Die Ausstellung erzählt von den Lebensrealitäten der Frauen in Polen in den 1980er Jahren. Dieses Jahrzehnt begann mit einer wirtschaftlichen und sozialpolitischen Krise und endete mit dem Übergang des politischen Systems. Diese unruhige Zeit wurde bis heute vor allem aus männlicher Perspektive beschrieben – als die Hauptkraft hinter den politischen Veränderungen. Die sozialen Erfahrungen der Frauen dagegen zeugen von den Verflechtungen zwischen großer Geschichte und privatem Alltag, und ihr Einfluss auf den Zustand des Landes nach 1989 ist unbestreitbar.
Wie die Kuratorinnen (alle weiblich) betonen: ‘Alltag, kreative Arbeit und politische Ereignisse bildeten einen dynamischen Strom, in dem Frauen versuchten, Entscheidungen zu treffen und den Lauf der Ereignisse zu beeinflussen, sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Raum. Eine gemeinsame Erfahrung von Mutlosigkeit und Widerstand gegen die sich verschlechternden Lebensbedingungen zu Beginn des Jahrzehnts wich der Forderung nach systemischem Wandel und der Freude über die Entstehung von Solidarity und freien Gewerkschaften. Das Kriegsrecht brachte Angst, vermischt mit Wut und Hass gegenüber der Obrigkeit. Die freien Wahlen von 1989 entfachten Begeisterung, aber auch Enttäuschung über die neue politische und wirtschaftliche Ordnung. Das Jahr 1993 erwies sich als besonders bedeutsam für die Gesundheit und das Leben der Frauen, denn damals wurde das Abtreibungsgesetz verabschiedet, dessen Folgen bis heute spürbar sind.’
Die Präsenz der Frauen in den 1980er Jahren hinterließ Spuren in vielen Bereichen, vom öffentlichen Raum und politischen Engagement über soziales Aktivismus und Berufsleben bis hin zu Kunst, Wissenschaft, Gegenkultur und Alltag. Die Ausstellung konzentriert sich auf vier Dimensionen der weiblichen Erfahrung, die in den Abschnitten ‘Familie’, ‘Kirche’, ‘Staat’ und ‘Mutiges neues Land’ (die Jahre 1989–1993 umfassend) präsentiert werden.
Die Ausstellung besteht überwiegend aus Fotografien, die das private und öffentliche Leben von Frauen zeigen, sowohl berühmter als auch unbekannter. Sie porträtiert Intellektuelle, Sportlerinnen, Oppositionelle, Wissenschaftlerinnen, Ärztinnen, Lehrerinnen und Künstlerinnen. Zu sehen sind Werke renommierter Fotojournalistinnen: Marzena Hmielewicz, Anna Michalak-Pawłowska, Anna Musiałówna und Agnieszka Sadowska. Ergänzt werden sie durch Reproduktionen von Arbeiten polnischer Künstlerinnen: Urszula Broll, Katarzyna Górna, Izabella Gustowska, Joanna Kabala, Natalia LL, Irena Nawrot, Mariola Przyjemska, Ewa Partum und Janina Kraupe-Świderska. ‘Ihre Arbeiten sind nicht nur ein äußerst wichtiges Zeugnis der Epoche, sondern auch ein Vorbote der Veränderungen, die in den folgenden Jahrzehnten kommen sollten’, sagen die Kuratorinnen. ‘Künstlerinnen, die sich mit weiblicher Sexualität beschäftigten, stellten kulturelle Geschlechterkonstrukte und die Reproduktionspolitik des Staates infrage und kämpften zugleich für die Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit von Frauen. Sie suchten nach Wegen, ihre eigene Sinnlichkeit und Körperlichkeit im öffentlichen Raum auszudrücken, der ihnen zuvor verschlossen war. Außerdem stützen wir unsere Erzählung auf Auszüge aus Filmen, Chroniken und Interviews, die im Rahmen des Projekts Women’s Archive entstanden sind.’
Die DSH-Ausstellung ‘THE ’80s LOOK AT US’ wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Literaturforschung und der Women’s Archive Foundation organisiert. Die Ausstellung ist vom 8. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 in der DSH-Galerie (Karowa 20, Warschau) zu sehen.
Eine Ausstellung im Rahmen des Projekts Women’s Archive „We’re Changing the World—Women’s Movements in Poland, 1980–2004“ und des Heroines Festivals 2026 des Instituts für Literaturforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Außerdem heißen wir Sie mit Ihren vierbeinigen Freunden im DSH willkommen.
Zur Ausstellung erscheint ein vom DSH herausgegebener Katalog: Konzept, Fotoauswahl und Texte: Monika Rudaś-Grodzka, Łucja Iwanczewska, Katarzyna Stańczak-Wiślicz Geschäftsführende Redakteurin: Małgorzata Purzyńska Grafikdesign und Layout des Katalogs: Kuba Maria Mazurkiewicz Redaktion: Marta Markowska, Małgorzata Purzyńska Übersetzung: Grażyna Waluga Korrektorat: Anna Kaniewska (Polnisch), Christopher Smith…

Die 80er blicken auf uns
Von Monika Rudaś-Grodzka, Łucja Iwanczewska, Katarzyna Stańczak-Wiślicz
8. Okt. 2026 – 21. Feb. 2027



