traumata. Sie betonen aber auch die Hoffnung, die menschliche Unverwüstlichkeit und die Fähigkeit der menschlichen Spezies zu überleben, vor allem dank Empathie, Mitgefühl und Zusammenhalt. WIR ALLE SIND AUF DEM FLOSS DER MEDUSA, UND DIES IST AUCH UNSERE GESCHICHTE. Wie bewältigen wir Krisen und Katastrophen, wenn die Hoffnung auf einen kleinen Punkt am Horizont schrumpft? Der britische Dramatiker Tom Stoppard fasste die Botschaft des Floßes der Medusa eindeutig zusammen: „Wenn wir nicht zusammenhalten, sind wir verloren.“
Autorin und Hauptkuratorin: Michaela Šilpochová Ko-Kuratoren: Leoš Válka, Otto M. Urban
Ausstellende Künstler: Pierre-Désiré Guillemet & Étienne Antoine Eugène Ronjat (Théodore Géricault), Kader Attia, Banksy, Miquel Barceló, John Beard, Conrad Botes, Sylvie Choisnel, Tom de Freston, Martin Gerboc, Adad Hannah, Hu Jieming, Nikita Kadan, Monika & Bohuš Kubinští, David LaChapelle, Wolfe von Lenkiewicz, Paul McCarthy, Karol Radziszewski, Elfie Semotan, Marek Schovánek, Jakub Špaňhel, Jason deCaires Taylor, Bill Viola, Joel-Peter Witkin
Besondere Vorstellung des literarischen Werks „Die Schiffbrüchigen“ von Julian Barnes.
Werke für diese Ausstellung freundlicherweise ausgeliehen von: Amiens, Musée de Picardie, Catherina und Michael Roets, Collection Baudoin Lebon, Paris, Collection Conrad Botes, Collection of the Dalloul Art Foundation, Beirut, Lebanon, David LaChapelle Studio, Galerie Poggi, Paris, Hu Jieming & ShanghART Gallery, Justyna Dabrowska-Bień, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Denmark, Paul McCarthy und Hauser & Wirth, Paul & Paula Smith, Studio Semotan, Youxiantang Collection, Zeina Itaoui und Künstlern und privaten Sammlern

Argus & Medusa: Über die Hoffnung in schweren Zeiten
Öffnet in 31 Tagen





