Argus & Medusa: Von der Hoffnung in schwierigen Zeiten

Von Michaela Šilpochová

Öffnet in 31 Tagen

Die Ausstellung Argus & Medusa ist eine unwahrscheinlich wahre Geschichte. Oder vielmehr ein Fragment davon, ein Blick, ein Echo. Es ist die Geschichte eines zweihundert Jahre alten Gemäldes, das immer noch als eines der eindrucksvollsten Kunstwerke der Geschichte gilt. Die monumentale Leinwand mit dem Titel Das Floß der Medusa (1818–1819), die heute im Pariser Louvre hängt, fasziniert seit ihrer Entstehung Künstler, Schriftsteller und andere Kreative über Zeiten, Kulturen und Kontinente hinweg. Diese Ausstellung zeigt, wie das Werk die Vorstellungskraft zeitgenössischer bildender Künstler anregt und so die Realität der heutigen Welt widerspiegelt.

Als sich der junge französische Künstler Théodore Géricault im Juli 1818 den Kopf rasierte und sich in seinem Pariser Atelier einschloss, war er völlig besessen von der Idee, ein jüngstes tragisches Ereignis darzustellen, das die französische Gesellschaft erschüttert und die Schlagzeilen der damaligen Presse gefüllt hatte: Nach dem Schiffbruch der Fregatte Méduse vor der Küste Westafrikas befanden sich 147 Mitglieder ihrer Besatzung mit unzureichenden Vorräten auf einem provisorischen Floß, das schließlich von den Rettungsbooten und dem Kapitän des Schiffes verlassen wurde, wodurch es auf offener See trieb. In den nächsten dreizehn Tagen wurden die Schiffbrüchigen auf dem Floß sowohl Opfer als auch Täter unaussprechlicher Gräueltaten – Gewalt, Morde und sogar Kannibalismus. Nur fünfzehn von ihnen wurden gerettet.

Géricault arbeitete monatelang fieberhaft und fertigte viele Skizzen des Ereignisses an. Schließlich beschloss er, den Moment darzustellen, in dem die Überlebenden auf dem Floß verzweifelt dem Rettungsschiff Argus zuwinken, das noch ein winziger Punkt am Horizont ist. Argus und Medusa. Ein Moment zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Das Floß der Medusa faszinierte die Künstler, deren Werke in dieser Ausstellung (sowie viele andere) gezeigt werden, durch seine Monumentalität, seine bahnbrechende Komposition und Ausführung, vor allem aber durch seine epische Darstellung der Menschheit, die von einer plötzlichen Katastrophe heimgesucht wurde. Die Künstler verstehen Géricaults Werk als Metapher für die heutige Welt und ihre Krisen – von Kriegen, Pandemien oder der Migrationskrise über den Klimawandel, den Zusammenbruch der sozialen Ordnung bis hin zu persönlichen Traumata. Sie betonen aber auch die Hoffnung, die menschliche Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit der menschlichen Spezies zu überleben, vor allem durch Empathie, Mitgefühl und Solidarität. Wie bewältigen wir Krisen und Katastrophen, wenn die Hoffnung zu einem kleinen Punkt am Horizont schrumpft? Der britische Dramatiker Tom Stoppard fasste die Botschaft des Floßes der Medusa unmissverständlich zusammen: „Wenn wir nicht zusammenhalten, sind wir verloren.“

Ausstellende Künstler: Bill Viola, Nikita Kadan, David LaChapelle, Kader Attia, Elfie Semotan, Jakub Špaňhel, Miquel Barceló, Hu Jieming, John Beard, Wolfe von Lenkiewicz, Conrad Botes, Martin Gerboc, Sylvie Choisnel, Banksy, Tom de Freston, Jason deCaires Taylor, Adad Hannah, Joel-Peter Witkin, Karol Radziszewski, Paul McCarthy, Monika & Bohuš Kubinští, Pierre-Désiré Guillemet & Étienne-Antoine-Eugène Ronjat

Besonderer Dank für die Aufnahme eines literarischen Werkes in die Ausstellung: Julian Barnes

Kuratorin: Michaela Šilpochová

DOX Centre for Contemporary Art