Raus aus der Stadt!

21. Mai – 18. Okt., 2026

Diese Ausstellung zum 80. Geburtstag von Jindřich Štreit präsentiert ein einzigartiges Doppelporträt dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit – als Fotograf und als Kulturorganisator. Es ist jedoch keineswegs die Bilanz eines Menschen, der langsamer wird. Im Gegenteil. Die Ausstellung des Künstlers, Raus aus der Stadt!, die vom 21. Mai bis 6. September 2026 im Muzeum umění Olomouc stattfindet, zeigt, dass Vitalität, Interesse an anderen und die Lust, aktiv zu sein, einen Menschen ein Leben lang begleiten können, unabhängig vom Alter.

Die Ausstellung stellt zwei wichtige Bereiche von Štreits Wirken vor: sein fotografisches Werk der 80er Jahre und seine langjährige kuratorische Arbeit in der ehemaligen Schule in Sovinec. Beide verbindet ein Thema – ein tiefes Interesse an Menschen und ihrem Alltag.

Über die Ausstellung

AUSSTELLUNG: Raus aus der Stadt! Jindřich Štreits fotografische und kuratorische Tätigkeit

TERMIN: 21. Mai – 6. September 2026 / verlängert bis 18. Oktober 2026

VERNISSAGE: 21. Mai 2026 um 18:30 Uhr

ORT: Muzeum moderního umění, Salon und Kabinet

KURATOREN: Štěpánka Bieleszová, Arkadiusz Gola

ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG: Štěpánka Bieleszová

GRAFIKDESIGN: Petr Šmalec

DRUCKVORSTUFE: Martin Navrátil

INSTALLATION: Vlastimil Sedláček, Filip Šindelář, Radka Žáková

ZUSAMMENARBEIT:

Abteilung Sammlungen und Dokumentation (Zdeněk Sodoma), Restaurierungsabteilung (Jakub Barna, Veronika Langer Klimszová, Anna Píšťková, Gabriela Polívková)

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Galeria Fotografii Miasta Rzeszowa und dem Muzeum Górnictwa Węglowego w Zabrzu.

DANKSAGUNG: Piotr Piech, Galeria Fotografii Miasta Rzeszowa

Museum geöffnet: Mittwoch–Sonntag von 10 bis 18 Uhr

BEGLEITENDE AUSSTELLUNGSPROJEKTE:

Lenka Zavadilová. Bahnhof in Lubawka | 23. 5. – 13. 9. 2026 | Amadeus Coffee & Wine

Zuzana Fajmonová. Pop Art | 2. 3. – 30. 6. 2026 | Bistro Central | 1. Stock

Menschen zuerst

Der erste Teil der Ausstellung präsentiert bisher unveröffentlichte Fotografien aus den 80er Jahren, die in den ehemaligen Sudeten entstanden sind. Der Autor hat sie damals aufgenommen, aber nie ausgestellt. Sie werden erst jetzt, nach langen Jahrzehnten, wieder lebendig.

Es geht nicht nur um ein Dokument des ländlichen Raums vor 1989. Štreit fängt zwischenmenschliche Beziehungen, Traditionen, Freuden und Schwierigkeiten des Alltags ein. Das Dorf wird in seinen Bildern zu einem verkleinerten Modell der gesamten Gesellschaft. Wir sehen hier Zusammenhalt und Einsamkeit, Müdigkeit und Hoffnung.

Was jedoch wesentlich ist – seine Fotografien sind weder Sensation noch Kritik aus der Distanz. Sie entstanden aus einer persönlichen Beziehung, aus Vertrauen und langjährigem Kontakt mit den lokalen Menschen. Štreit stand nie abseits. Er war Teil des Umfelds, das er fotografierte. Und genau diese Menschlichkeit verleiht seinen Bildern auch nach Jahrzehnten noch Stärke.

Jindřich Štreit, ohne Titel, 1982–1983

Der Mut, auch in schwierigen Zeiten zu schaffen

Der zweite Teil der Ausstellung erinnert an Štreits kuratorische Tätigkeit in Sovinec, wo er seit 1974 einen Treffpunkt für Künstler außerhalb der offiziellen Kulturzentren schuf. In der Zeit der Normalisierung, unter der Aufsicht von Zensur und Staatsmacht, gelang es ihm, einen Raum für freien Meinungsaustausch und Schaffen aufzubauen.

Das Jahr 1982 brachte einen dramatischen Bruch – er wurde der Verunglimpfung der Republik beschuldigt. Diese Erfahrung hätte viele gebrochen. Bei ihm jedoch stärkte sie die Entschlossenheit, weiterzumachen. Obwohl er nur eingeschränkt und hauptsächlich in alternativen Räumen ausstellen konnte, hörte er nie auf zu schaffen oder andere zu unterstützen.

Marie Blabolilová, ohne Titel, 1988–1989. Sammlung Jindřich Štreit

Aktivität als Lebenshaltung

Das Leben von Jindřich Štreit zeigt, dass Aktivität keine Frage des Alters, sondern der Haltung ist. Sein ganzes Leben lang interessiert er sich für soziale Themen, für Menschen am Rande der Gesellschaft, für diejenigen, die nicht sehr sichtbar sind. Er fotografierte Senioren, Menschen mit Behinderungen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Immer mit Respekt und Empathie.

Seine Geschichte kann eine Inspiration sein: Jeder von uns kann im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv sein. Jemand hilft mit Fotografie, ein anderer mit Freiwilligenarbeit, der Pflege von Angehörigen oder dem Interesse an Nachbarn. Wichtig ist, nicht gleichgültig zu bleiben.

Die Ausstellung Raus aus der Stadt! blickt also im Grunde nicht in die Vergangenheit. Sie erzählt vielmehr davon, dass man auch mit achtzig voller Energie, Interesse und Schaffenslust sein kann. Und dass ein aktives Leben, Offenheit gegenüber anderen und die Bereitschaft zu helfen dem menschlichen Alter Tiefe und Sinn verleihen.

Olomouc Museum of Art
Quelle: muo.cz/vystavy/z-mesta-ven