Adel und Priestertum

29. Mai – 13. Sept., 2026

Bereits im frühen Mittelalter entstanden an den Kathedralen Chöre von Klerikern – Kanonikern –, deren Aufgabe es war, ununterbrochene Gebete im Chor der Kathedralen zu gewährleisten, die feierliche Gestaltung der Gottesdienste zu pflegen und den Bischof bei der Verwaltung der Diözese zu unterstützen. Diese Rolle übernahm bald auch das Olomoucer Kapitel, das zu den ältesten kirchlichen Institutionen in Mähren gehört. Es wurde wahrscheinlich unmittelbar nach der Wiederherstellung des mährischen Bistums im Jahr 1063 gegründet, seine tatsächlich belegbaren Anfänge sind jedoch mit der Person des Bischofs Jindřich Zdík und mit der Verlegung des Bischofssitzes und des Kapitelsitzes im Jahr 1141 zur neu erbauten Kirche St. Wenzel verbunden. Zdíks Ziel war ein reformiertes Kapitel von zwölf Kanonikern, die ähnlich wie die zwölf Apostel Christi ein vita communis, also ein gemeinsames Leben, praktizieren sollten. Dieses Ideal überlebte seinen Gründer jedoch nicht. Unter Bischof Robert erwarb das Kapitel auch das Recht der freien Bischofswahl, das es zuletzt (wenn auch in eingeschränkter Form) im Jahr 1916 ausüben konnte.

Das Kapitel als eigenständige Institution unterlag eigenen Satzungen, den sogenannten Statuten, die auf allgemeinen Kapitelregeln basierten, aber im Laufe der Geschichte mehrfach geändert und ergänzt wurden. Die Statuten galten gleichzeitig als interne Angelegenheit des Kapitels und wurden als solche streng gehütet. Das Recht, sie zu kennen, hatten nur die Kanoniker selbst.

Informationen zur Ausstellung

AUSSTELLUNG: Adel und Priestertum. 200 Jahre seit der Einführung der adeligen Exklusivität der Kanoniker des Olomoucer Metropolitankapitels

ORT: St.-Wenzel-Kathedrale, Krypta

TERMIN: 29. 05. 2026 – 13. 09. 2026

AUTORINNEN UND KURATORINNEN: Jitka Jonová, Helena Zápalková

RESTAURATORISCHE VORBEREITUNG: Ondřej Žák

GRAFISCHES DESIGN: Martin Fišr

TECHNISCHE MITARBEIT: Antonín Kučera

Öffnungszeiten

JUNI

Samstag, 10:00—13:00 und 14:00—17:00

Sonntag, 14:00—17:00

JULI UND AUGUST

Dienstag—Samstag, 10:00—13:00 und 14:00—17:00

Sonntag und Feiertag, 14:00—17:00

SEPTEMBER

Samstag, 10:00—13:00 und 14:00—17:00

Sonntag, 14:00—17:00

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts waren die Olomoucer Kanoniker fast ausschließlich Mitglieder des Adels, obwohl der Inkolat, d.h. die Zugehörigkeit zum Landadel, erstmals in den von Maria Theresia 1772 genehmigten Statuten auftauchte. Als Angehörige des Adels traten sie – obwohl sie Priester waren – auch in ihren Eiden auf: sub fide nobili et sacerdotali (als Adliger und Priester). Obwohl in den meisten Kapiteln ab dem Ende des 18. Jahrhunderts von der Anforderung der adeligen Herkunft allmählich Abstand genommen wurde, war in Olomouc die adelige Exklusivität (ohne Inkolat) erst in den Kapitelstatuten verankert, die 1826 vom Olomoucer Erzbischof, Erzherzog und Kardinal Rudolf Jan bestätigt wurden. Diese Bedingung konnte erst durch ein Dekret von 1880 teilweise gelockert werden, endgültig dann erst nach 1918.

Ob die Olomoucer Kanoniker geborene Adlige waren oder sich ihr Adel hauptsächlich in geistlichen Aktivitäten – oder beides – manifestierte, sie stellten einen wichtigen Bestandteil des Funktionierens der Diözese und der Kathedrale dar. Sie gehörten oft zu den großzügigsten Donatoren, aber auch zu wichtigen Triebkräften des kulturellen, sozialen und nationalen Lebens. Die Ausstellung, die anlässlich des Jahrestages der Herausgabe der Kapitelstatuten zur adeligen Exklusivität organisiert wurde, erinnert an ausgewählte Persönlichkeiten aus den Reihen der Olomoucer Kanoniker des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vor allem durch liturgische Kunst- und Handwerkswerke aus dem Bestand der St.-Wenzel-Kathedrale.

Die Ausstellung wird von der Römisch-katholischen Pfarrei St. Wenzel Olomouc in Zusammenarbeit mit der Kyrill-und-Method-Theologischen Fakultät der Palacký-Universität in Olomouc und dem Muzeum umění Olomouc organisiert.

Olomouc Museum of Art
Quelle: muo.cz/vystavy/slechtictvi-a-knezstvi