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17. Ausgabe des Fotografie-Kabinetts / Józef Czechowicz (1818–1888) – Fotograf von Vilnius

Von Danuta Jackiewicz-Król

15. Sept. – 13. Dez., 2026

Vilnius wird zum ersten Mal Thema der Ausstellung im Fotografie-Kabinett sein.

Józef Czechowicz, der Vilnius-Landschaftsfotograf, hielt die Stadt meisterhaft fest, die inmitten von Hügeln liegt, über den malerisch mäandernden Flüssen Wilia und Wilejka, was bereits Jan Bułhak (1876–1950) begeisterte. Dieser erkannte in seinem Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert den „ersten Vilnaer Vertreter der heimischen Fotografie“ an. Die Ausstellung präsentiert Abzüge auf Albuminpapier sowie gläserne Kollodiumnegative, was es ermöglicht, die Arbeitsweise eines professionellen Fotografen in der „goldenen Epoche“ dieses neuen Kunstfeldes kennenzulernen. Józef Czechowicz war ein Künstler, der leidenschaftlich die schönsten Aussichtspunkte und wertvollen Denkmäler Vilnius’ entdeckte. Die Landschaftsbilder des Fotografen offenbaren nicht nur die Schönheit, sondern auch die Geschichte der Stadt, die für unser historisches Gedächtnis so bedeutsam ist.

Die Biografie Józef Czechowicz’ ist nach wie vor Gegenstand der Forschung von Fotografiehistorikern in Litauen, Belarus, der Ukraine und Polen. Bekannt ist, dass er 1818 in einer katholischen Adelsfamilie in der Nähe von Polozk im damaligen Gouvernement Witebsk geboren wurde. Das Gymnasium absolvierte er in Witebsk, danach wurde er Beamter im Kriegsministerium, wo er bis 1856 arbeitete. Anschließend bekleidete er Posten in zahlreichen Behörden und an verschiedenen Orten, unter anderem in Zamość. Um 1853, während einer Unterbrechung des Militärdienstes, interessierte er sich für die Fotografie und eröffnete in Lublin ein Porträtatelier. 1856 reiste er nach Paris, wo er die Geheimnisse der fotografischen Techniken erlernte. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich ließ er sich in Kiew nieder, von wo er 1861 nach Witebsk zog und dort ein Fotoatelier eröffnete, das er jedoch aus administrativen Gründen bald wieder schloss. Im August 1865 ließ er sich in Vilnius nieder, wo er als Fotograf in gemieteten Räumen in Skopówka und Antokol zu arbeiten begann. 1867 besaß er bereits einen eigenen Holzpavillon auf dem städtischen Platz beim Botanischen Garten.

In Vilnius spezialisierte sich Czechowicz, der mit den europäischen Errungenschaften dieses neuen Kunstfeldes gut vertraut war, auf das sogenannte nasse Kollodiumverfahren. Die Verbreitung dieser Negativ-Positiv-Technik, bei der als Negativträger eine Glasplatte diente, die mit feuchtem Kollodium und lichtempfindlichen chemischen Verbindungen beschichtet war, begann 1851 während der Great Exhibition in London. Als ihre Erfinder gelten der Franzose Gustave Le Gray und der Engländer Frederick Scott Archer. Zu den Vorzügen des neuen Verfahrens gehörten kürzere Belichtungszeiten, die Möglichkeit, beliebig viele Abzüge herzustellen, und die perfekte Schärfe des Bildes. Jeder Fotograf bereitete die chemischen Reagenzien für das bestmögliche, also möglichst lichtempfindliche Kollodium selbst vor. Die Aufnahme musste sofort erfolgen, solange das Glas noch feucht war. Ebenso stellte der Fotograf das Albuminpapier für Abzüge von den entwickelten Negativen selbst her. Der gesamte fotografische Prozess behielt so einen persönlichen, individuellen Charakter, was unter anderem zu den hohen Preisen für fotografische Abzüge beitrug.

Die vollendet komponierten und professionell ausgeführten Fotografien Czechowicz’ fanden Anerkennung nicht nur in Vilnius selbst und unter Polen, die in den Gebieten anderer Teilungsmächte lebten, sondern auch in Paris, Sankt Petersburg und Moskau. 1876 wurde der Künstler in die renommierte Société de photographie française aufgenommen. Auf der aktuellen Ausstellung zeigen wir unter anderem einige Aufnahmen, deren Abzüge sich noch heute in den Sammlungen dieser angesehenen Pariser Institution befinden. Es handelt sich um: Die Grüne Brücke, die Kirche des heiligen Kasimir und das Innere der Kirche der Heiligen Peter und Paul.

Józef Czechowicz hinterließ sein fotografisches Atelier sowie seinen gesamten künstlerischen Nachlass seiner langjährigen Lebensgefährtin Anna de Rotte (1845–1923). Nach seinem Tod heiratete sie den Maler Wincenty Sleńdziński und führte das Atelier weiter, wobei sie die Arbeiten Czechowicz’ zusätzlich mit einem Stempel mit ihrem Nachnamen signierte. Dank der Sorgfalt der Familie um den Nachlass dieses herausragenden Fotografen sind seine Glasnegative erhalten geblieben, die das MNW 1967 von Ludomir Sleńdziński, dem Sohn Annas und …

— National Museum in Warsaw