Memory of Touch: Kapitel I

Von Tevž Logar

19. Juni – 8. Okt., 2026

Die Ausstellung Memory of Touch, die sich in zwei Kapiteln entfaltet, ist die erste umfassendere Präsentation der Sammlung der Kunsthalle Praha. Die Ausstellung stellt die Sammlung als offenes Gebilde dar und bringt modernistische, Nachkriegs- und zeitgenössische Werke in einen Dialog mit eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern der tschechischen Szene. Die Ideen und Haltungen der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler öffnen die Sammlung nach außen und rufen neue Resonanzen hervor. Diese Dialoge finden zu einer Zeit statt, in der Kontrolle, Gewissheit, Konflikt und ein makelloses Erscheinungsbild bevorzugt werden – in einem kulturellen Umfeld, das Effizienz und Sichtbarkeit schätzt, während es das Unbehütete, Unsichere und Unvollkommene verbirgt. Die Ausstellung bietet somit einen stillen Gegenpol zu den genannten Imperativen und lenkt unseren Blick auf Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit – jedoch nicht als Mängel, sondern als Gesten der Widerstandsfähigkeit. Offenheit und die Bereitschaft, Risiken einzugehen, sind hier keine Schwäche, sondern eine bewusste Wahl der eigenen Präsenz im gegebenen Moment. Aus dieser Position der Sensibilität treten wir dann in die Sammlung ein, durch eine nicht-chronologische Konstellation von Momenten, Eindrücken und Echos.

Der Titel der Ausstellung, der während eines Gesprächs mit der eingeladenen Künstlerin Valentýna Janů in ihrem Atelier entstand, verbindet Kapitel I und II und deutet gleichzeitig an, dass die Vergangenheit nicht nur eine entfernte Abstraktion ist. Es ist vielmehr etwas, das im Körper, im Material, in der Berührung oder Geste sitzt; es bleibt als Residuum auf Oberflächen und in den Arten, wie wir uns nähern oder zurückziehen, uns erinnern oder vergessen. Memory of Touch: Kapitel I widmet sich der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit als ästhetischen und politischen Strategien, die sich durch konzeptuelle, visuelle und materielle Dimensionen des Kunstwerks offenbaren. Wir betrachten sie nicht als passive Zustände, sondern als aktive Kräfte, durch die Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen Formen und Ideen dekonstruieren und neu gestalten, um auf die Instabilität der Welt zu reagieren. Dadurch entstehen Resonanzen zwischen frühen avantgardistischen Experimenten, Nachkriegspraktiken, die von Zensur oder Repressionen geprägt waren, und zeitgenössischen Werken, insbesondere denen der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler. Ihre Werke spiegeln den heutigen Zustand der Unsicherheit durch ungeordnete Narrative, instabile Materialien und fragmentierte Körper wider.

Die Verknüpfung der Werke in diesem Kapitel lässt die Bedeutungen offen – als stillen Raum, in dem die Berührung nicht auf der Haut endet, sondern als Erinnerung, Spur und Möglichkeit der Existenz einer anderen Welt weiterlebt.

Den Besucherinnen und Besuchern steht während der Ausstellung ein Audioguide zur Verfügung, der in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Praha und der Plattform Cabinet of Wonders entstanden ist.

Kunsthalle Praha